Roboterbauer Kuka in Bedrängnis - Sofortprogramm gegen Autotristesse

(Meldung mit Aussagen zur Schweiz ergänzt) - Die Krise der Automobilindustrie macht auch vor dem Augsburger Roboterhersteller Kuka nicht halt. Das Unternehmen, das chinesischen Investoren gehört, kann seine erst vor wenigen Monaten nach unten geschraubten Ziele nicht halten.
11.01.2019 18:43

Als Reaktion darauf setzt Interimschef Peter Mohnen ein Sofortprogramm in Kraft. Neben Einsparungen sieht dies auch eine Reorganisation vor. Auch Stellen sollen gestrichen werden. Wie viele Arbeitsplätze betroffen sind, wollte Mohnen am Freitag in einer Telefonkonferenz noch nicht preisgeben.

Ob auch die Schweiz betroffen ist, wo Kuka vor ein paar Jahren Swisslog erworben hat, blieb unklar. Kuka befinde sich in der Analysephase, erklärte Sprecherin Katrin Stuber-Koeppe auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP: "Es steht noch nicht fest, in welchem Umfang es die Kapazitätsanpassungen geben soll. Grundsätzlich betrifft es Kuka gesamt."

Die Aktie brach zunächst um mehr als 10 Prozent ein, erholte sich aber später wieder und dämmte die Verluste auf knapp 5 Prozent ein.

Konjunktur-Abkühlung

Mohnen machte "die verstärkt spürbare Abkühlung der Konjunktur in der Automobil- und Elektronikindustrie im vierten Quartal 2018, die anhaltenden Unwägbarkeiten des chinesischen Automatisierungsmarktes sowie negative Einflüsse aus dem Projektgeschäft" für die Prognosesenkung verantwortlich. Der Manager hatte Anfang Dezember vorübergehend den Chefposten übernommen, nachdem der langjährige Vorstandsvorsitzende Till Reuter einige Wochen nach der ersten Gewinnwarnung gegangen war - knapp zwei Jahre nach der Übernahme durch den chinesischen Hausgerätehersteller Midea.

Dabei haben sich die Hoffnungen, die mit dem Investor verbunden waren, bislang nicht erfüllt. Vor allem im wichtigen chinesischen Markt habe Kuka seine Ziele nicht erreicht, räumte Mohnen ein. Eine neue deutsch-chinesische Taskforce soll nun eingerichtet werden, um die Entwicklung dort voran zu treiben.

China jetzt angehen

Doch in China besteht vor allem Nachfrage nach kleineren, einfachen Robotern. Ein Markt, den Kuka ausser Acht gelassen hat. Jetzt will Kuka hier aufholen. "Wir werden China jetzt angehen", versprach Mohnen. Dazu will Kuka, in dessen Robotern mehr Hightech steckt und die deswegen teurer sind, dort mit neuen, einfacheren Robotern punkten, insbesondere im Elektronik-, aber auch im Automarkt. "Wir haben da einiges in der Pipeline."

Das Marktsegment ist hart umkämpft. Angst, zu spät zu kommen, weil Konkurrenten wie Epson oder ABB bereits einen langjährigen Vorsprung haben, plagt Mohnen nicht. "Wir freuen uns auf den Wettbewerb." Auch Preisdruck sieht er nicht als Hindernis. Dagegen sieht der Manager die Haushaltsrobotik, in der vor allem Midea stark ist, nicht mehr unbedingt als erste Priorität an. Bei der Forschung und Entwicklung werde man sich fokussieren, sagte er. Das Vorhaben, bis 2020 500 Millionen Euro zu investieren, bleibe von der aktuellen Entwicklung unangetastet.

Umsatzrückgang erwartet

Kuka war bereits am Vorabend bei seinen Geschäftszahlen für 2018 zurückgerudert und erwartet nun einen Umsatzrückgang von zuletzt 3,5 Milliarden auf 3,2 Milliarden Euro. Die bereinigte operative Marge (Ebit) dürfte noch stärker zurückgehen: von 4,3 Prozent 2017 auf rund 3 Prozent. Die vollständigen Zahlen für 2018 und einen Ausblick auf das gerade angelaufene Jahr will Kuka am 28. März veröffentlichen.

Angesichts der Ergebnisse reagiert Kuka mit einem Sparprogramm. Das Unternehmen könne die Konjunktur nicht ändern, aber seinen Umgang damit. Bis 2021 will das Management 300 Millionen Euro sparen, ein substanzieller Teil soll schon in diesem Jahr erzielt werden. Treiber lägen unter anderem in Verwaltung, Vertrieb, Einkauf und Projektmanagement.

Auch die Organisation soll schlanker aufgestellt und teilweise wieder dezentralisiert werden, erklärte Mohnen. So will Kuka schneller reagieren und wieder näher am Kunden sein. Der Interimschef räumte ein, dass mit dem hohen Wachstum der vergangenen Jahre auch Ineffizienzen entstanden seien. Wieviele Stellen auf der Kippe stehen, wollte Mohnen nicht sagen. Hier befinde man sich noch in der Analyse.

Angesichts des enttäuschenden Verlaufs 2018 strich das Unternehmen auch die Ziele für 2020. Ursprünglich hätte der Umsatz dann bei 4 bis 4,5 Milliarden Euro und die Ebit-Marge bei mehr als 7,5 Prozent liegen sollen./nas/men/fba

(AWP)

 

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