Für Reputationsexperten steht nicht nur die Führung der CS zur Debatte

Seit der "Beschattungsaffäre" fordern namhafte Banker wie Oswald Grübel, dass bei der Credit Suisse Köpfe rollen müssen. Für die Reputation der Bank viel bedrohlicher als die Diskussion um die Führung sei aber die fehlende Wahrnehmung volkswirtschaftlicher Verantwortung, sagt Daniel Künstle, Chef der Beratungsfirma Commslab, im Gespräch mit AWP.
09.10.2019 10:35

Seit der Finanzkrise hat sich gemäss der auf Profil- und Reputationsmanagement spezialisierten Basler Beratungsfirma Commslab in der Öffentlichkeit gegenüber den beiden Schweizer Grossbanken eine neue Wahrnehmung entwickelt. Sozial-moralische Bewertungskriterien werden nun stärker als zuvor gewichtet. Im Gegenzug haben wirtschaftliche Kenngrössen in der öffentlichen Wahrnehmung an Bedeutung eingebüsst.

Dass die soziale Reputation an Bedeutung gewonnen hat, stellt gemäss Commslab die Legitimität der beiden Grossbanken insgesamt zur Disposition. Die primäre Frage sei darum nicht, ob eine Absetzung von CEO Thiam sowie allenfalls Präsident Rohner die Reputation der Credit Suisse wieder auf ein besseres Niveau heben könne, sagt Künstle. Vielmehr gehe es darum, ob - bei einem Festhalten am bisherigen Profil als globale Bank mit Schweizer Sitz - der hiesige Finanzplatz weiterhin mit den globalen Investmentbanken mithalten müsse.

Denn die "licence to operate" sei nur dann gewährleistet, wenn die Bank nicht mehr nur betriebswirtschaftliche, sondern auch volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Ziele umsetze. In Zeiten anhaltender und politisch offensichtlich gewollter Tiefst- resp. Negativzinsen sei daher eine Neuausrichtung nötig.

Dabei sollten gemäss Commslab weniger kurzfristige finanzielle Zielsetzungen das Handeln leiten, sondern - analog zur erfolgreichen Versicherungswirtschaft - wieder verstärkt langfristige, mit der jeweiligen Volkswirtschaft kompatible Strategien gewählt werden.

(Das vollständige Interview ist auf AWP Premium zu lesen.)

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(AWP)