Evonik bleibt auf Übernahmetour

(Ausführliche Fassung) - Der Spezialchemiekonzern Evonik will weiter zukaufen. "Wir haben eine Liste von rund 100 Unternehmen, die für uns interessant sind. Wo sich Möglichkeiten ergeben, prüfen wir die", sagte Vorstandschef Christian Kullmann dem "Handelsblatt" (Donnerstagausgabe). Eine Grossfusion mit einem Wettbewerber strebe er aber nicht an. "Wir bevorzugen Übernahmen von Firmen, die unsere Geschäfte ergänzen und die wir problemlos integrieren können", sagte Kullmann.
14.11.2018 17:59

Vergangene Woche hatte Evonik die dritte grössere Übernahme binnen zweieinhalb Jahren angekündigt. Für 695 Millionen Dollar wollen die Essener den US-Chemiekonzern Peroxychem kaufen. Mit weiteren Investitionen will Evonik die Präsenz in Nordamerika, Europa und Asien gleichermassen stärken. Kullmann plant diese auch mit Blick auf die geopolitischen Risiken. "Der lokale Ausbau in den Weltregionen mindert auch mögliche Folgen handelspolitischer Verwerfungen", sagte er.

Eine konjunkturelle Eintrübung spürt Evonik bisher nicht. "Die meisten unserer Geschäfte laufen stabil und unbeeindruckt gut", sagte Kullmann. "Bei einigen Kunden aus dem Automobilsektor ist allerdings eine gewisse Zurückhaltung spürbar. Ob das nur ein saisonaler Effekt ist oder der Einstieg in den Abschwung, bleibt abzuwarten."

Einen Einstieg des Unternehmens in die Batteriefertigung lehnte Kullmann ab. "Wir werden nicht in den Bau einer neuen Batteriefabrik in Europa investieren. Wir bleiben in der Rolle als Zulieferer für diese Produkte."

Die Bundesregierung hatte diese Woche angekündigt, eine Batteriezellenfertigung in Deutschland mit Subventionen vorantreiben zu wollen. Dazu soll nach Vorstellung des Bundeswirtschaftsministeriums ein Konsortium gebildet werden, dem Autohersteller und Chemiefirmen angehören. Welche Unternehmen dazu bereit sind, ist noch offen.

Evonik war vor zehn Jahren ins Batteriegeschäft eingestiegen und hatte gemeinsam mit Daimler ein Gemeinschaftsunternehmen zur Produktion gegründet. 2014 waren die Essener jedoch aus dem Projekt ausgestiegen. "Die Kooperation mit Daimler war leider nicht erfolgreich und hat uns viel Geld gekostet", sagte Kullmann rückblickend./he

(AWP)