Chinesische Übernahmegelüste haben sich laut EY-Studie fast halbiert

Die Investitionsbereitschaft chinesischer Investoren ist zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 2017 sind laut einer Studie des Beratungsunternehmens EY insgesamt fünf Transaktionen über die Bühne gegangen. Im Rekordjahr 2016 waren es noch insgesamt neun Deals, wie EY am Montag mitteilt.
18.07.2017 09:00

Auch im globalen Vergleich seien die M&A-Aktivitäten chinesischer Firmen im ersten Halbjahr 2017 im Vergleich zur Vorjahresperiode in fast allen Märkten zurückgegangen. In Deutschland von 35 auf 25, in Grossbritannien von 27 auf 24 und in Italien von 18 auf 12. In der Schweiz sind laut der Studie im ersten Semester total fünf Deals getätigt worden.

Das Investment-Unternehmen Phoenix Green mit Sitz in Hong Kong beteiligte sich am Neuenburger Uhrenhersteller Ernest Borel und der Internetkonzern Alibaba investierte substanziell in das Waadtländer Startup WayRay. Zudem erwarb Cedar Lake Capital Partners die Mehrheit des zur deutschen Schmid Gruppe gehörenden Hightech-Unternehmen Montratec. Die restlichen zwei noch nicht vollzogenen Transaktionen gehen auf das Konto der chinesischen HNA-Gruppe.

SYNGENTA SORGTE FÜR AUSSSCHALG NACH OBEN

Der grösste Deal betreffe den Rohstoffriesen Glencore, der die Erdöllager-Sparte in ein Joint Venture mit der chinesischen HNA-Gruppe einbringe. Der Deal hat laut Berechnungen von EY einen Wert von 775 Mio USD. Auch der zweite HNA-Deal, der Einstieg beim Reisedetailhändler Dufry, sei noch nicht vollzogen.

Insgesamt belaufe sich die Gesamtsumme dieser drei Transaktionen auf 806 Mio USD. Zu beachten sei jedoch, dass im Vorjahressemester die Übernahme des Agrochemiekonzerns Syngenta durch ChemChina über 44 Mrd USD betrug, was für einen einmaligen Ausschlag sorgte.

FOKUS AUF INDUSTRIEUNTERNEHMEN

Dass sich die chinesischen Übernahmegelüste wieder auf ein Normalmass einpendeln, hänge auch damit zusammen, dass chinesische Unternehmen Übernahmekandidaten genauer prüften. Spekulative Investitionen seien in den Hintergrund gerückt, so die Studienautoren weiter. Im Vordergrund stünden nun Unternehmen mit zukunftsträchtigen Technologien.

Yi Sun, Leiterin der China Business Services der DACH-Region bei EY erklärt das damit, dass auf dem chinesischen Heimatmarkt die Wachstumsperspektiven begrenzt seien: "Für chinesische Manager bleiben Deutschland und die Schweiz gleichermassen Premium-Standorte und zumindest im industriellen Bereich die attraktivsten Investitionsziele in Europa", so Sun.

Zudem rückten aber auch Unternehmen aus dem Energie- und Life-Science-Sektor in den Fokus. China habe in diesem Bereich "grossen Nachholbedarf." Zudem seien chinesische Interessenten bedachter und professioneller geworden. Dies weise laut EY darauf hin, dass kommende Transaktionen "in der Regel" deutlich nachhaltiger als in den vergangenen Jahren sein dürften, heisst es dazu.

sta/ra

(AWP)