Politische Unruhen, Inflationssorgen und hohe Bewertungen belasten aktuell die Anlegerstimmung. «Die grösste Gefahr für die Aktienmärkte ist derzeit nicht ein einzelner Krisenherd, sondern das gleichzeitige Zusammentreffen mehrerer Belastungsfaktoren», hielt ein Marktbeobachter fest. Sorgen bereiteten unter anderem Spekulationen über eine weitere militärische Eskalation im Iran. Der Ölpreis blieb daher nahe an seinen bisherigen Höchstständen.

Die Anleger erhoffen sich nun Impulse durch die Q3-Berichtssaison. Den Auftakt macht morgen der Technologiekonzern ABB, am Donnerstag folgen die SMI-Schwergewichte Roche und Nestlé. Laut Händlern müssen insbesondere die hochbewerteten KI-Titel zunehmend zeigen, wann sich die gewaltigen Investitionen tatsächlich auszahlen werden.

SMI leicht im Minus

Der SMI schloss 0,16 Prozent tiefer bei 14'368,78 Punkten und damit auf Tageshoch. Elf Titel legten zu, acht gaben nach, während die Zurich-Aktien unverändert notierten. Der breite SPI verlor 0,09 Prozent auf 20'271,23 Punkte, während der Mid-Cap-Index SMIM um 0,3 Prozent auf 3142,21 stieg. Gleichzeitig kletterte das «Angstbarometer» VSMI um 9 Prozent und zeigte damit die Nervosität der Anleger.

Die wichtigen europäischen Börsen wie der Dax, der Cac 40 und der FTSE 100 gaben über 1 Prozent nach. Die US-Börsen notierten am Abend hingegen im Plus, die techlastige Nasdaq sogar deutlich. Diese hatten vergangene Woche unter Finanzierungssorgen gelitten.

Zu den grössten Verlierern im SMI gehörten die UBS (-1,4 Prozent). Auch weitere Bankaktien wie Julius Bär, EFG oder Vontobel gaben um bis zu 1,3 Prozent nach. Händler verwiesen auf die insgesamt schwache Börsenstimmung und Sorgen um hohe Staatsanleihenrenditen und Refinanzierungskosten.

Die jüngst stark gesuchten defensiven Schwergewichte entwickelten sich unterschiedlich. So gaben Novartis (-0,4 Prozent) nach, während Roche und Nestlé (je +0,2 Prozent) den Markt stützten. Andere Gesundheitswerte wie Galderma (-1,3 Prozent) und Sandoz (-0,8 Prozent) notierten tiefer.

Techaktien durchmischt

Bei den Techaktien zeigte sich ein gemischtes Bild: Logitech (+2,5 Prozent) sowie die Halbleiter-Zulieferer VAT (+1,8 Prozent), AMS Osram (+5,4 Prozent) und Comet (+4,2 Prozent) zogen nach den Verlusten der Vorwoche wieder kräftig an, während Rechenzentren-Profiteure wie ABB (-1,3 Prozent), Belimo (-1,8 Prozent) und Huber+Suhner (-2,0 Prozent) weiter nachgaben. ABB, Comet und Huber+Suhner legen am Dienstag Zahlen vor.

Beim Aufschwung der US-Techwerte sprachen Händler am Montag von einer klassischen «Buy-the-Dip»-Bewegung: Anleger würden den Rücksetzer der vergangenen Woche vor den Quartalszahlen zum Wiedereinstieg nutzen. Die Hoffnung liege nun auf Tech-Schwergewichten wie Tesla, Meta und SpaceX.

Givaudan und Lonza gesucht

Zu den weiteren Gewinnern zählten Givaudan (+1,3 Prozent) im SMI und DSM Firmenich (+2,5 Prozent) im breiten Markt. Die wenig konjunktursensiblen Titel aus der defensiven Branche Aroma- und Riechstoffe waren gefragt.

Bei Lonza (+1,5 Prozent auf 613,20 Fr.) erhöhte Stifel nach dem Kapitalmarkttag von letzter Woche das Kursziel auf 680 Franken und hielt an der Kaufempfehlung fest. Das Management habe das Wachstumsziel glaubwürdiger gemacht, hiess es.

Lindt&Sprüngli nach CEO-Rauswurf tiefer

Für Aufsehen sorgte zudem der Rauswurf des Konzernchefs bei Lindt&Sprüngli (PS -0,8 Prozent). Der abrupte Führungswechsel warf laut Analysten Fragen zur Verantwortung des Verwaltungsrats auf.

Aufwärts ging es hingegen mit Also (+6,1 Prozent) nach einer kräftigen Gewinnsteigerung in den ersten neun Monaten. Centiel (+1,9 Prozent) erhielten durch einen bestätigten US-Auftrag Unterstützung.

Darüber hinaus bewegten Analystenkommentare. Avolta legten um 2,6 Prozent zu, nachdem Citigroup die Aktie mit Kauf wieder aufgenommen hatte. Auch bei SMG (+1,2 Prozent) nahm Kepler Cheuvreux die Abdeckung mit einer Kaufempfehlung auf.

ls/rw

(AWP)