Alpiq-Tochter verliert Schiedsgerichtsverfahren um 65 Mio EUR; kein Cash-Abfluss

(Ergänzt um Analystenkommentar, Aktienkurs) - Die Alpiq-Tochter Kraftanlagen München ist in Deutschland in einem Rechtsstreit unterlegen. Im Zusammenhang mit Lieferungen für den Bau des finnischen AKW Olkiluoto 3 wies ein deutsches Schiedsgericht Forderungen von 65 Mio EUR zurück, wie Alpiq am Dienstag mitteilte.
30.05.2017 13:04

Als Gewinnerin des Rechtsstreits ging die Bilfinger Piping Technologies (BPT) hervor. Der Streit geht auf einen Auftrag der BPT an die Arbeitsgemeinschaft Kraftanlagen ARGE Olkiluoto 3 (KAO) von 2007 zurück. Zu dieser Arbeitsgemeinschaft haben sich die Alpiq-Gesellschaften Kraftanlagen München und ihre Tochter Kraftanlagen Heidelberg zusammengeschlossen.

Laut Alpiq haben ihre Gesellschaften die Verpflichtungen und Aufträge erfüllt: die Vorfertigung und Montage von Rohrleitungen für den nuklearen Teil des finnischen Kraftwerkes Olkiluoto 3. Doch BPT habe den Vertragspreis nicht ganz bezahlt.

Die KAO reichte 2011 eine Schiedsklage ein und forderte die Bezahlung des ausstehenden Vertragspreises, der zusätzlichen Personalressourcen sowie der Kosten, die durch die Projektverzögerung entstanden.

Die deutsche Institution für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS) entschied gegen die KAO, respektive Alpiq. Recht erhielt BPT, die auf den Bau von Hochdruck-Rohrleitungen für Wasser-Dampf-Kreisläufe in Kraftwerken spezialisiert ist.

KEIN CASH-ABFLUSS BEFÜRCHTET

Laut Alpiq-Mitteilung bedeutet das Urteil einmalige, "nicht einbringbare Projektaufwendungen" von zirka 65 Mio EUR sowie Verfahrenskosten. Die ursprüngliche Forderung seien in den vergangenen Jahren schon teilweise abgeschrieben worden, sagte Alpiq-Sprecherin Sabine Labonte. Weiter: "Das Urteil führt zu keinem Cash-Abfluss bei Alpiq."

Die Arbeitsgemeinschaft will noch nicht aufgeben. Die KAO prüfe die Ergreifung von ausserordentlichen Rechtsmitteln zur Aufhebung des Schiedsurteils.

Die Alpiq-Tochter Kraftanlagen München ist auf den Bau von internationalen Kraftwerks- und Industrieanlagen und das entsprechende Servicegeschäft spezialisiert.

ANALYST ERWARTET NAHEZU NULLERGEBNIS

Der negative Ausgang des Verfahrens führe zwar nur zu nicht cashwirksamen Wertberichtigungen, und entsprechend zu keiner Erhöhung der Nettoverschuldung, schreibt ein Analyst der ZKB in einem Kommentar. Bis anhin sei er jedoch davon ausgegangen, dass Alpiq einen Jahresgewinn in der Grössenordnung von 70 Mio CHF schreiben werde. Nach dieser Wertberichtigung könnte wohl nahezu ein Nullergebnis resultierten. Dem Unternehmen werde es 2017 damit wohl nicht gelingen, das Eigenkapital nennenswert zu stärken.

Die Alpiq-Aktien notieren am Dienstagmittag in einem leichteren Gesamtmarkt (SPI -0,4%) mit einem Minus von 0,2% auf 81,80 CHF.

tp/yr/ra

(AWP)