Richemont auf Erholungskurs - Umsatz steigt mit Wegfall von Lagerrückkäufen

(Zusammenfassung, ergänzt um Schlusskurs) - Der Genfer Luxusgüterkonzern Richemont hat im ersten Halbjahr 2017/18 sowohl den Umsatz als auch den Gewinn deutlich gesteigert und dies im Rahmen einer positiven Gewinnwarnung publik gemacht. Die Ankündigung hat an der Börse jedoch kaum jemand überrascht, schliesslich hatten im Vorjahr einmalige Rückkäufe von Luxusuhren aus den Warenlager von Händlern die Rechnung übermässig stark belastet. Die Aktie verliert nach der jüngst starken Performance sogar an Wert.
17.10.2017 17:59

Der Umsatz von Richemont sei in den ersten sechs Monaten 2017/18, also von April bis September, in der Berichtswährung Euro um 10% angestiegen und habe in Lokalwährungen um 12% zugelegt, hiess es in einer Mitteilung vom Dienstag. Als Gründe nannte die Gruppe nebst dem Wegfall einmaliger Lagerrückkäufe, ein verbessertes Handelsumfeld und positive Wechselkurseinflüsse.

Bereits Mitte September, am Tag der ordentlichen Generalversammlung, hatte Richemont für die ersten fünf Monate ein starkes Umsatzplus von 12% in Lokalwährungen vermeldet.

Die gute Umsatzentwicklung im Halbjahr schlägt auch auf das Ergebnis durch. Beim operativen Ergebnis rechnet Richemont mit einem Anstieg von 45%, und der Reingewinn dürfte gar um 80% ansteigen. Den Halbjahresbericht mit den detaillierten Angaben legt die Gruppe am 10. November vor.

WEGFALL VON LAGERRÜCKKÄUFEN

Im Jahr 2016/17 hatte Richemont den Entschluss gefasst, im grossen Stil Uhren zurückzukaufen - vor allem der Marke Cartier und in erster Linie aus den Lagern von Händlern in Hongkong und Macau. Mit dem Kauf der Uhren, welche sich schlecht verkaufen liessen und sich in den Lagern der Händler stapelten, sollte Platz für neue Produktlinien geschaffen werden. Mit dieser Massnahme kurbelte Richemont die Verkäufe neuer Uhren an.

Entsprechend hatte diese Massnahme die Rechnung des Vorjahres belastet. Gepaart mit der sich allgemein abschwächenden Nachfrage nach Schweizer Uhren war der Umsatz von Richemont im ersten Halbjahr 2016/17 um 13% eingebrochen, und das operative Ergebnis um über 40% auf 798 Mio EUR zurückgefallen. Dabei hatten allein die Rückkäufe das Ergebnis mit knapp 250 Mio EUR belastet. Jedoch gab Richemont damals an, dass der EBIT auch ohne diesen Effekt um rund einen Viertel gesunken wäre.

AKTIEN GESUCHT

Für Analysten kommt die nun publizierte positive Gewinnwarnung wenig überraschend. So schreibt etwa Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank, nach dem soliden Zwischenbericht von Mitte September sei er von einer solchen ausgegangen. Die in Aussicht gestellte Gewinnerholung decke sich denn auch recht genau mit seinen eigenen Schätzungen.

Mit den Angaben lasse sich nun auf einen Halbjahresgewinn von 1,16 Mrd EUR schliessen, kommentiert wiederum Rogerio Fujimori von RBC Capital Markets. Er selbst ging bisweilen von einem tieferen Gewinn in der Höhe von 1,06 Mrd EUR aus.

Und in den Augen von Vontobel-Analyst René Weber, dürfte auch die operative Marge im Halbjahr noch etwas höher ausfallen als er dies zuletzt erwartet hat. Weber rechnete mit einer Verbesserung um rund 420 Basispunkte, während die nun neu publizierten Angaben auf einen Anstieg von 500 Punkten auf 20,7% hinweisen.

Die Richemont-Papiere gaben am Dienstag 0,3% auf 88,30 CHF nach. Dabei gilt es zu beachten, dass die Aktien im bisherigen Jahresverlauf sehr gefragt und Anfang Monat auf ein Jahreshöchst von 90 CHF geklettert waren.

mk/ys

(AWP)