Linde profitiert von guten Geschäften in Europa und Asien

(Ausführliche Fassung) - Der vor der Fusion mit Praxair stehende Linde-Konzern hat im ersten Halbjahr von besser laufenden Geschäften in Europa und Asien profitiert. Zudem entwickelte sich die Sparte Anlagenbau etwas besser. Allerdings bekam Linde den Preisdruck im Gesundheitswesen in den USA zu spüren. Der Umsatz kletterte in den ersten sechs Monaten auch dank günstiger Währungseffekte um 4,7 Prozent auf 8,65 Milliarden Euro, wie die im Dax notierte Gesellschaft am Freitag in München mitteilte. Damit traf das Unternehmen in etwa die Erwartungen der Analysten.
28.07.2017 09:33

Auch operativ lief es für Linde etwas besser. Der um Einmaleffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 4,3 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Hier profitierte Linde auch von seinem Sparkurs. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 589 Millionen Euro. Das waren fast sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Hier belasteten Kosten für die Fusion und den Umbau. In der Bilanz wurde die Logistiktochter Gist herausgerechnet, die Linde verkaufen will. Die Ziele für das Gesamtjahr bestätigte das Unternehmen.

Am Aktienmarkt kam die Linde-Bilanz nicht so gut an. Die Aktie verlor im frühen Handel um 0,33 Prozent. Das operative Ergebnis habe nur wegen eines Sondereffekts über den Erwartungen gelegen, schrieb Analyst Jeremy Redenius vom US-Analysehaus Bernstein in einer Studie. Mit Blick auf das Wachstum und die Gewinnmargen des Gasekonzerns sieht der Experte weiter Herausforderungen.

Der Fusionspartner Praxair hatte bereits am Donnerstag seine Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt und von einem höheren Absatz in Nordamerika, Europa und Asien profitiert. Der Umsatz kletterte um 6 Prozent auf 2,8 Milliarden US-Dollar. Unter dem Strich erhöhte sich der Gewinn um knapp zwei Prozent auf 406 Millionen Dollar. Darin enthalten seien Kosten in Höhe von 15 Millionen Dollar im Zusammenhang mit der geplanten Fusion mit Linde.

Anfang Juni hatte der Linde-Aufsichtsrat die Fusion mit Praxair besiegelt. Die meisten Arbeitnehmervertreter hatten dagegen gestimmt. Mit 27 Milliarden Euro Umsatz, 66 Milliarden Euro Börsenwert und 80 000 Mitarbeitern würde der neue Gasekonzern den französischen Konkurrenten Air Liquide als Weltmarktführer ablösen. Praxair-Chef Steve Angel soll den fusionierten Konzern vom bisherigen Praxair-Standort Danbury in den USA aus führen. Linde und Praxair erwarten durch die Fusion Synergien von 1,1 Milliarden Euro jährlich. Die Genehmigung der Behörden steht noch aus.

Kartellauflagen erwartet Angel vor allem in Amerika, wo der neue Konzern fast die Hälfte seines Geschäfts macht. Weltweit wird die Genehmigung von 25 Kartellbehörden benötigt. Die Linde- und die Praxair-Aktionäre sollen je die Hälfte der Anteile am neuen Konzern bekommen. Das Umtauschangebot für die Linde-Aktionäre soll im Herbst starten. Bei einer Annahmequote unter 75 Prozent könnte die Fusion noch platzen. Der Abschluss des Geschäfts wird Ende 2018 erwartet./mne/jha/stb

(AWP)