Blick auf das Frühwerk des deutschen Kunststars Isa Genzken

Gertenschlanke Ellipsoiden und Hyperboloiden als Skulpturen oder auf Papier prägten von 1973 bis 1983 das Frühwerk von Isa Genzken. Das Kunstmuseum Basel gewährt in seinem Haus für Gegenwart einen umfassenden Blick in die Anfänge einer grossen Künstlerinnenkarriere.
03.09.2020 15:49

Es zeugt von einem grossen Selbstbewusstsein, dass die damals gerade einmal 20 Jahre alte Abgängerin der Kunstakademie in Düsseldorf dem Museum of Modern Art (MoMA) in New York 1978 ein Ausstellungskonzept zukommen liess. Isa Genzkens Anfrage, die nun in Basel zu sehen ist, blieb damals unbeantwortet.

Ein grosser Fehler, dürfte sich das Vorzeigehaus für moderne und zeitgenössische Kunst wenig später gedacht haben. Genzken stieg rasch zum internationalen Star der Szene auf. Das MoMA ehrte 2013 die Künstlerin 2013 schliesslich mit einer Retrospektive ihres Werks, das sich in der Zwischenzeit mehrfach radikal gewandelt hatte.

Das Kunstmuseum Basel holt nun in erweiterter Form nach, was das MoMA damals verpasst hatte. Zu sehen sind rund 60 Werke, die zum Teil noch in ihren Studienjahren in Hamburg, Berlin und Düsseldorf entstanden sind: Werke auf Papier (zum Teil viele Meter lang oder Serien mit bis zu 120 Teilen), Fotografien, Künstlerbücher, ein Video und natürlich die Skulpturen.

So sehr Genzken sich immer wieder radikal neu erfand, sind dreidimensionale Arbeiten stets im Zentrum ihres Œuvres geblieben - seien es nun ihre bekannten monumentalen Blumen oder die Nofretete-Büsten mit Sonnenbrillen. In Basel sind nun aber ihre Anfänge zu sehen, die sich an der amerikanischen Minimal Art orientierten und sich daraus weiterentwickelten.

Im Zentrum stehen bzw. liegen die in die Länge gezogenen und zum Teil aufgebrochenen Ellipsoide und Hyperboloiden. Es sind dies Bezeichnungen für geometrische Körper. Bei Ersterem handelt es sich, vereinfacht gesagt, um extrem in die Länge gezogene und verformte Kugeln, bei Letzterem um Doppelkegel. Sie sind zum Teil extrem lang - der grösste Ellipsoid misst über elf Meter -, raffiniert durchbrochen und in unterschiedlichen Farbkombinationen gehalten.

Diese geometrischen Formen finden sich auch in den Papierwerken wieder, die auf den ersten Blick wie Planzeichnungen wirken, aber eigenständige Werke sind. Auch diese haben riesige Ausmasse, ein Computerausdruck ist zum Beispiel über acht Meter lang.

Die Skulpturen liegen und stehen zum Teil direkt auf dem Betonboden, zu einem anderen Teil verlangten die Leihgeber schöne Sockel, was die Wirkung der Werke übrigens extrem beeinflusst. Sie erschliessen sich den Betrachterinnen und Betrachten nicht so leicht. Man muss sich Zeit lassen, um sich von der ästhetisch vollendeten Formgebung und von der ungeheuer sorgfältigen Verarbeitung einnehmen zu lassen.

Vielleicht ist gerade dies das Aussergewöhnliche an Genzkens Frühwerk. Hat doch die Künstlerin, die später mit Objets trouvés zum Teil struppige Installationen geschaffen hat, in den wilden 1970er- und 1980er-Jahren Werke geschaffen, die man auch ganz einfach mit dem Attribut schön umschreiben kann.

Die Ausstellung "Isa Genzken. Werke von 1993 bis 1983" ist eine Kooperation des Kunstmuseums Basel mit der K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Düsseldorf und dauert bis 24. Januar 2021.

(SDA)