AMS erzielt Rekordumsatz trotz Coronapandemie

(Ausführliche Fassung) - Der Sensorenhersteller AMS hat im zweiten Quartal deutlich mehr umgesetzt und verdient. Trotz Coronakrise legte der Umsatz um 13 Prozent auf 460,3 Millionen US-Dollar zu. Das ist ein neuer Rekord.
29.07.2020 09:48

Der bereinigte Betriebsgewinn (EBIT) kletterte gar um über 80 Prozent auf 90,1 Millionen Dollar, wie das österreichische, aber an der Schweizer Börse kotierte Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Unter dem Strich erzielte AMS einen Reingewinn von 56,8 Millionen. Das sind 8,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings weist das Unternehmen neu ab diesem Berichtsquartal den Reingewinn bereinigt um den akquisitionsbedingten Aufwand und den Aufwand für aktienbasierte Vergütung aus.

Ohne die Bereinigungen ist der Reingewinn nach Steuern allerdings auf 5,9 Millionen abgesackt. Im Vorjahr hatte der Konzern noch 24,7 Millionen verdient.

Damit hat AMS die Erwartungen der Finanzgemeinde bei Umsatz und EBIT übertroffen. Analysten hatten im Schnitt gemäss der Nachrichtenagentur AWP einen Umsatz von 454,2 Millionen Dollar und einen EBIT von 80,7 Millionen Dollar erwartet. Beim Reingewinn hatten die Analysten im Schnitt deutlich mehr erwartet (42,6 Mio USD), wobei die Spanne allerdings mit 15,2 bis 65,0 Millionen weit auseinandergelegen hatte.

Auch die eigene Prognose hat AMS mit einer EBIT-Marge von 20 Prozent am oberen Rand erfüllt. Der Konzern hatte ein operatives Margenziel von 17 bis 20 Prozent für das nun abgeschlossene zweite Quartal ausgegeben und wollte Umsätze von 440 bis 480 Millionen Dollar erreichen.

An der Schweizer Börse ging es allerdings steil bergab. Die AMS-Aktien brachen in den ersten Handelsstunde um 6,5 Prozent ein.

Endkonsumenten-Sparte floriert

Angesichts der Coronapandemie habe sich das Geschäft im zweiten Quartal und der ersten Jahreshälfte 2020 sehr positiv entwickelt, schrieb AMS. Dies sei insbesondere der Endkonsumenten-Sparte zu verdanken, die erneut am meisten zum Umsatz beigetragen habe. Der Hauptabnehmer von AMS-Sensoren ist der US-Technologiekonzern Apple, der diese in den iPhones verbaut, auch wenn AMS das offiziell so nicht sagt.

Auch in Android-Smartphones werden die Sensoren immer mehr verwendet. Der Android-Markt habe im ersten Halbjahr einen attraktiven Beitrag geliefert, schrieb AMS. Die Sensoren kommen für Kameras und Displays der Smartphones zum Einsatz. Damit können die Geräte beispielsweise Gesichter erkennen. Insgesamt liefere AMS sehr hohe Volumen an Smartphonehersteller.

Dagegen litt das Auto- und Industriegeschäft unter der Seuche. Die Geschäftsentwicklung des Automobil-, Industrie- und Medizintechnikgeschäfts sei im zweiten Quartal insgesamt verhalten gewesen. Die Ergebnisse hätten aufgrund der anhaltenden Corona-Effekte im Rahmen der Erwartungen gelegen, erklärte AMS, ohne diese genau zu beziffern. Im Automarkt habe die weltweite Nachfrageschwäche und die geringere Autoproduktion auf die Aufträge und den Volumenbedarf durchgeschlagen.

Auch das Industriegeschäft verzeichnete ebenfalls unverändert zurückhaltende Ergebnisse, woran die Coronakrise schuld sei. Das Medizintechnikgeschäft entwickelte sich indes gut, wie es hiess. Trotz der Auswirkungen von Corona habe AMS die Volumenproduktion an allen Standorten aufrechterhalten.

Anteil an Osram leicht erhöht

Die 4,6 Milliarden Euro teure Übernahme von Osram verlaufe derweil weiterhin planmässig. Nach Abschluss des Angebots hält AMS seit Anfang Juli 71 Prozent aller Osram-Aktien. Nun sollen die beiden Unternehmen integriert werden. Man wolle mit Osram einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (BGV) bis etwa Ende Jahr abschliessen. Zudem sollen vier Vertreter von AMS in den Osram-Aufsichtsrat einziehen.

"Darüber hinaus planen wir, künftige überschüssige liquide Mittel aus dem operativen Geschäft zur weiteren Erhöhung unserer Osram-Beteiligung zu verwenden", schrieben die Österreicher. Laut Reuters peilt AMS an, bis 2026 auf einen Umsatz von über 10 Milliarden Euro zu kommen. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf eine interne Unternehmenspräsentation.

Allerdings hat Osram stark unter der Schwäche der Automärkte und den Folgen der Coronavirus-Pandemie gelitten. Im dritten Geschäftsquartal vergrösserte sich der Verlust auf 140 Millionen Euro von 35 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz brach auf vergleichbarer Basis um knapp 29 Prozent auf 606 Millionen Euro ein, während das bereinigte operative Ergebnis vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) bei -27 Millionen Euro lag. Ein Jahr zuvor hatten die Münchner noch einen operativen Gewinn von 58 Millionen Euro eingefahren.

Gute Aussichten

Ungeachtet der Coronakrise erwartet AMS ein sehr gutes drittes Quartal mit einem Umsatz von 530 bis 570 Millionen Dollar bei anhaltend hoher Profitabilität mit einer bereinigten operativen (EBIT) Marge von 21 bis 24 Prozent.

Dieses Wachstum basiere auf Produktionshochläufen von Sensorlösungen für Smartphones, schrieb AMS. Dagegen sei die Nachfrage im Auto- und Industriegeschäft weiterhin beschränkt, das nur "einen begrenzten Beitrag zu unseren Ergebnissen liefert". Osram werde ab dem dritten Quartal vollständig konsolidiert und als separates Berichtssegment aufgeführt.

jb/ys

(AWP)