Aryzta erleidet 2016/17 hohen Verlust nach Abschreiber - Keine Kapitalerhöhung

(Zusammenfassung; wiederholt mit Schlusskurs) - Der Backwaren-Konzern Aryzta hat ein schwieriges Geschäftsjahr hinter sich. Das eigentliche Geschäft kam nicht auf Touren, zudem verursachte ein massiver Abschreiber tiefrote Zahlen. Die Ziele für das neue Jahr sind nun wenig präzise. Gut kommt bei den Investoren an, dass trotz der hohen Schuldenlast keine Kapitalerhöhung geplant ist.
25.09.2017 18:04

Verwaltungsratspräsident Gary McGann redete am Montag nicht um den heissen Brei herum: Die Resultate seien "unakzeptabel", sagte er an einer Telefonkonferenz zum Geschäftsjahr 2016/17 (per Ende Juli).

Tatsächlich zeigen alle wichtigen Kennzahlen nach unten. Der Umsatz verringerte sich um 2,1% auf 3,80 Mrd EUR, der operative Gewinn (EBITDA) nahm in der Folge um 31% auf 420,3 Mio EUR ab und die entsprechende Marge um 460 Basispunkte auf 11,1%.

Der Reingewinn ging derweil um 43% auf 179,0 Mio EUR zurück. Dabei handelt es sich allerdings um eine bereinigte Zahl. Denn eigentlich kam es unter dem Strich zu einem Verlust von 907,8 Mio EUR. Insbesondere ein Abschreiber von 860 Mio EUR (hauptsächlich für Goodwill) belastete.

Das neue Management um CEO Kevin Toland, der seit zwei Wochen im Amt ist, solle sich auf die Zukunft fokussieren können und nicht um die Vergangenheitsbewältigung kümmern müssen, begründete VRP McGann den Schritt. Bei Aryzta war es im Frühling nach der x-ten Gewinnwarnung zum grossen Köpferollen im Top-Management gekommen.

NOCH KEINE STABILISIERUNG

Das Geschäft hat sich seither nicht stabilisiert. Im Gegenteil: Organisch resultierte im vierten Quartal ein Rückgang um 5,0%, wobei vor allem das US-Geschäft (-11%) Einbussen verzeichnete. Aber auch in Europa (-0,7%) kam die Gesellschaft nicht voran. Nur im "Rest der Welt" (+6,4%), der mit einem Umsatzanteil von knapp 7% relativ klein ist, wuchs Aryzta.

In den USA litt das Unternehmens das ganze Jahr über unter Vertragsauflösungen. Zugleich stiegen die Arbeits- und Marketingkosten. In Europa wirkten sich Kapazitätsanpassungen in Deutschland, steigende Butterpreise und die Pfund-Abwertung negativ aus.

Das Management versuchte gleichwohl, Zuversicht zu verbreiten. "Die Herausforderungen sind identifiziert, die Gegenmassnahmen gestartet", meinte der neue CEO Toland. Auf konkrete Ziele, was die Kennzahlen betrifft, wollte er sich noch nicht festlegen.

EBITDA AUF VORJAHR

Im 2017/18 werde ein EBITDA im Rahmen des Vorjahres erwartet, hiess es lediglich. Dies sei angesichts der internen und externen Herausforderungen die bestmögliche Schätzung.

Wichtig bleibe darüber hinaus die Cash-Generierung, hiess es. Es werde eine Summe von bis zu 1 Mrd EUR innert der nächsten vier Jahre angepeilt - inklusive Devestitionen. Bekanntlich will Aryzta die Beteiligung am französischen Tiefkühlproduktehersteller Picard loswerden. Der Cashflow aus der Geschäftstätigkeit kam 2016/17 bei gut 196 Mio EUR zu liegen (VJ 267 Mio).

Die Aktionäre sollen denn auch trotz der tiefroten Zahlen in den Genuss einer Dividende von 0,3489 CHF je Aktie kommen, die in Aktien ausbezahlt werde (VJ 0,5731).

Keine Sorgen müssen sich die Investoren der anderen Seite vor einer Kapitalerhöhung machen. Dazu gebe es keine Notwendigkeit, meinte VRP McGann. Er begründete dies unter anderem mit der Cash-Generierung.

REFINANZIERUNG GESICHERT

Ausserdem sicherte sich Aryzta für die nächsten fünf Jahre eine Refinanzierung über 1,8 Mrd EUR. Mit dieser würden die im Vorjahr eingegangenen Verbindlichkeiten abgelöst. Das Abkommen enthalte auch eine Verbesserung der Kreditbedingungen, wurde betont.

Mit den vorgelegten Resultaten hat Aryzta die Erwartungen der Analysten durchs Band verfehlt. In ersten Kommentaren wurde zum Teil von "erschreckend" schlechten Zahlen gesprochen. Als Lichtblick galt die Refinanzierung und vor allem das Nein zu einer Kapitalerhöhung. Die seit Jahresbeginn arg gebeutelten Papiere waren am Montag nach anfänglichen Verlusten die mit Abstand grössten Gewinnern. Sie legten in einem stabilen Gesamtmarkt - nicht zuletzt auch wegen Short-Eindeckungen - um 4,8% zu.

rw/ra

(AWP)