Migros will künftig Plastik sammeln und rezyklieren

Leere Joghurtbecher, Plastikverpackungen oder Plastiksäcke: Das alles soll in der Schweiz in Zukunft nicht mehr im Abfall landen, sondern gesammelt und wiederverwertet werden. Die Migros lanciert dazu noch in diesem Monat ein Projekt.
17.06.2020 13:55

PET- oder Milchflaschen werden bereits gesammelt, doch nun geht die Migros beim Plastiksammeln einen Schritt weiter, wie sie am Mittwoch bekanntgab. Ab Ende Juni verkauft der Detailhandelsriese den Kunden dazu Säcke und stellt zur Rücknahme der Abfälle in ihren Filialen Container bereit.

Start in Luzern

Die "orange Riese" geht mit dem Projekt zunächst in der Zentralschweiz an den Start. Verläuft dieser erfolgreich und stösst das Angebot auf Anklang, dann soll es auf die Genossenschaften Genf, Neuenburg-Freiburg, Waadt und Wallis ausgeweitet werden. Und bis im Frühjahr 2021 sollen die drei grossen Genossenschaften Aare, Ostschweiz und Zürich dazukommen.

"Wir wollen als Migros in Sachen Umweltschutz Verantwortung übernehmen", sagte Guido Rast, Leiter der Genossenschaft Luzern, vor Medienvertretern. Denn es sei ein Bedürfnis der Kunden, einen Beitrag zum Umweltschutz leisten zu können.

Zunächst müssen die Kunden aber die für das Plastiksammeln vorgesehenen Säcke kaufen. Die Migros lanciert sie in den Grössen 17, 35 und 60 Liter und eine Rolle mit zehn Säcken kostet 9, 17 oder 25 Franken. Das Ziel sei es, mit den Einnahmen die Projektkosten decken zu können, hiess es.

Grosses Potenzial

Das Potenzial zum Sammeln und Rezyklieren von Plastik ist laut Christine Wiederkehr-Luther, Leiterin Nachhaltigkeit, sehr gross. Schätzungen zufolge gehe es schweizweit um rund 200'000 Tonnen Plastikabfall pro Jahr. Zum Vergleich: Im Jahr sammelt die Migros etwa 9'000 Tonnen PET-Flaschen. Diese werde man jedoch auch in Zukunft separat sammeln, hiess es.

In die neuen Sammelsäcke sollen dagegen Verpackungsfolien, Plastiksäckli, Milch- und Shampoo-Flaschen, Joghurt- und Glacé-Becher oder andere Lebensmittelverpackungen wie Früchteschalen wandern. Die Milchflaschen können aber wie bis anhin auch in den separaten Sammelstellen eingeworfen werden. Verhindern will die Migros derweil, dass stark verschmutzter Plastikabfall, Spielsachen oder Elektrogeräte in den Containern landen.

Recycling mit Partnern

Sind die Plastikabfälle einmal bei der Migros angekommen, werden sie in ihre Betriebszentralen überführt und dort dem Kunststoffrecycler, der Firma Innorecycling, zur Sortierung übergeben. Anschliessend rezykliert der zweite Partner Innoplastics das sortierte Material und produziert Regranulate.

Die Sortierung finde nicht in der Schweiz, sondern in einer modernen Anlage mit Nahscannern im österreichischen Vorarlberg statt, erklärte Innoplastics-Chef Martin Model. Da die Kapazitäten zu klein seien, gebe es in der Schweiz noch keine Sortieranlage. Mit dem Erfolg des Migros-Projekts könne sich das aber ändern.

Das wiedergewonnene Plastik will die Migros für die Herstellung von Verpackungen für ihre eigenen Produkte einsetzen. Für den Non-Food-Bereich sei dies bereits heute möglich, im Lebensmittelbereich fehlten aber noch die dazu notwendigen Zulassungen, hiess es. Das Fernziel lautet, 70 Prozent des gesammelten Plastik wiederverwenden zu können.

Weitere Partner gesucht

Wieviel Geld die Migros für das Projekt in die Hand nimmt, kann sie noch nicht beziffern. Das hänge unter anderem davon ab, wie gut es anlaufe und ob eine Sortieranlage gebaut werde. Eine solche Anlage allein könnte Investitionen im Umfang von 30 Millionen Franken bedeuten. Ideen zum Standort und Bau einer Sortieranlage existierten bereits.

Um die Erfolgschancen des Projekts zu verbessern und Kosten teilen zu können, schliesst man bei der Migros darüber hinaus auch die Zusammenarbeit mit anderen Grossverteilern - wie etwa Coop - nicht aus. Zudem könnten Container auch bei Partnern wie Voi oder Migrolino aufgestellt werden.

Kritisch wird das Vorhaben der Migros von Greenpeace beurteilt. Es handle sich dabei um eine Scheinlösung, um die Probleme rund um das Plastik zu lösen, liess die Umweltorganisation verlauten. Denn die meisten Kunststoffarten liessen sich nicht mehrfach in guter Qualität wiederverwerten. Vielmehr müssten Detailhändler auf wiederverwendbare Systeme setzen, fordert Greenpeace.

mk/jb

(AWP)