«Die Fed hat kaum eine andere Wahl, als die Zinsen anzuheben, zumal der Anleihemarkt seit Wochen signalisiert, dass höhere Zinsen gerechtfertigt sind», sagte eine Marktstrategin. Der Aktienmarkt wäre enttäuscht, wenn die Währungshüter die Zinsen nicht anheben würden.

Somit dürfte weniger die eigentliche Entscheidung für Bewegung sorgen als vielmehr die Tonalität der Notenbank und ihre Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Spannend könnte es auf der anschliessenden Pressekonferenz mit dem noch recht neuen Fed-Chef Kevin Warsh werden. «Sehr entscheidend wird sein, ob das Fed die Unabhängigkeit bewahrt oder politisch gesteuert wird», sagte ein Händler: Man sei gespannt auf die Aussagen von Warsh und die Reaktion von US-Präsident Donald Trump auf Truth Social.

Der US-Notenbank sei es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, die Inflation nachhaltig auf ihr Zwei-Prozent-Ziel zu senken. Gleichzeitig sorgen die weiterhin hohen Energiepreise für neue Inflationsrisiken. Für das Fed gehe es heute deshalb um mehr als nur um den Leitzins, sagte ein Marktbeobachter: «Sie muss den Märkten glaubhaft vermitteln, wie sie die Inflation unter Kontrolle bringen will, ohne dabei die konjunkturellen Risiken aus den Augen zu verlieren.»

Mit dem Fed ist diese geldpolitisch hochspannende Woche allerdings noch nicht beendet. «Es folgen die Zinsentscheidungen der Bank of England und der Bank of Japan, bevor am Freitag mit dem grossen Verfall an den Terminbörsen ein weiterer potenzieller Volatilitätstreiber wartet», sagte ein weiterer Marktbeobachter.

Für etwas Erleichterung sorgte ein Rückgang der Ölpreise unter die Marke von 108 Dollar. Ein Fass Rohöl der Referenzsorte Brent zur Lieferung im November kostet am Abend noch 105,15 Dollar. Das ist ein Minus von 3,3 Prozent gegenüber dem Vortag. Die stillgelegte Pipeline Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien solle in wenigen Tagen teilweise wieder in Betrieb genommen werden, hiess es aus US-Kreisen.

Starke ABB-Titel

Der SMI kletterte um 0,43 Prozent auf 13'868,66 Punkte. Der Index der mittelgrossen Unternehmen SMIM stieg um 0,44 Prozent auf 3020,46 Punkte und der breite SPI um 0,52 Prozent auf 19'557,13 Zähler. Von den 20 Titeln im SMI legten 12 zu, während 7 Verluste erlitten und einer (Swisscom) unverändert aus dem Handel ging.

Bei den SMI-Blue-Chips führten ABB mit einem Plus von 2,1 Prozent das Gewinnerfeld an vor Sika (+1,7 Prozent). Dahinter folgten Swiss Life (+1,1 Prozent) und Givaudan (+0,9 Prozent).

Von den Schwergewichten zeigten die beiden Pharmagiganten Roche (+0,5 Prozent) und Novartis (+0,4 Prozent) moderate Gewinne. Auch wenn sie im späten Handel schwächelten, setzten Novartis damit die zaghafte Erholung seit dem Einbruch vergangene Woche weiter fort. Dagegen musste das dritte Schwergewicht Nestlé Federn lassen (-0,3 Prozent). Die UBS äusserte sich in einer Branchenstudie mit eher vorsichtigen Aussagen zur nächstjährigen Geschäftsentwicklung. Die Grossbank ist mit ihren Schätzungen für 2027 unter dem Konsens.

Richemont drehten ins Plus (+0,3 Prozent oder +0,65 Fr.) trotz des Dividendenabgangs von 4,30 Franken je Titel. Swatch gewannen 0,6 Prozent.

Auf der anderen Seite standen Partners Group (-0,9 Prozent) an der Spitze der Verlierer vor Swiss Re (-0,5 Prozent). Laut dem Swiss Re Institute könnte ein Riesen-Hurrikan in Florida zu versicherten Schäden von 300 Milliarden Dollar führen. Dies hätte massive Auswirkungen auf die Rückversicherer, was auch auf die Aktien von Munich Re und Hannover Rück unter Druck setzte.

In den hinteren Reihen stachen Cicor (+4,7 Prozent) hervor, nachdem das Unternehmen Grossaufträge im europäischen Verteidigungsmarkt an Land gezogen hatte. Comet (+4,2 Prozent) und VAT (+3,0 Prozent) profitierten von den schwindenden KI-Sorgen.

Auch der Transformatorenhersteller R&S (+4,3 Prozent) war nach endgültigen Zahlen und einem bestätigten Ausblick gesucht. Der Metallverarbeiter SFS (+1,8 Prozent) kam mit der Bestätigung seiner Ziele für 2026 am Tag vor seinem Investorentreffen gut an.

jb/tp

(AWP)