Belastet werden die Aktienmärkte vor allem von Inflations- und Zinssorgen. «Die Kombination aus hohen Bewertungen, steigenden Ölpreisen und anziehenden Renditen macht die Märkte zunehmend nervös», sagt ein Marktbeobachter. Eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche gilt seit geraumer Zeit als weitgehend eingepreist. Seit den jüngsten Äusserungen von US-Notenbankchef Kevin Warsh rechnen die Märkte inzwischen auch für September mit einem Zinsschritt der Fed. Die SNB dürfte angesichts der weiterhin niedrigen Inflation in der Schweiz dagegen vorerst stillhalten.

Zusätzliche Unsicherheit bringt die erneute Eskalation zwischen den USA und Iran. Erstmals seit Ende Juli griffen US-Streitkräfte zu Wochenbeginn wieder Ziele im Iran an, worauf Teheran mit Gegenschlägen reagierte. In der Folge zogen die Ölpreise weiter an. Ein Fass der Nordseesorte Brent verteuert sich gegenüber dem Vortag um 1,7 Prozent auf mehr als 92 US-Dollar.

SMI dreht ins Minus

Der SMI verliert um 11.00 Uhr 0,41 Prozent auf 14'221,47 Punkte und liegt damit fast 140 Punkte unter seinem bisherigen Tageshoch. Der Mid-Cap-Index SMIM sinkt um 0,80 Prozent auf 3078,78 Punkte und der breite SPI um 0,46 Prozent auf 20'019,43 Zähler.

Auch an den übrigen europäischen Börsen geht es abwärts. So verliert etwa der deutsche DAX rund 1,1 Prozent. Für wenig Unterstützung sorgen die jüngsten Konjunkturdaten: Die Stimmung in den Industrieunternehmen der Eurozone hat sich im August weniger stark aufgehellt als erwartet.

Novartis stützen

Im Leitindex SMI stehen 18 der 20 Titel im Minus. Klar positiv heraus ragen Novartis (+3,9 Prozent). Die Aktien profitieren von positiven Studiendaten zu Remibrutinib bei schubförmiger Multipler Sklerose. Roche (-2,3 Prozent) geraten dagegen unter Druck. Laut Analysten erhöhen die Novartis-Daten die Erfolgshürde für Roches Konkurrenzmittel Fenebrutinib deutlich.

UBS (-2,4 Prozent) haben im Handelsverlauf ebenfalls deutlich ins Minus gedreht. Die Aussicht auf eine Kompromisslösung bei der künftigen Regulierung hatte die Titel zu Handelsbeginn noch gestützt. Marktteilnehmer erklären die Abgaben neben der allgemeinen Branchenschwäche auch mit Gewinnmitnahmen nach der zuletzt starken Kursentwicklung.

Auch die Berichtssaison setzt nochmals Akzente. Klarer Verlierer unter den Bluechips sind Partners Group (-7,5 Prozent) nach Halbjahreszahlen und einer gesenkten Prognose. Swiss Life (-0,7 Prozent) geben trotz solider Zahlen und der Ankündigung eines Aktienrückkaufs leicht nach. Für Verunsicherung sorgt laut Marktbeobachtern der angekündigte Abbau von rund 600 Stellen.

Unter Druck stehen zudem Zykliker wie ABB (-1,0 Prozent), Geberit (-0,8 Prozent) und Sika (-2,2 Prozent). Givaudan (-1,4 Prozent) werden zusätzlich von einer Rückstufung gebremst.

Dormakaba im Plus

In der zweiten Reihe ziehen Dormakaba (+4,2 Prozent) nach überzeugenden Jahreszahlen 2025/26 und einer Vereinfachung der Konzernstruktur kräftig an. Straumann (+2,4 Prozent) profitieren derweil von einer Kaufempfehlung der UBS.

Gefragt sind zudem Oerlikon (+1,4 Prozent) nach einer Kurszielerhöhung durch Kepler sowie Montana Aerospace (+2,1 Prozent), die von einer Hochstufung der ZKB auf «Übergewichten» profitieren.

Auch Gurit (+3,5 Prozent) knüpfen an den Kurssprung von 14 Prozent vom Vortag an. Seit der Vorlage der Halbjahreszahlen Ende August haben die Titel damit rund 70 Prozent zugelegt. Vetropack (+1,9 Prozent) setzen ihren jüngsten Aufwärtstrend ebenfalls fort.

Insgesamt dominiert aber auch in den hinteren Reihen klar die Farbe Rot. Besonders deutlich unter Druck stehen Technologiewerte wie VAT, Comet, Inficon und AMS Osram. Auch SMG (-3,9 Prozent) und Stadler (-2,4 Prozent) geben einen Teil ihrer jüngsten Kursgewinne wieder ab.

an/to

(AWP)