Deutsche Post kehrt mit neuer Prognose langsam zur Normalität zurück

(Ausführliche Fassung) - Die Deutsche Post hat nach einem Ergebniseinbruch zum Jahresauftakt im zweiten Quartal wieder bessere Geschäfte verzeichnet. Bei dem Dax-Konzern kehre langsam die Normalität zurück, fasste Post-Chef Frank Appel am Mittwoch in einer Telefonkonferenz die Situation zusammen. Das Geschäft in China aber auch in Europa erhole sich.
08.07.2020 10:51

Der Konzern hatte am Vorabend eine neue Prognose für 2020 gewagt, nachdem die Bonner diese wegen der Corona-Krise wie viele andere Unternehmen zurückgezogen hatte. Dazu verlief das zweite Quartal besser als erwartet: "Wir sind in bester Verfassung", führte Appel weiter aus. Deshalb komme der Konzern stabil durch die Krise.

An der Börse kam dies gut an. Die Aktie konnte am Mittwoch in einem schwachen Gesamtmarkt um mehr als 1 Prozent zulegen und erreichte mit mehr als 34 Euro ein neues Hoch seit Januar. Analysten lobten den Logistikriesen und sprachen von starken Zahlen angesichts der Situation. Die US-Bank JPMorgen hält die neue Gewinnprognose für das laufende Jahr sogar für konservativ.

Am Dienstagabend hatte die Post ihre neue Prognose veröffentlicht. Demnach erwartet das Management nun für 2020 vor Zinsen und Steuern (Ebit) 3,5 bis 3,8 Milliarden Gewinn. Das ist nicht mehr so viel wie im Vorjahr mit 4,1 Milliarden, und auch nicht soviel wie ursprünglich vor der Corona-Pandemie mit über 5 Milliarden angepeilt. Doch die vorläufigen Ergebnisse von April bis Juni stimmten zuversichtlich, hiess es.

Im zweiten Quartal konnte der Konzern sein Ebit nach vorläufigen Zahlen um 16 Prozent auf 890 Millionen Euro steigern. Darin seien neben Belastungen von rund 100 Millionen Euro aus der Neuausrichtung des Elektrolieferwagens Streetscooter auch weitere 100 Millionen Euro an Sonderabschreibungen im Zusammenhang mit dem Corona-Lockdown enthalten. Bereinigt um Sonderposten im Vorjahr und in diesem Jahr habe das operative Ergebnis sogar um ein Viertel zugelegt, rechneten die Bonner vor. Die vollständigen Zahlen will die Post mit dem Halbjahresbericht am 5. August vorlegen.

Berenberg-Analyst William Fitzalan Howard erklärte, dass die unmittelbaren Auswirkungen der Corona-Krise auf die Post nicht so gravierend gewesen seien wie zunächst befürchtet. Das operative Ergebnis sei sehr stark, wenn man die gegenwärtigen Umstände in Betracht ziehe. Auch der freie Mittelzufluss und der Ausblick seien besser als erwartet. Es sei ermutigend, dass das Unternehmen nun auch wieder einen Gesamtjahresausblick gegeben habe und für 2019 sogar eine Dividende zahlen wolle, kommentiert das US-Analysehaus Bernstein Research. Und die DZ Bank fügt hinzu: Der Konzern habe vor allem von einem starken Onlinehandel und Expressgeschäft profitiert.

Trotz eines insgesamt positiven Verlaufs des zweiten Quartals schloss Appel Entlassungen nicht vollständig aus. Wenn es Kunden wegen der Corona-Krise schlecht gehe, habe das Auswirkungen auf die Post als Dienstleister. "Dann sind wir die Leidtragenden", erklärte Appel. So habe man im Laufe der Krise etwa Beschäftigte vorübergehend in anderen Sparten untergebracht.

Im Verlauf des zweiten Quartals hätten sich die zunächst stark unter Druck geratenen Volumina wieder langsam zu normalisieren begonnen. Der Onlinehandel boomt und gab der Post international wie auch in Deutschland Auftrieb. Die Aktionäre sollen für 2019 nach der nun für den 27. August geplanten Hauptversammlung eine stabile Dividende von 1,15 Euro je Aktie erhalten. Der ursprüngliche Vorschlag lag mit 1,25 Euro etwas höher. Dazu sagte Finanzchefin Melanie Kreis: Es handele es sich um eine "ausgewogene Entscheidung", der Konzern spare damit 125 Millionen Euro.

Mehr Geld gibt die Post dagegen für die Mitarbeiter aus: Die weltweit mehr als 500 000 Mitarbeiter sollen angesichts der Corona-Krise einen einmaligen Bonus von 300 Euro bekommen, was den Konzern im dritten Quartal rund 200 Millionen Euro kosten wird. Der Bonus, die Kosten für den verlustbringenden Streetscooter von 400 Millionen Euro und die Corona-Abschreibungen auf die Lieferkettenlogistik seien im neuen Ausblick enthalten, heisst es.

Weil noch unsicher ist, wie schnell sich die Wirtschaft von der Pandemie erholt, stellt die Post für 2022 drei Szenarien auf. Eine schnelle Erholung der Weltwirtschaft, eine eher zögerliche und eine sehr langsame. Im besten Fall sind nach Ansicht der Führungsetage in zwei Jahren 5,3 Milliarden Euro operatives Ergebnis machbar, im mittleren Fall dürften es 5,1 Milliarden sein. Für den pessimistischen Fall stellt die Post immerhin noch 4,7 Milliarden Euro Ebit in Aussicht./knd/nas/jha/

(AWP)

 
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