Deutsche Bank kämpft mit Einsparungen gegen schrumpfendes Geschäft

(Ausführliche Fassung) - Der erhoffte Aufschwung bei der Deutschen Bank lässt weiter auf sich warten. Für das dritte Quartal musste das grösste heimische Geldhaus abermals ein rückläufiges Geschäft melden. Allerdings schaffte es das Institut dank geringerer Kosten etwa für Rechtsstreitigkeiten, mehr zu verdienen. Unter dem Strich standen 649 Millionen Euro Gewinn - gut doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Vor Steuern waren es 933 nach zuvor 619 Millionen Euro, wie der Konzern am Donnerstag in Frankfurt mitteilte
26.10.2017 10:07

Analysten zeigten sich wenig überrascht vom schrumpfenden Geschäft; der Gewinn übertraf sogar die Erwartungen. "Die Erfolge bei den Kosten verdienen Lob", erklärte Magdalena Stoklosa von Morgan Stanley. Die Anleger waren jedoch vom Geschäftsverlauf enttäuscht: Im frühen Handel fiel die Aktie um fast 3 Prozent und stand damit nur noch knapp über 14 Euro.

Die Erträge - also die gesamten Einnahmen der Bank - sanken im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Zehntel auf knapp 6,8 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank leidet wie andere Institute unter den niedrigen Zinsen, die das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft weniger profitabel machen. Auch die anhaltend ruhigen Kapitalmärkte machen ihr zu schaffen, weil dies die Gebühreneinnahmen schmälert.

Im wichtigen Handel mit Währungen und Anleihen brachen die Erträge im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 36 Prozent ein - damit schnitt die Deutsche Bank schlechter ab als US-Rivalen, aber auch als etwa der europäische Konkurrent Barclays . Der Aktienhandel sowie das Beratungs- und Finanzierungsgeschäft mit Unternehmen, das sich unter anderem um Börsengänge und Fusionen dreht, schrumpfte ebenfalls. Dagegen verdiente die Bank im klassischen Privat- und Firmenkundengeschäft fast so viel wie im sonst wesentlich lukrativeren Investmentbanking.

"Während das Umfeld für unsere Erträge eine Herausforderung bleibt, sind wir bei unseren wichtigen Initiativen deutlich vorangekommen", bilanzierte Vorstandschef John Cryan.

So nimmt das gemeinsame Privat- und Firmenkundengeschäft mit der Postbank Gestalt an. Ab dem zweiten Quartal 2018 sollen rund 13 000 Beschäftigte der Deutschen Bank und 17 000 Beschäftigte der Postbank unter einem rechtlichen Dach arbeiten. Für die Kunden ändert sich zunächst nichts, beide Markennamen sollen erhalten bleiben. Steuern wird die neue "Deutsche Privat- und Firmenkundenbank" ein gemeinsames Führungsteam von den Standorten Frankfurt und Bonn aus.

Dagegen gibt die Deutsche Bank die Traditionsmarke Sal. Oppenheim auf. Die verbliebenen Kunden und Geschäfte der 1789 gegründeten Kölner Privatbank werden bis zum kommenden Jahr auf andere Bereiche der Grossbank aufgeteilt. Es sei "nie gelungen, die Marke Sal. Oppenheim wieder zu alter Stärke zurückzuführen, nachdem sie noch vor dem Kauf 2009 schweren Schaden erlitten hatte", sagte Cryan. Die Vermögensverwaltung wird nun Teil der Deutschen Asset Management, die so vor ihrem anstehenden Börsengang aufgewertet wird. Die vermögenden Privatkunden werden vom Wealth Management der Deutschen Bank bedient.

Beim Zusammenschluss mit der Postbank müssen sich Mitarbeiter und Kunden darauf einstellen, dass mittel- bis langfristig Filialen abgebaut werden. Auf betriebsbedingte Kündigungen jedoch soll in der neuen Einheit bis 30. Juni 2021 verzichtet werden. Dies ist Teil der Tarifeinigung mit den Gewerkschaften für die etwa 18 000 Beschäftigten der Postbank, der BHW-Gruppe und weiterer Töchter.

Nach Angaben der Tarifpartner vom Donnerstag sollen zudem die Gehälter in drei Schritten steigen. Rückwirkend zum 1. April 2017 gibt es 1,7 Prozent mehr Geld, zum 1. Januar 2018 dann weitere 0,9 Prozent, der dritte Schritt mit plus 2,3 Prozent ist für Januar 2019 vorgesehen. Der Tarifvertrag läuft bis mindestens zum 31. Juli 2019.

"Es liegt noch viel Arbeit vor uns, und es sind noch verschiedene konkrete Interessensausgleiche abzuschliessen", erklärte Cryan zur Integration der Postbank. "Aber ich bin zuversichtlich, dass alle Beteiligten weiterhin erfolgreich zusammenarbeiten werden, um das beste Ergebnis im langfristigen Interesse unserer Bank zu erzielen." Ursprünglich wollte die Deutsche Bank die Postbank verkaufen, nun will der deutsche Branchenprimus mit gemeinsamer IT und Verwaltung im umkämpften heimischen Markt schlagkräftiger werden.

Beim Abbau juristischer Altlasten kommt das Institut mit grossen Schritten voran. "Von den 20 Fällen, auf die noch Anfang des vergangenen Jahres rund 90 Prozent unserer finanziellen Rechtsrisiken entfielen, haben wir inzwischen 13 ganz oder teilweise beigelegt - bei nur geringen zusätzlichen Kosten in diesem Jahr", berichtete Cryan. Im vierten Quartal dürften nach Erwartung des Vorstands noch einige Rechtsstreitigkeiten beigelegt werden. Ende September hatte das Institut für solche Fälle noch 2,3 Milliarden Euro zurückgelegt.

Für das Gesamtjahr 2017 hatte die Deutsche Bank nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten schwarze Zahlen in Aussicht gestellt. Allerdings machte der Vorstand wenig Hoffnung, dass das Tagesgeschäft zum Jahresende noch anspringen wird: Die Aktivität an den Kapitalmärkten sei auch im Oktober verhalten gewesen./ben/das/DP/das

(AWP)