Straumann sieht von Übernahme der südkoreanischen MegaGen ab

(Meldung um Analystenkommentare ergänzt) - Der Dentalimplantathersteller Straumann gibt seine Pläne zur Kontrollübernahme der südkoreanischen MegaGen auf. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen und eines langwierigen Schiedsverfahrens werde eine Partnerschaft mit MegaGen als nicht mehr attraktiv angesehen, begründet Straumann den Rückzug.
28.02.2017 09:53

Erst im vergangenen Juli hatte Straumann angekündigt, das Wandlungsrecht und die Kaufoption einzulösen, um die Kontrolle über den südkoreanischen Implantathersteller zu erlangen. MegaGen leitete im Anschluss ein Schiedsverfahren zur Bestimmung des Umwandlungspreises sowie der Berechnungsmethode ein und wollte somit den Fall nach den Regeln der Internationalen Handelskammer ICC beurteilen lassen.

Bekanntlich sicherte sich Straumann eine Kaufoption 2014 und 2015 im Zusammenhang mit dem Kauf von MegaGen-Wandelanleihen über insgesamt 30 Mio USD. Gemäss den Bedingungen der Anleihe hatte Straumann das Recht, diese in Aktien von MegaGen zu wandeln. Eine Zusatzvereinbarung mit den Hauptaktionären von MegaGen berechtigte Straumann überdies zum Erwerb weiterer Aktien, um die Kontrolle über MegaGen zu erlangen. Die Aktionäre von MegaGen hatten damals der Transaktion zugestimmt.

"GEIST DER PARTNERSCHAFT VERFLÜCHTIGT"

Nun wirft Straumann also das Handtuch. Dank einem starken Portfolio an schnell wachsenden "Value-Marken" sei eine Einbindung von MegaGen nicht mehr notwendig, heisst es in der Mitteilung weiter. Es werde deshalb darauf verzichtet, die Wandelanleihen von MegaGen über 30 Mio USD in Aktien zu wandeln. Das investierte Kapital wurde mit Zinsen an die Gruppe zurückbezahlt.

MegaGen habe im vergangenen Juli den Wandlungspreis sowie die Preisberechnung für die zusätzlichen Aktien zurückgewiesen und sich trotz deutlich höherer Angebote von Straumann entschieden, ein Schiedsgericht anzurufen, so Straumann. Abhängig vom Fortschritt des Schiedsverfahrens könnte dies bis zu zwei Jahre in Anspruch nehmen.

"Der gemeinschaftliche Geist der Partnerschaft, dem unsere Geschäftsbeziehung zugrunde lag, hat sich mit dem Einleiten des Schiedsverfahrens durch die Eigentümer von MegaGen verflüchtigt", wird in der Mitteilung Straumann-CEO Marco Gadola zitiert. "Weder dieser Umstand noch die lange Verzögerung aufgrund des Verfahrens liegen im Interesse unserer Unternehmen."

Eine mögliche Abkehr von MegaGen wurde bereits im Geschäftsbericht 2016 erwähnt. Man konzentriere sich auf die Partnerschaften mit der französischen Anthogyr (Straumann hält 30%), der türkischen Zinedent (50%-Anteil) und der seit Jahresbeginn 2017 voll kontrollierten Medentika in Deutschland, heisst es.

"GENÜGEND ALTERNATIVEN"

Die frühzeitige Rückzahlung der Wandelanleihe bzw. die Abkehr von MegaGen habe keinen Einfluss auf die Prognosen der Vontobel-Analysten, schreibt die Bank in einem Kommentar. Nach Ansicht der Experten sei Straumann nicht abhängig von MegaGen. Insbesondere, weil die Basler genügend Alternativen im Bereich der Implantate des mittleren Preissegments gefunden habe.

Die sogenannten Value-Produkte könne Straumann in Märkten wie China, Russland, Indien und in Osteuropa bereits anbieten. Die zuständige Analystin behält ihre Einstufung "Buy" und veranschlagt ein Kursziel von 475 CHF. Bis um 09.45 verlieren die Straumann-Valoren 0,3% auf 423,25 CHF.

pr/rw

(AWP)