IPO: Mister Spex will im dritten Quartal an die Börse gehen

Der Berliner Online-Optiker Mister Spex will bis Ende September an die Frankfurter Börse gehen. Der Börsengang sei der "nächste logische Schritt", sagte Gründer Dirk Graber am Montag laut Mitteilung. Co-Chef Mirko Caspar erklärte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa-AFX, warum der stationäre Handel wichtig ist und sich Online- und Offline-Vertrieb nicht automatisch widersprechen.
14.06.2021 12:56

Bei dem geplanten IPO (Initial Public Offering) im dritten Quartal sollen neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung sowie bestehende Papiere bestimmter Altaktionäre herausgegeben werden, wie Mister Spex in Berlin mitteilte. Das Unternehmen strebt demnach einen Bruttoemissionserlös aus dem Verkauf der neuen Aktien von mindestens 225 Millionen Euro an. "Wir wollen unser beschleunigtes Wachstum aus Online- und Offline-Vertrieb auch international unter Beweis stellen", sagte Caspar.

Nach der Gründung 2007 verkaufte Mister Spex seine Brillen zunächst online. In den darauffolgenden Jahren änderte der Vorstand seine Strategie und wechselte vom reinen E-Commerce zum "Omnichannel-Geschäftsmodell". Das bedeutet, dass der Optiker neben Online-Shopping auch Geschäfte im stationären Einzelhandel betreibt und mit Partnerbetrieben zusammenarbeitet, die dann zum Beispiel vor Ort Sehtests durchführen. Heute ist Mister Spex nach eigenen Angaben in zehn Ländern aktiv und betreibt mehr als 40 Geschäfte in Deutschland, Österreich und Schweden, die durch rund 400 Partneroptiker erweitert werden.

In naher Zukunft wolle sich das Unternehmen auf Österreich und Schweden konzentrieren und erwägt, in beiden Ländern seine Präsenz zu verstärken. "Generell liegt unser Fokus auf Nordeuropa", sagte Caspar. Zuletzt sei Mister Spex vor allem in Grossbritannien und den Niederlanden stark gewachsen, und nach oben sei noch jede Menge Luft: Der europäische Brillenmarkt weise ein Volumen von rund 32 Milliarden Euro auf, hiess es.

Co-Chef Caspar hält dabei an der Strategie fest, erst digital in ein Land zu expandieren. "Sobald wir zur national bekannten Marke aufgestiegen sind, kennen wir die Bedürfnisse und Verhaltensweisen unserer Kunden in dem jeweiligen Land und können dann zielgerichtet Geschäfte eröffnen", sagte er. Dann könnte auch Werbung mittels Influencer oder in den sozialen Medien gemacht werden. Konkrete Expansionspläne nach Übersee oder etwa Asien, wo die Kurzsichtigkeit überproportional zunimmt, nannte Caspar nicht.

Die Verzahnung von Online-Vertrieb mit der Präsenz in den Innenstädten scheint aufzugehen: 2020 steigerte Mister Spex seinen Erlös um 18 Prozent auf 164 Millionen Euro. Das sei überproportional zum europäischen Markt, der um 13 Prozent zurückgegangen sei, hiess es. Um Vergütungsaufwendungen und Einmaleffekte bereinigt stieg das operative Ergebnis um 56 Prozent auf knapp sieben Millionen Euro.

Im Gespräch bekräftigte Caspar, dass die Präsenz von Mister Spex im stationären Einzelhandel durchaus Sinn ergebe. "Wir glauben an ein Wiederbeleben in den Innenstädten", sagte er. Man könne sehr gut sehen, wie viele Menschen wieder in die Einkaufsstrassen in den Grossstädten unterwegs sind, seitdem die Corona-Massnahmen wieder gelockert wurden. "Wenn sich die Menschen inspirieren lassen wollen, haben sie bei uns vor Ort und online die komplette Freiheit", sagte Caspar. Ob die Brille schliesslich im Laden oder im Internet gekauft werde, sei nicht wichtig.

Dadurch, dass Mister Spex ein "Einkaufserlebnis" anbiete, könne das Unternehmen auch mehr Brillen verkaufen. Während ein deutscher Kunde üblicherweise alle vier bis fünf Jahre eine neue Brille kauft, liege diese Zeitspanne bei Mister Spex bei zweieinhalb bis dreieinhalb Jahren.

Zuletzt hatte eine Reihe an Unternehmen angekündigt, aus eigener Kraft oder mittels eines Spacs (Special Purpose Acquisition Company) das Börsenparkett betreten zu wollen. In der vergangenen Woche kündigten der Tastaturhersteller Cherry mit Sitz in München und der Online-Fahrradspezialist Bike24 aus Dresden ihre beabsichtigten Börsengänge in Frankfurt an. Beide Unternehmen wollen mit dem neuen Geld das eigene Wachstum vorantreiben.

Der Online-Sporthändler Signa Sports United hingegen will mit einem Spac fusionieren und über diesen Umweg an die New Yorker Börse gehen. Zu Signa Sports, das dem österreichischen Investor und Karstadt-Eigentümers Rene Benko gehört, zählen Portale wie Fahrrad.de, Tennis Point und Outfitter. Mit dem Geld will der Sporthändler international expandieren und seine Technologieplattform ausbauen.

Bei sogenannten Spacs handelt es sich um Unternehmenshüllen, die gegründet wurden, um später etwa durch Fusionen andere Firmen an die Börse zu bringen. Experten warnen aber vor solchen Geschäften angesichts hoher Unsicherheiten und Risiken, die Anleger befürchten müssen./ngu/mne/fba

(AWP)