Sie sollen ab 2042 zu Jahreskosten sechs Prozent des KWO-Stroms erhalten, jedoch keine Aktienbeteiligung, wie der Kanton Bern am Mittwoch bekanntgab. Im Aktionariat selbst werden der bernische Energiekonzern BKW und Energie Wasser Bern (EWB) gestärkt.
Der Anteil der BKW steigt von 50 auf 60 Prozent, derjenige des Stadtberner Versorgers EWB von 16,7 auf 20 Prozent. Im Gegenzug müssten sich die Elektrizitätswerke von Zürich und Basel künftig mit je 10 Prozent der Aktien begnügen, nachdem sie bislang jeweils 16,7 Prozent hielten.
Auf diese Lösung einigten sich die vier KWO-Aktionäre und das Konsortium EVU Bern, dem sich rund 30 kleinere bernische Energieunternehmen angeschlossen haben. Der Regierungsrat spielte dabei die Rolle des Vermittlers.
Baudirektorin Evi Allemann (SP) sprach vor den Medien von einer «tragfähigen und einvernehmlichen Lösung». Der Partnerstrombezug ermögliche den kleineren Unternehmen, langfristig an der Stromproduktion der KWO teilzuhaben, ohne dass die neu vereinbarten Eigentumsverhältnisse nochmals verhandelt werden müssten.
Insgesamt werde der Berner Anteil an den KWO erhöht, betonte Allemann. Denn BKW und EWB halten künftig zusammen 80 Prozent der Aktien.
Verluste kompensieren
«Alle gewinnen», sagte Energiedirektor Raphael Lanz (SVP). Der Kompromiss stelle sicher, dass die Wasserkraft weiterhin zu einer regional ausgeglichenen wirtschaftlichen Entwicklung beitragen könne. Lanz sieht darin eine Stärkung des Energiekantons Bern.
BKW-Chef Robert Itschner teilt diese Sicht. Er erinnerte daran, dass die BKW in den kommenden Jahrzehnten einen bedeutenden Teil ihrer Wasserkraftwerke ausserhalb des Kantons Bern verlieren wird - eine Folge der Heimfallstrategie anderer Standortkantone. Die Berner Lösung helfe nun, einen Teil dieser Verluste zu kompensieren.
Für die BKW sei zudem stets zentral gewesen, dass die Diskussionen über die Konzessionsstrategie die wichtigen Ausbauprojekte der KWO nicht verzögern. Mit dem heutigen Schritt komme man klaren und langfristig verlässlichen Rahmenbedingungen für diesen Ausbau näher.
Zugang zur Wasserkraft
Auch Michael Gruber, Chef der Energie Thun AG, bezeichnete die Lösung im Namen des Konsortiums als ausgewogen. Die Vereinbarung stärke die langfristige Versorgungssicherheit und sichere den Zugang zu einheimischer Wasserkraft. Gleichzeitig werde eine langwierige Diskussion über Beteiligungsbewertungen und Eigentumsbefragungen vermieden.
«Es waren harte, aber letztlich auch sehr konstruktive Verhandlungen im Interesse des Kantons Bern», sagte Regierungsrat Lanz. Er hoffe, «dass sich der Grosse Rat auf diesen Weg begeben wird». Das Kantonsparlament wird sich demnächst erneut mit der Strategie zu den Wasserkraftkonzessionen befassen.
Die wichtigste Konzession ist dabei diejenige der Kraftwerke Oberhasli, denn die Wasserkraftwerke im Grimsel- und Sustengebiet gehören zu den grossen Anlagen des Landes. Die Konzession läuft 2042 aus.
«Wille des Parlaments abgebildet»
Der Grosse Rat hatte die Strategie im November 2025 zur Überarbeitung zurückgewiesen. Mehr bernische und weniger auswärtige Beteiligung lautete damals das Motto. Mit der nun vorliegenden Vereinbarung werde der politische Wille des Parlaments abgebildet, sagte Regierungsrat Lanz.
Politische Entscheide braucht es auch noch in den Städten Bern, Basel und Zürich. Welches Gremium in Bern das letzte Wort hat, steht dabei noch nicht fest, wie EWB-Chefin Cornelia Mellenberger festhielt.
(AWP)
