Spartenverkauf beschert Tui trotz Türkei-Krise Milliardengewinn

(Zusammenfassung)
08.12.2016 20:38

HANNOVER (awp international) - Der lukrative Verkauf seiner Tochter Hotelbeds hat dem weltgrössten Reisekonzern Tui im Jahr der Türkei-Krise einen Milliardengewinn verschafft. Auch das Tagesgeschäft mit dem Urlaub warf trotz des Einbruchs bei Türkei-Reisen und des Wirbels nach dem britischen Brexit-Votum mehr ab als ein Jahr zuvor. Tui-Chef Fritz Joussen peilt nun weitere Steigerungen an und will eine Milliarde Euro vor allem in neue Hotels und Kreuzfahrtschiffe stecken, wie er am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Hannover ankündigte. An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Tui-Aktie gewann bis zum Nachmittag 2,40 Prozent und wurde zuletzt mit 12,75 Euro gehandelt.

Unterm Strich verdiente Tui im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende September 1,04 Milliarden Euro und damit etwa dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Das lag vor allem daran, dass der Konzern beim Verkauf des Hotelzimmer-Vermarkters Hotelbeds einen dicken Buchgewinn eingestrichen hatte. Die Aktionäre sollen mit einer von 56 auf 63 Cent je Aktie erhöhten Dividende an dem Erfolg teilhaben.

Im laufenden Geschäft konnte der Veranstalter den Buchungseinbruch in der Türkei wegstecken, auch weil er seine Reiseangebote nach dem ersten Terroranschlag in Istanbul schnell auf andere Ziele umstellte. "Wir hatten insgesamt mehr Kunden als im Vorjahr, aber eine Million weniger in der Türkei", sagte Joussen.

Nach dem Votum der Briten für den EU-Austritt machte sich bei Tui der Wertverlust des britischen Pfunds bei Umsatz und Gewinn negativ bemerkbar - allerdings nicht bei der Urlaubsnachfrage.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr musste Tui infolge des Pfund-Einbruchs jedoch konzernweit einen Umsatzrückgang um rund zwei Prozent auf 17,2 Milliarden Euro hinnehmen. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (Ebita) stieg zwar um fünf Prozent auf 1,0 Milliarden Euro, wobei Tui neben der verkauften Tochter Hotelbeds auch die zum Verkauf stehende Spezialreise-Sparte Travelopia herausgerechnet hat. Dass es insgesamt nach oben ging, verdankte der Konzern seiner verstärkten Ausrichtung auf eigene Hotels und Kreuzfahrtschiffe.

Im Veranstaltergeschäft musste Tui wegen des schwachen Pfunds und des harten Preiskampfs in Deutschland allerdings deutliche Rückgänge hinnehmen. Auch die heftigen Flugausfälle bei der deutschen Fluglinie Tuifly verbuchte der Konzern zum Teil im abgelaufenen Geschäftsjahr. Piloten und Flugbegleiter des Unternehmens hatten sich Anfang Oktober reihenweise krankgemeldet, nachdem Pläne für einen neuen, gemeinsamen Ferienflieger mit Air Berlin bekanntgeworden waren. Dieser soll nun im Wesentlichen aus Tuifly und der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki bestehen. Joussen erwartet, dass der Deal in den kommenden Wochen abgeschlossen werden kann.

Unklar blieb, inwieweit Zahlungen an im Oktober gestrandete Tuifly-Passagiere das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres belasten werden. "Natürlich werden die Passagiere gemäss den gesetzlichen Vorgaben entschädigt", sagte Joussen.

Tui teilte dazu am Donnerstagabend mit, alle Kunden, die ihre Reise aufgrund der Flugstreichungen absagen mussten, bekämen den kompletten Reisepreis zurück. Urlauber, die ihr Reiseziel verspätet erreicht hätten, erhielten Teile des Reisepreises zurück. Wer aufgrund späterer Rückflüge länger im Hotel bleiben musste, bekomme die Mehrkosten sowie eine Minderung für die verspätete Rückreise nach Deutschland gezahlt.

Darüber hinaus will Tui keine Entschädigungen zahlen. Der Konzern bekräftigte seine Auffassung, die massenhaften Krankmeldungen von Crewmitgliedern seien aussergewöhnliche Umstände, also höhere Gewalt. In diesem Fall bestehe keine Schadenersatzpflicht. Reiserechtler hatten die Kunden aufgerufen, dennoch Ansprüche anzumelden./stw/fbr/she

(AWP)