Aktien Schweiz - Schweizer Börse gibt zum Schluss deutlich nach

Die Schweizer Börse schliesst am Montag deutlich schwächer. Im Verlauf rutschten die Kurse von Finanzwerten zusehends ab.
27.11.2017 17:45

Die Aktien von Julius Bär stechen mit einem Kurseinbruch von über 6 Prozent hervor. Der SMI notiert mit 9264 Zählern um 0,7 Prozent tiefer. Am Freitag hatte der Leitindex 0,1 Prozent angezogen und seit Jahresanfang beträgt das Kursplus 12,7 Prozent.

Der Abgabedruck halte sich in Grenzen, sagt ein Börsianer. "Das Jahr ist wohl allmählich gelaufen. Viele Anleger sind mit ihrer Performance zufrieden und halten sich zurück, weil sie sie sich nicht mehr zerstören lassen wollen", sagt ein Händler. "Die hiesige Börse tut sich unheimlich schwer und es ist zu spüren, dass die heissgelaufenen Aktien mehr und mehr Mühe bekunden", sagt ein anderer Börsianer. Zudem nehme die Volatilität zu. Das könnte darauf schliessen lassen, dass die Kurse bald ihre Höchststände erreicht haben.

Im Fokus stand Julius Bär. An der Spitze des Vermögensverwalters kommt es überraschend zu einem Wechsel. Der langjährige Konzernchef Boris Collardi verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung und wechselt als Teilhaber zur Genfer Privatbank Pictet. Bei Julius Bär übernimmt Bernhard Hodler die Geschäftsleitung. Ob Hodler längerfristig Julius-Bär-Chef bleibt, steht indes nicht fest. An der Börse kam der Chefwechsel nicht gut an: Die Bär-Aktien fallen um 6,4 Prozent. Die Verkäufer befürchteten wohl, dass Collardi einen Teil der Kunden zum neuen Arbeitgeber mitnehmen könnte, sagt ein Händler.

Auch Grossbankaktien im Verkauf

Die Aktien der Grossbanken Credit Suisse und UBS schwächen sich um 1,2 und 0,8 Prozent ab. Dass UBS an Teilen der Commerzbank interessiert sein könnte, wie die "NZZ am Sonntag" in den Raum stellte, schliessen Händler zwar nicht aus. "Aber es ist doch eher unwahrscheinlich, dass sich UBS den deutschen Rivalen und dessen Probleme anlacht", sagt ein Händler. Bei Credit Suisse hofften die Anleger auf positive Neuigkeiten auf der Investorenkonferenz der Bank am Donnerstag.

Die Versicherungswerte neigen ebenfalls zur Schwäche. Zurich Insurance sinken um 1,7 Prozent. J.P. Morgan stufte die Empfehlung auf "Neutral" von "Buy" herab.

Anfänglich eine Stützen des Marktes waren die Genussscheine des als krisensicher geltenden Indexschwergewichts Roche. Der "Bon Roche" profitierte zuerst von Anschlusskäufen nach dem Kursanstieg in der Vorwoche, rutschte zum Handelschluss aber noch ins Minus. Die Novartis-Aktie sinkt um 0,5 Prozent, dies obwohl das Novartis-Medikament Ultibro Breezhaler nach Angaben des Pharmakonzerns in einer klinischen Studie die Lungenfunktion von COPD-Patienten verbesserte. Auch die Nestlé-Aktien geben ihre Gewinne preis.

Die Aktien zyklischer Firmen tendieren meist schwächer. Die Anteile der beiden Luxusgüterhersteller Swatch und Richemont fallen um 2,3 und 0,9 Prozent. Auch die Anteile des Prüfkonzerns SGS, des Zementproduzenten Lafarge-Holcim und des Bauchemieherstellers Sika geben nach.

Meyer Burger wegen Wandelanleihe unter Druck

Am breiten Markt sinken die Aktien von Meyer Burger um 2,2 Prozent. Bei dem Zulieferer der Solarindustrie droht eine Kapitalverwässerung. Meyer Burger will den Gläubigern der 2020 fälligen 5,5 Prozent Wandelanleihe die vorzeitige Wandlung in Aktien schmackhaft machen. Die Firma bietet je 5000 Franken Nominalwert einen Barzuschuss von 250 Franken im Falle der Wandlung an.

Die Aktien von Aryzta steigen um 4,7 Prozent. Der Quartalsbericht sei weniger schlecht als befürchtet, sagt ZKB-Analyst Patrik Schwendimann. Der Umsatz von Aryzta sank im ersten Geschäftsquartal um 5,5 Prozent auf 909,7 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr 2017/18 stellte das Unternehmen einen Betriebsgewinn (Ebitda) auf dem Vorjahresniveau in Aussicht.

Die Titel der VAT Group legen 1,8 Prozent zu. Berenberg stufte die Empfehlung für die Aktien des Vakuumventil-Herstellers auf "Buy" von "Hold" hoch.

AMS büssen 4,6 Prozent ein. Eine kritische Studie von Morgan Stanley über die Chipindustrie setzte den Titel von Samsung unter Druck und löste Gewinnmitnahmen bei dem Chip- und Sensorenhersteller aus.

(Reuters)