Zwei Angriffe innerhalb von zwei Tagen
In Brandenburg hatten Unbekannte am Dienstagmorgen versucht, in der Nähe des Umspannwerks Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde die Stromversorgung zu stören. Dazu lenkten sie nach Angaben von Innenminister Jan Redmann (CDU) mit Hilfe selbstgebauter Flugkörper, die Silvesterraketen ähnelten, leitfähiges Material in Richtung Höchstspannungsleitungen. Am Abend kam es dann zu der Störung an dem Umspannwerk in Bergheim.
Keine Stromausfälle - Ermittler vernetzen sich
Auswirkungen auf die allgemeine Stromversorgung gab es weder in Brandenburg noch in Nordrhein-Westfalen. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen gibt und wer dahinterstecken könnte, ist noch offen. «Wir prüfen zwei Richtungen: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus», sagte Reul.
Breiter in den Blick nehmen die Ermittler nun auch den Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen im Juni, der dazu geführt hatte, dass rund 7.600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen zeitweise ohne Strom waren. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. In der Vergangenheit gab es bundesweit eine Reihe weiterer mutmasslicher Sabotageversuche. Die betroffenen Länder wollen sich nun stärker vernetzen.
Brandenburgs Innenminister: «Verdammtes Glück gehabt»
Innenminister Redmann sprach davon, dass man in Brandenburg «verdammtes Glück» gehabt habe. Denn nach jetzigem Stand habe nur einer der mehr als einem Dutzend «raketenähnlichen Gegenständen» mit Treibsatz sein Ziel erreicht. Dies blieb jedoch ohne Auswirkungen - anders als in Berlin Anfang des Jahres, wo ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke einen grossflächigen Stromausfall auslöste, von dem Zehntausende Menschen betroffen waren. Hier gehen die Ermittler von linksextremistischen Tätern aus.
Redmann erklärte, die Tatausführung in Brandenburg sei aber anders als bei bisherigen Anschlägen auf die Stromversorgung, die der linksextremistischen Szene zugeordnet werden. Die Polizei ermittelt nun unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. Das betroffene Umspannwerk zählt dem Innenminister zufolge zu einem der relevantesten in Deutschland.
In NRW fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke vom Netz
In Nordrhein-Westfalen wurde die Polizei am Dienstagabend gegen 20.00 Uhr zunächst wegen einer technischen Störung zu dem Umspannwerk in Bergheim gerufen. Durch einen Kurzschluss seien mehrere Leitungen ausgefallen, hiess es. Fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke gingen vom Netz. Der Energieversorger Amprion versicherte: «Die allgemeine Stromversorgung war zu keinem Zeitpunkt davon betroffen und die Systemstabilität immer gewährleistet.»/wn/DP/jha
(AWP)
