Der Baustoffhersteller präsentiert am Freitag, 23. Oktober, das Geschäftsergebnis zum dritten Quartal 2026. Insgesamt zehn Analysten haben zum AWP-Konsens beigetragen.
Q3 2026 (in Mio Fr.) AWP-Konsens Q3 2025 Nettoumsatz 4'571 4'036 Wiederkehrender EBIT 949 836 - Marge (in Prozent) 20,8 20,7
Wie läuft das Geschäft?
Das Geschäft von Holcim dürfte sich im dritten Quartal markant beschleunigt haben. Analysten rechnen mit einem zweistelligen Wachstum von Umsatz und wiederkehrendem Betriebsgewinn (EBIT). Das organische Wachstum wird nach Ansicht von Analysten etwa 5 Prozent betragen, während die Experten Konsolidierungseffekte auf gut 7 Prozent schätzen. Zudem hat sich der Währungseffekt gedreht. Nachdem bislang der Franken ein Bremsklotz gewesen war, hat er sich im dritten Quartal gegenüber Euro und Dollar abgewertet.
Holcim wird im Sommerquartal von Preiserhöhungen profitiert haben, welche die Kostensteigerungen mehr als wettgemacht haben dürften. Im grössten Absatzgebiet Europa dürfte die Entwicklung durchzogen ausgefallen sein. Während wichtige Märkte wie Frankreich und Grossbritannien mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, zeigt sich eine Erholung in Deutschland. Auch in Griechenland und Osteuropa wird der Aufschwung angehalten haben.
Die negativen Effekte der Hitzewellen seien vernachlässigbar, hatte Holcim-Chef Miljan Gutovic Ende Juli im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP gesagt. Auch «die Waldbrände waren bisher noch nicht schädlich für die Performance unseres Geschäfts in Frankreich und Spanien.»
Sogar steil nach oben dürfte es in Lateinamerika gegangen sein. In der Region Asien, Mittlerer Osten und Afrika wird der Boom in Nordafrika weitergegangen sein. Dagegen dürfte die Talfahrt in China angehalten haben.
Welche Rolle spielen Akquisitionen und Verkäufe?
Der grösste Teil der Umsatzsteigerung kommt nach Ansicht von Analysten von Käufen und Verkäufen von Geschäftsfeldern. Die Übernahme von Cementos Pacasmayo in Peru und Xella in Deutschland wird den Umsatzrückgang durch den Verkauf der Geschäfte in Nigeria, Jordanien sowie im Irak mehr als kompensieren. Allerdings fällt die Profitabilität von Pacasmayo während der Integrationsphase geringer aus als das hochmargige Geschäft in Nigeria, was zu einem Margendruck führt. Die Übernahme soll Synergien von rund 40 Millionen US-Dollar ab dem dritten Jahr bringen.
Zudem baut Holcim das Geschäft in Kolumbien mit dem Kauf der Baustoff- und Baulösungsaktivitäten von Cemex aus. Die übernommenen Einheiten sollen im Jahr 2026 einen Nettoumsatz von rund 360 Millionen Dollar erzielen. Der Zukauf soll bereits im ersten Jahr den Gewinn je Aktie erhöhen.
Auch in Deutschland hat Holcim zugekauft: Für die Übernahme des deutschen Unternehmens Fermacell will der Konzern 840 Millionen Euro auf den Tisch legen. Der Hersteller von Platten für Wände, Böden und den Brandschutz erwartet 2026 einen Umsatz von rund 430 Millionen Euro. Holcim erwartet, dass sich die Übernahme bereits im ersten Jahr positiv auf den Gewinn pro Aktie (EPS) auswirken wird. Im nächsten Jahr peilt Fermacell rechnerisch einen EBITDA von rund 90 Millionen Euro an. Zudem soll die Übernahme Holcim Synergien von jährlich etwa 22 Millionen Euro ab dem dritten Jahr bescheren.
Welche Ziele strebt Holcim an?
Aufgrund der starken Ergebnisse in den ersten sechs Monaten hat Holcim die Prognose für das Gesamtjahr 2026 schon bei der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen erhöht, statt wie üblicherweise erst im dritten Quartal. Nun erwartet Holcim ein Umsatzwachstum von rund 5 Prozent nach bisher 3 bis 5 Prozent. Der Betriebsgewinn soll gleichzeitig um rund 10 Prozent zulegen. Bisher hatte Holcim ein Plus von rund 8 bis 10 Prozent ausgegeben.
Die entsprechende Marge soll weiter steigen. Im zweiten Halbjahr dürften die Aufträge aus dem riesigen deutschen Infrastrukturprogramm hereinkommen und Rückenwind verleihen.
Zudem peilt Holcim wie bisher einen Free Cashflow von rund 2 Milliarden Franken an. Darüber hinaus soll das Geschäft mit recycelten Bau- und Abbruchmaterialien um über 20 Prozent wachsen.
Wie entwicklt sich die Aktie?
Nach dem Kurssturz durch den Iran-Krieg sowie die geplante Reform des EU-Emissionshandelssystems (ETS) hatte sich die Holcim-Aktie im Sommer wieder gefangen. Im September begann aber die Talfahrt mit dem allgemeinen Sinkflug der zyklischen Baustoffaktien an den Börsen. Derzeit befindet sich die Holcim-Aktie mit 64,62 Franken nicht mehr weit vom Jahrestief von 60 Franken von Anfang März entfernt. Der Titel hat im laufenden Jahr bereits 17 Prozent eingebüsst.
Website: www.holcim.com
ab/an/jb
(AWP)
