Credit Suisse macht sich in der Schweiz fit für die Zukunft

(Zusammenfassung) - Die Credit Suisse baut in der Schweiz Stellen ab, schliesst Filialen und forciert die Digitalisierung. Zum einen muss die Grossbank sparen, zum anderen will sie jüngere Menschen als Kunden gewinnen und damit der zunehmenden Fintech-Konkurrenz die Stirn bieten.
25.08.2020 14:44

In der Schweiz macht die CS Geschäfte mit grossen Privat- und Firmenkunden, hat aber auch einen Retailbereich. Im diesem Geschäft mit kleineren Privatkunden sei man in der Vergangenheit "weniger stark" unterwegs gewesen, sagte CS-Schweiz-Chef André Helfenstein am Dienstag an einer Telefonkonferenz für Journalisten. Das sei nicht zuletzt dem Umstand geschuldet gewesen, dass die CS traditionell weniger Filialen gehabt habe als die Konkurrenz.

Der generelle Trend hin zu mehr Digitalisierung und weniger Filialen biete der CS nun aber Chancen. Diese will die Bank nutzen und mit einem neuen Digitalangebot sowie einem angepasssten Filialkonzept mehr Retailkunden anziehen. Details dazu sollen im September kommuniziert werden. Aktuell bedient die Credit Suisse hierzulande gemäss Helfenstein mehr als 1 Million Privatkunden.

Schliessung von 37 Filialen

Wie sehen die Umbaupläne konkret aus? Die bisher eigenständig agierende Tochter Neue Aargauer Bank (NAB) wird in die CS integriert, zudem sollen in der ganzen Schweiz 37 Filialen geschlossen werden. Übrig bleiben dann noch 109 Standorte. Welche Geschäftsstellen konkret schliessen, wird lauf Helfenstein in den nächsten ein bis zwei Wochen kommuniziert.

Klar ist bereits heute, dass im Kanton Aargau nach der Integration der NAB lediglich zwölf der derzeit 30 Filialen überleben werden. Die Region sei wirtschaftlich sehr bedeutend und wichtig für die Credit Suisse, sagte Helfenstein. Allerdings hätten sich Doppelspurigkeiten aufgebaut - in Bereichen wie IT und Dienstleistungen. Das sei hinderlich in einem Geschäft, in dem man einfacher, besser und schneller werden wolle. Die Marke NAB wird zwar verschwinden, die in der Region etablierten Kundenberater sollen aber weiter ihre Kunden betreuen.

Den generellen Abbau von Filialen begründet das CS-Management vor allem mit dem veränderten Nutzungsverhalten der Kundschaft. So habe innerhalb der vergangenen zwei Jahre die Nutzung des Online-Bankings um rund 40 Prozent zugenommen und diejenige des Mobile-Bankings habe sich gar verdoppelt. Und die Covid-19-Krise habe diese Entwicklungen weiter beschleunigt. Im Gegenzug nehmen die Frequenzen in den Geschäftsstellen Jahr für Jahr ab. "Der Mix verändert sich", folgert Helfenstein.

Es gehe daher nicht nur um Effizienz und Kosteneinsparungen, sondern vor allem auch darum, was die Kunden wollten. "Was wir bei den Filialen einsparen, kommt den anderen Kanälen zugute", sagte der CS-Schweiz-CEO.

Bis zu 500 Stellen betroffen

Mit der Restrukturierung will die Credit Suisse hierzulande die Kosten ab 2022 brutto jährlich um 100 Millionen Franken senken. Diese Einsparungen sind Teil der bereits Ende Juli angekündigten gruppenweiten Einsparungen von insgesamt rund 400 Millionen. Für die Schweiz bedeutet das, dass bis zu 500 Stellen wegfallen könnten. Entlassungen sollen aber gemäss Helfenstein wenn immer möglich vermieden und betroffene Mitarbeiter anderweitig eingesetzt werden.

Am Markt schlugen die Neuigkeiten keine grossen Wellen. Für die Gruppe sei es eher eine kleinere Übung, kommentierte etwa ZKB-Analyst José Javier Lodeiro. Auch wenn man die Schliessung von 60 Prozent der Zweigstellen im Kanton Aargau vermutlich etwas anders empfinden dürfte.

ys/gab/uh

(AWP)

 
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