AMS legt im Bieterkampf um Osram nach

(2. Zusammenfassung mit SdK) - AMS legt im Bieterkampf um Osram Licht nach. Neu bieten die Österreicher 41 Euro je Osram-Aktie. Dabei handle es sich um ein "endgültiges" Übernahmeangebot, teilte die an der Schweizer Börse kotierte Gesellschaft am Freitag mit.
27.09.2019 18:52

AMS erhöht damit seine Offerte um 2,50 Euro je Aktie und reagiert auf das "ungewisse indikative Drittbieterangebot". AMS liegt im Bieterstreit mit den Finanzinvestoren Bain und Carlyle um den Münchner Lichtkonzern. Diese offerieren 35 Euro je Anteilsschein.

Zuletzt hatte sich Bain jedoch mit Advent zusammengetan und ein Angebot in Aussicht gestellt, dass jenes von AMS "deutlich" übertreffen solle. Ein verbindliches Übernahmeangebot lag jedoch noch nicht vor.

Die von AMS vorgeschlagene Transaktion sei somit "deutlich besser, sicherer und sofort umsetzbar", erklärten die Österreicher. Beide Offerten können noch bis zum nächsten Dienstag um Mitternacht (1. Oktober 2019) angenommen werden.

Da es sich nicht um eine formale Angebotsänderung handle, werde keine Fristverlängerung ausgelöst, erklärte eine AMS-Sprecherin auf Anfrage von AWP. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) habe dies vor kurzem bestätigt.

AMS muss mehr Geld aufnehmen

Weil AMS im Erfolgsfall um bis zu 240 Millionen Euro tiefer in die Tasche greifen muss, wurden die zuletzt genannten Rahmenbedingen der Finanzierung etwas erhöht. Neu will das Unternehmen eine Kapitalerhöhung über 1,6 Milliarden Euro vornehmen und die von Banken zugesagte Brückenfinanzierung belaufe sich auf 4,5 Milliarden. Bis dato war von 1,5 Milliarden respektive 4,2 Milliarden Euro die Rede.

Darüber hinaus beinhalte das Übernahmeangebot ganzheitliche Schutzklauseln für Osram-Mitarbeiter und deutsche Produktionsstätten, die über die von Bain und Advent skizzierten Verpflichtungen hinausgingen.

So werde AMS die Osram-Werke "in Regensburg, Berlin, Schwabmünchen, Herbrechtingen, Traunreut und Eichstätt für mindestens drei Jahre weiterbetreiben" und Arbeitsplätze in der Fertigung und in der Entwicklung in Deutschland schaffen.

Alle anderen Bedingungen des Übernahmeangebots seien indes unverändert gegenüber dem früher veröffentlichten Angebots, einschliesslich der Annahmeschwelle von 62,5 Prozent. Zuletzt hatte AMS Zugriff auf 6,7 Prozent an dem Übernahmeobjekt.

Gewerkschaft dagegen

Die Gewerkschaft IG Metall lehnt eine Übernahme von Osram durch die kleinere, hoch verschuldete AMS dennoch strikt ab und warnte, schon die Bieterschlacht gefährde die Arbeitsplätze. "Der Poker um Osram am Kapitalmarkt schadet dem Unternehmen und muss beendet werden", sagte der bayerische IG-Metall-Chef Johann Horn am Freitag.

Horn forderte Advent und Bain am Freitag zudem auf, ihr angekündigtes Angebot schnell zu konkretisieren.

Die AMS-Papiere waren kurz vor der Veröffentlichung der neuen Offerte vom Handel an der Schweizer Börse ausgesetzt worden. Sie hatten im Verlauf des Vormittags deutlich zugelegt kosteten zum Zeitpunkt der Aussetzung bei 45,96 Franken (+1,5%). Mit Wiederaufnahme des Handels wurden die Titel zunächst bis auf 41,80 Franken durchgereicht. Zum Handelsschluss gingen sie mit einem Minus von 2,2 Prozent bei 44,30 Franken aus dem Handel. Osram Licht schlossen 4,8 Prozent höher bei 40,51 Euro.

SdK stellt sich hinter AMS

Die deutsche Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) stellte sich derweil hinter den Deal: Nachdem die SdK "den von AMS zunächst gebotenen Übernahmepreis in Höhe von 38,50 Euro als nicht angemessen erachtet hat, da dieser die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung von Osram nicht angemessen widerspiegelte, halten wir das nun vorgelegte, deutlich verbesserte Angebot für angemessen", schrieb sie am Freitagabend in einer Stellungnahme.

"Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation und der weiterhin anhaltenden politischen Unsicherheiten rechnen wir aktuell mit einer noch länger anhaltenden schwierigen Phase für Osram. Daher würde unserer Einschätzung nach der Kurs der Osram-Aktien im Falle eines Scheiterns einer Übernahme deutlich unterhalb des aktuell gebotenen Übernahmepreises zurückfallen, schrieb die SdK.

Ein allfälliges weiteres Übernahmeangebot der Finanzinvestoren Bain Capital und Advent dürfte nicht signifikant über den aktuell gebotenen 41,00 Euro je Aktie liegen. "Die Chancen erscheinen uns somit deutlich geringer als die Risiken. Daher erscheint aus Sicht der SdK eine Annahme des Übernahmeangebotes von AMS sinnvoll", schrieb die Schutzgemeinschaft.

ra/jb/cf

(AWP)

 
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