Swiss Life führt mit US-Justizbehörde Gespräche zu Crossborder-Geschäft

(Mit weiteren Angaben eines Sprechers und einem Analystenkommentar ergänzt) - Die Swiss Life ist betreffend ihres grenzüberschreitenden Geschäfts mit US-Kunden ins Visier der amerikanischen Justizbehörde geraten und vom Department of Justice (DoJ) kontaktiert worden. Dabei handelt es sich um das Geschäft mit komplexen Lebensversicherungen, sogenannten Insurance Wrapper, die an wohlhabende Kunden verkauft wurden und im Verdacht stehen, zur Umgehung von Steuerpflichten missbraucht worden zu sein.
14.09.2017 08:36

Das DoJ habe Swiss Life betreffend des Crossborder-Geschäfts kontaktiert, teilte der Lebensversicherer am Donnerstag mit. Es sei allerdings erst die Kontaktaufnahme erfolgt, der Dialog mit dem DoJ beginne erst jetzt, ergänzte ein Sprecher der Swiss Life im Gespräch mit AWP. Die Swiss Life werde nun die Möglichkeit zum Dialog nutzen, um in Kooperation mit dem Justizministerium ihr Crossborder-Geschäft aus der Vergangenheit darzulegen.

PPLI-GESCHÄFT SEIT LÄNGEREM IM VERDACHT

Die Swiss Life betreibt das Geschäft mit vermögenden Kunden (PPLI) in der Markteinheit International weltweit. Das Portfolio mit US-Kunden bei Swiss Life Liechtenstein und Swiss Life Singapur umfasse heute insgesamt rund 250 Mio CHF, heisst es dazu. Sämtliche Versicherungsverträge seien gemäss der US-FATCA-Gesetzgebung erfasst und gemeldet worden. In der Vergangenheit belief sich das Portfolio mit US-Kunden auf maximal rund 1 Mrd.

Nach den Banken geraten nun also Versicherungen in Sachen Steuerdelikten ins Visier des US-Fiskus. Die Insurance Wrapper - auch die der Swiss Life - stehen seit längerem im Verdacht, dass sie möglicherweise für Steuerdelikte missbraucht werden. Nur war die Swiss Life bislang noch nicht von den zuständigen US-Behörden kontaktiert worden. Angaben dazu, ob und in welcher Höhe eine allfällige Busse für die Swiss Life erfolgen könnte, werden von Seiten des Lebensversicherers keine gemacht.

AKTIE VORBÖRSLICH UNTER DRUCK

Die Aktien von Swiss Life dürften den Handel am Donnerstag mit tieferen Kursen eröffnen, im vorbörslichen Geschäft werden die Titel gegen 08.20 Uhr um 1,0% tiefer gestellt (SMI: -0,1%).

Bei BaaderHelvea rechnet man nicht mit einer allzu starken Reaktion an der Börse. Der Markt sei sich den Risiken, die das PPLI-Geschäft für die Swiss Life beinhalte, bewusst. Die Angelegenheit sei vom Management mit Analysten in der Vergangenheit vielfach diskutiert worden. Auch in einem "Worst Case"-Szenario dürfte die finanzielle Belastung für die Swiss Life aus dieser Rechtsangelegenheit begrenzt sein.

Baader-Helvea-Analyst Daniel Bischof rechnet denn auch nur mit einem leichten Kursrückgang im heutigen Handel. Er empfiehlt die Titel mit Blick auf die "attraktive Bewertung" und die Aussicht auf eine höhere Dividende nach wie vor zum "Kauf". Ein Kursrückschlag könne daher zum Ausbau der Swiss-Life-Position genutzt werden.

mk/ys

(AWP)