Crédit Agricole nimmt in Schweiz Verbriefung von Hypotheken vor

(Ergänzt um Angaben der UBS, neuer Abschnitt im Texteil nach 2. Zwischentitel)
16.12.2016 16:26

Zürich (awp/sda) - Die Bank Crédit Agricole Financements Schweiz hat eine erste Verbriefungsaktion von hypothekarisch gesicherten Wertpapieren abgeschlossen. Damit wagt die Bank einen Versuch mit einem Produkt, das wegen seiner Mitschuld an der Finanzkrise lange verpönt war.

Die von den Aufsichtsbehörden bewilligte Transaktion im Umfang von 200 Mio CHF wurde am 12. Dezember vollzogen, wie Crédit Agricole am Freitag mitteilte. Die entsprechenden Wertpapiere seien von der Zürcher Kantonalbank erfolgreich bei institutionellen Anlegern platziert worden.

ERSTE VERBRIEFUNG SEIT 15 JAHREN

Die Transaktion fand gemäss Mitteilung im Zuge der Strategie zur Entwicklung und Diversifizierung des Finanzportfolios statt. Verbrieft habe die Bank ausschliesslich Hypotheken von Wohnimmobilien in der Schweiz.

Gemäss eigenen Angaben ist diese Verbriefung die erste dieser Art seit 15 Jahren. In Verruf geraten sind solche Transaktionen, weil sie einer der Hauptgründe für die Finanzkrise ab 2007 waren.

In der Schweiz wurde die in den USA übliche Bündelung und Weiterreichung von Hypotheken nur versuchsweise durchgeführt. In fast sämtlichen Hypothekarverträgen steht jedoch, dass die kreditgebenden Banken eine solche Verbriefung vornehmen können. Das hat sich aber in der Branche bis jetzt nicht durchgesetzt.

CREDIT SUISSE PLANT HYPOTHEKENFONDS

Die Credit Suisse hat zwar im Frühling 2016 bekannt gegeben, dass sie keine Verbriefung dafür aber eine Überführung von Hypotheken in einen Fonds plant. Gemäss Auskunft der Grossbank ist dieses Projekt noch nicht ausgeführt, es wird jedoch weiter vorangetrieben.

Eine tatsächliche Verbriefung von Hypotheken hat bis jetzt auch keine andere Schweizer Bank angekündigt. Sowohl bei der ZKB wie der Raiffeisen-Gruppe gibt es zum Beispiel keine solchen Pläne, wie die Banken auf Anfrage mitteilen.

Auch die UBS plant zurzeit keine solche Transaktion. Im November hat die Grossbank jedoch einen neue Hypothekenplattform für institutionelle Anleger geschaffen, auf der die UBS Investoren mit Hypothekarnehmer zusammenbringt. Im Gegensatz zur Verbriefung hat die UBS in diesem Modell jedoch nur die Funktion eines Vermittlers. Der Hypothekarnehmer wird direkt Schuldner des Geldgebers.

BÜNDELUNG VON KREDITEN

Bei der Verbriefung von Hypotheken verkauft eine Bank ein Paket von Immobilienkrediten an eine speziell dafür gegründete Gesellschaft. Anleger können sich danach an dieser Zweckgesellschaft beteiligen. Je nach Ausgestaltung der Verbriefung kann die Bank mit diesem Verkauf die Bilanz verkürzen und das Ausfallrisiko dieser Kredite an Investoren weiterreichen.

In den USA wurden solche Verbriefungen zu einem grossen Problem, weil die Banken mit diesem Mittel auch Personen Kredit gewährten, die nicht kreditwürdig waren.

cp/

(AWP)