Allerdings sei die Stimmung bei den Investoren noch zurückhaltend, sagte ein Händler: «Titel mit KI-, Technologie oder Rechenzentren-Bezug werden mit Vorsicht behandelt.» Die Anleger warteten auf die nach US-Handelsschluss anstehenden Quartalszahlen der Tech-Riesen Netflix und SpaceX. Und am (morgigen) Mittwoch folgen dann Meta, Tesla und IBM.
Zudem trübte ein enttäuschender Börsengang in der südkoreanischen KI-Branche die Kaufbereitschaft. Das Technologie- und KI-Infrastrukturunternehmen Elice legte am Dienstag einen historisch schwachen Börsengang in Seoul hin: Zum Handelsende notierten die massiv überzeichneten Aktien fast ein Drittel unter ihrem Ausgabepreis. «Privatanleger haben vielleicht blind darauf vertraut, dass Aktien bei einem Börsengang immer steigen würden», kommentierte ein Marktbeobachter.
«Es gibt Anzeichen von Nervosität», sagte ein Händler: Die Frage sei, ob sich die riesigen Investitionen in KI am Schluss rentieren würden.
SMI profitiert
Und so bevorzugten die Investoren defensive Titel, wovon die Schweizer Börse profitierte. Der SMI schloss um 0,76 Prozent fester auf 14,478,37 Punkten. Von den 20 Titel im SMI schlossen 17 im Plus und 3 im Minus. Der Mid-Cap-Index SMIM büsste dagegen ganz leicht 0,09 Prozent auf 3139,39 Punkte ein. Dagegen kletterte der breite SPI um 0,63 Prozent auf 20'399,08 Punkte. Die übrigen europäischen Börsen gaben hingegen nach.
An die Spitze der Gewinner setzten sich bei den Blue Chips Roche (+2,6 Prozent). Der Basler Pharmakonzern profitierte von einer doppelten Hochstufung durch Oddo BHF. Dies löste laut Händlern Umschichtungen aus Novo Nordisk in Roche aus. Auch die anderen Schwergewichte Novartis (+1,9 Prozent) und Nestlé (+0,7 Prozent) zogen klar an. Alcon (+2,2 Prozent) und Lonza (+1,9 Prozent) zeigten ebenfalls deutliche Kursgewinne. Der Baustoffkonzern Amrize (+1,5 Prozent) sowie die Versicherer Swiss Re (+1,1 Prozent) und Zurich (+1,0 Prozent) standen ebenfalls weit oben auf den Kaufzetteln.
Fester notierten Richemont (+0,4 Prozent) und am breiteren Markt auch Swatch (+1,1 Prozent) nach den jüngsten Daten zu den Uhrenexporten. Die Schweizer Uhrenausfuhren beschleunigten sich im September auf ein Plus von 12 Prozent. Die vergleichsweise bessere Entwicklung preisgünstigerer Uhren dürfte dabei tendenziell eher Swatch als Richemont entgegenkommen, hiess es am Markt.
Auf der anderen Seite gerieten ABB (-5,0 Prozent) nach Quartalszahlen unter die Räder. Zwar übertraf der Industriekonzern die Erwartungen und hob seine Ziele leicht an. Man habe sich im Vorfeld eine deutlichere Erhöhung der diesjährigen Ziele erhofft, hiess es im Markt. Die Konsensschätzungen lägen nämlich schon jetzt in der Nähe der neuen Ziele. Trotz des Rückschlags gehören die Titel im laufenden Jahr weiterhin zu den stärksten SMI-Werten.
Im breiten Markt kamen vor allem Technologiewerte unter Druck. VAT (-3,1 Prozent), AMS Osram (-2,8 Prozent) und Inficon (-3,8 Prozent) sackten ab. Also tauchten 5,8 Prozent nach der Herunterstufung durch Research Partners. Damit waren die Vortagesgewinne wieder ausradiert.
Dem Trend entziehen konnten sich dagegen Comet (+4,7 Prozent) nach besser als erwarteten Zahlen und einer angehobenen Jahresprognose. Auch Huber+Suhner kletterten hoch (+4,1 Prozent), nachdem die Zahlen die Erwartungen übertroffen hatten.
Kuros starteten durch (+11,2 Prozent). Sie profitierten unter anderem von der Aufnahme in eine Favoritenliste von Berenberg.
jb/rw
(AWP)
