Clariant will mit neuem Grossaktionär in ruhigeres Fahrwasser steuern

(Zusammenfassung mit Schlusskurs) - Clariant hat ein turbulentes Geschäftsjahr 2017 mit signifikantem Wachstum und einer leicht höheren Profitabilität abgeschlossen. Die geplatzte Fusion mit Huntsman und die Abwehr des aktivistischen Investors White Tale kosteten aber viel Geld. Mit dem neuen Grossaktionär aus Saudi-Arabien fühlt sich der Spezialchemiekonzern jetzt viel wohler.
14.02.2018 17:38

Ursprünglich hatte Clariant-Chef Hariolf Kottmann geplant, am Mittwoch an der Bilanzmedienkonferenz neben den Jahreszahlen vor allem die neue strategische Stossrichtung zu kommunizieren. Das Massnahmenpaket "zur Steigerung der Wertgenerierung" wurde Ende November in höchster Not angekündigt - in Erwartung des grossen "Showdown" mit White Tale an der nächsten Generalversammlung.

Jetzt hat es Kottmann nicht mehr so eilig. Denn die Amerikaner ist er nun los, deren 25% schweres Aktienpaket ist vor drei Wochen an die Saudi Basic Industries Corporation gegangen. Die kurz Sabic genannte Gesellschaft betrachtet Kottmann als "strategischen Ankeraktionär".

STRATEGIEUPDATE VERSCHOBEN

Für das Strategieupdate gibt er sich nun daher Zeit bis zum Sommer, zumal auch die aufsichtsrechtlichen Bewilligungen für die Transaktion erst dann vorliegen werden. "Bis dahin haben wir viel Zeit für Diskussionen über mögliche Kooperationen", erklärte Kottmann.

Mit den Saudis ist man sich bereits heute in vielen Punkten einig, was die strategische Stossrichtung angehe. Entsprechend habe man mit Sabic eine Absichtserklärung abgeschlossen; darin enthalten sei übrigens auch eine Klausel bezüglich des Verzichts auf eine Vollübernahme von Clariant.

Bezüglich weiterer Details bittet Kottmann aber noch um etwas Geduld. Nur eines kann er heute schon versprechen: "Wir werden auch in Zukunft eine Schweizer Firma sein mit Hauptsitz in Pratteln und einer Kotierung an der Schweizer Börse."

KOSTEN VON ÜBER 50 MILLIONEN

Die Abwehrschlacht und die geplatzte Fusion sind letztes Jahr ins Geld gegangen. Insgesamt hätten diese beiden Ereignisse Kosten von mehr als 50 Mio CHF verursacht, erklärte Finanzchef Patrick Jany. Der Betriebsgewinn (EBIT) von Clariant - auch Zahlen kamen am Mittwoch zur Sprache - schrumpfte im Jahr 2017 in der Folge um 3% auf 496 Mio CHF.

Operativ lief es den Muttenzern aber gut, stieg doch der Umsatz im Berichtsjahr um 9% auf 6,38 Mrd CHF. Vor den besagten Einmaleffekten nahm der EBITDA um 10% auf 974 Mio CHF zu, die entsprechende Marge lag bei 15,3% und somit wie von Clariant versprochen über dem Wert des letzten Jahres (15,2%).

Unter dem Strich blieb ein Reingewinn von 302 Mio; 2016 lag der Überschuss noch bei 263 Mio. Clariant schlägt der Generalversammlung die Ausschüttung einer um 5 Rappen erhöhten Dividende von 0,50 CHF vor.

TIEFERER CASH FLOW

Einzig beim operativen Cash Flow ist Clariant etwas schuldig geblieben, fiel dieser doch mit 428 Mio CHF um 218 Mio hinter den Vorjahreswert zurück. Finanzchef Jany führte neben den Kosten für Huntsman und White Tale eine starke Nachfrage zum Jahresende ins Feld; diese habe ebenfalls Nettoumlaufvermögen gebunden.

Ohne diese Effekte hätte man "sehr nahe" beim Vorjahreswert gelegen, versicherte Jany, der im laufenden Jahr einen sehr starken Fokus auf die Cashgenerierung legen will. Ziel sei es, 2018 wieder auf den Wert von 2016 zu kommen.

DIE ÜBLICHE GUIDANCE

Für das laufende Jahr rechnet Clariant mit einem nicht näher bezifferten Wachstum in Lokalwährungen sowie einer Verbesserung des operativen Cashflow, des absoluten EBITDA und der EBITDA-Marge vor Einmaleffekten. Somit lautet die Guidance gleich wie die für 2017.

An der Börse gaben Clariant 2,4% auf 24,34 CHF nach. Zwar wurden mit den ausgewiesenen Zahlen die Analysten-Schätzungen übertroffen, das "besondere Überraschungsmoment" habe jedoch gefehlt. Kritisiert wurde insbesondere die "übliche" Guidance und die ausbleibenden Aussagen zur Strategie.

ra/rw

(AWP)