Schwelende Nahostrisiken, eine unklare geldpolitische Marschroute und kritisch hinterfragte KI-Bewertungen hielten den Markt in einer Nebelkiste gefangen und liessen eine klare Orientierung vermissen, kommentiert ein weiterer Marktteilnehmer. Von einem goldenen Herbst könne nach wie vor nicht die Rede sein. «Die Anleger agieren weiterhin mit angezogener Handbremse, getrieben von Zinssorgen und den ambitionierten Erwartungen im KI-Sektor.» Statt Jahresendrallyfeeling dominiere ein nervöser Nachrichtenstrom, der die Märkte immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückhole.
Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten haben zuletzt auch die Ölpreise wieder nach oben geschoben. Brent notiert aktuell so hoch wie zuletzt im Mai. Und auch die Konjunkturdaten aus der Eurozone geben kaum Anlass zur Freude. Dort ist der Einkaufsmanagerindex im Oktober gesunken. Vor allem in Frankreich hat sich die Stimmung merklich eingetrübt. Dort «hinterlassen nicht nur die Proteste Spuren, sondern auch die im kommenden Jahr anstehenden Präsidentschaftswahlen verunsichern die Unternehmen», kommentiert die VP Bank.
Der SMI verliert gegen 10.50 Uhr 0,49 Prozent auf 14'476,81 Punkte. Dabei stehen 12 Verlierer 8 Gewinnern gegenüber. Der Mid-Cap-Index SMIM fällt um 0,12 Prozent auf 3154,86 Punkte und der breite SPI um 0,40 Prozent auf 20'409,70 Punkte.
Zahlenwerte im Fokus
Mit ihren am Morgen präsentierten Zahlen sind Holcim (+5,6 Prozent) und Sika (-1,6 Prozent) die Hauptgesprächsthemen. Dabei schaut der Baumaterialhersteller Holcim auf ein erfreuliches drittes Quartal zurück. Sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Gewinn wurden die Erwartungen von Analysten übertroffen. Gut kommt auch das höhere Gewinnziel für das laufende Jahr an.
Dagegen muss die Bauchemiespezialistin Sika Federn lassen. Zwar lagen die am Morgen publizierten Zahlen zu den ersten neun Monaten über den Erwartungen der Analysten. Aber ein Ende der Misere in China ist noch nicht absehbar. Immerhin haben die Aktien ihre anfänglich noch deutlicheren Abgaben im Verlauf etwas eingedämmt.
Branchennews belasten
Die rote Laterne tragen mittlerweile stattdessen Richemont (-2,2 Prozent). Auch für Swatch (-1,8 Prozent) geht es in den hinteren Reihen abwärts. Händler verweisen auf den Luxuskonzern Kering, der mit seinen Zahlen nicht wirklich ankommt. Gerade die Marke Gucci habe dabei schwächer als erwartet abgeschnitten, heisst es etwa bei RBC.
Als Bremsklötze erweisen sich zudem die drei Schwergewichte Novartis, Nestlé und Roche, die bis zu 1,2 Prozent verlieren. Während Roche und Nestlé bereits am Vortag Zahlen geliefert haben, steht der Quartalsbericht von Novartis für nächste Woche Dienstag auf der Agenda. Nach den jüngsten Forschungsrückschlägen, dürfte es viele Fragen zur weiteren Strategie an das Management geben.
Dagegen zählen die beiden SMI-Neulinge Sandoz (+0,3 Prozent) und Galderma (+0,2 Prozent) zu den gefragten Werten aus der Gesundheitsbranche. Galderma knüpfen an ihre starke Reaktion (+7,1 Prozent) auf die Umsatzzahlen vom Vortag an. Bei Sandoz müssen Anleger bis Mittwoch warten.
Daneben ziehen noch Amrize, Partners Group und Logitech klar an. Sie verteuern sich um bis zu 2,1 Prozent. Amrize profitiere ein Stück von den Holcim-Zahlen. Zudem zählen auch Amrize und auch Logitech zu den Zahlen-Werten der nächsten Woche.
Im SMIM tun sich unterdessen SGS (-0,1 Prozent) mit der Orientierung und wechseln wiederholt das Vorzeichen. Dabei bleibt der Warenprüf- und Inspektionskonzern auf Wachstumskurs und hat im dritten Quartal gar noch an Dynamik gewonnen.
Belimo (+4,2 Prozent) profitieren unterdessen von einer neu ausgesprochenen Kaufempfehlung der UBS. Dagegen nehmen Anleger bei Gurit (-6,3 Prozent) nach Zahlen Gewinne mit.
hr/cg
(AWP)
