Swiss wegen Coronapandemie in Verlustzone gestürzt

(Meldung durchgehend ergänzt) - Die Coronapandemie hat die Swiss im ersten Halbjahr in die roten Zahlen gerissen. Operativ flog die Lufthansa-Tochter einen Verlust von 266,4 Millionen Franken ein nach einem Gewinn von 245,3 Millionen im Vorjahressemester.
06.08.2020 08:58

Der Umsatz stürzte um rund 55 Prozent auf 1,17 Milliarden Franken ab, wie die Swiss am Donnerstag in einem Communiqué bekannt gab. Schuld ist die Coronapandemie. Wegen den Reisebeschränkungen stand zeitweise 95 Prozent der Flotte am Boden.

In den ersten sechs Monaten flogen lediglich noch 3,2 Millionen Passagiere mit der Swiss. Das sind 64 Prozent weniger als im Vorjahr. Am schlimmsten war es im April, als die Zahl der Reisenden um über 99 Prozent zusammenschmolz. Im Juni betrug das Minus noch gut 92 Prozent.

Im gesamten ersten Halbjahr führte die Swiss knapp 60 Prozent weniger Flüge durch. Die durchschnittliche Auslastung der Maschinen sank auf 71,2 Prozent. Vor einem Jahr waren noch 82 Prozent aller Sitze belegt gewesen.

Der Buchungsstand betrage rund 20 Prozent eines normalen Jahres, hatte Swiss-Chef Thomas Klühr am Vortag in einem Interview gesagt. Im Gegensatz zum Lockdown führe die Swiss derzeit Flüge durch, sobald sie die variablen Kosten wie Treibstoff oder Gebühren verdiene. Derzeit verliere die Swiss weniger als 1 Million pro Tag. Auf dem Höhepunkt der Krise hatte der Swiss-Chef die Verluste auf 3 Millionen pro Tag beziffert.

Zwei Drittel der Flotte wieder im Einsatz

Im Juni wurde der Minimalflugbetrieb sukzessive auf 15 bis 20 Prozent der ursprünglich geplanten Kapazität wieder hochgefahren. Bis zum Herbst sollen mit etwa einem Drittel der Kapazitäten rund 85 Prozent aller Destinationen wieder angeflogen werden, die vor der Coronakrise bedient wurden.

Seit Juli seien rund zwei Drittel der 91 Swiss-Flugzeuge wieder im Einsatz, schrieb die Swiss. Darunter seien 41 Kurz- und 17 Langstreckenflugzeuge inklusive drei für reine Frachtflüge umgebaute Boeing 777.

In den derzeitigen Sommerferien verzeichne die Swiss vor allem in Europa eine starke Nachfrage sowie eine hohe Auslastung, die fast auf Vorjahresniveau liege, wenn auch bei deutlich geringerer Kapazität. Dies betreffe vor allem Tourismusziele und den Besuchsreiseverkehr bei Freunden und Familien, hiess es.

Dagegen sei bei den Geschäftsreisen die Nachfrage weiterhin äusserst schwach. Auch der Interkontinentalverkehr erhole sich aufgrund der andauernden Einreisebeschränkungen nur sehr langsam, schrieb die Airline.

"Die positive Entwicklung der Nachfrage nach Reisen in Europa stimmt uns verhalten optimistisch. Uns ist aber bewusst, dass noch ein weiter Weg vor uns liegt, bis diese Krise überwunden ist", erklärte Klühr. Es gebe die Chance, dass sich die Lage im Sommer 2021 wieder erhole. Entscheidend für eine Erholung sei die weitere Entwicklung im Interkontinentalverkehr, insbesondere auf den sehr wichtigen Strecken nach Nordamerika.

Keine Staatshilfe geflossen

Die Staatshilfe des Bundes sei noch nicht geflossen, hatte Klühr am Vortag gesagt: "Wir warten auf die Freigabe durch den staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in Deutschland. Ich hoffe, dass die in den nächsten Tagen kommt." Bisher sei die Swiss durch ihren Mutterkonzern Lufthansa gestützt worden.

Der Bund hatte für die Swiss und ihre Schwestergesellschaft Edelweiss eine Garantie von 1,275 Milliarden Franken beschlossen. Damit können sich die beiden Airlines Kredite bei den Banken in Höhe von 1,5 Milliarden Franken besorgen.

Es gebe kaum eine Airline, die ohne Staatshilfe durch die Coronakrise komme, sagte Klühr: "Trotzdem tut es weh." Die erste Kredittranche werde ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag sein, sagte Klühr: "Wir werden alles daran setzen, das Geld möglichst schnell zurückzuzahlen." Der Zins liege bei über 3 Prozent.

Liquidität gesichert

"Dank der frühzeitig eingeleiteten Massnahmen zur Liquiditätssicherung konnten wir unsere Fixkosten deutlich senken", erklärte Finanzchef Markus Binkert. Mit den Darlehen der Lufthansa Group und dem in Aussicht gestellten, vom Bund garantierten Bankenkredit sei die Liquidität gesichert.

"Wir müssen aber weiterhin unsere Kosten strukturell reduzieren, um die Kredite baldmöglichst zurückzahlen zu können", erklärte Binkert. Zur Verbesserung der Kostenstruktur werde die Swiss in den kommenden Monaten weitere umfassende Sparmassnahmen ergreifen und unter anderem ihren Flotteneinsatz auf den Prüfstand stellen. Zudem würden sämtliche nicht betriebsnotwendigen Investitionen über alle Unternehmensbereiche hinweg ausgesetzt. Wo genau der Rotstift angesetzt werde, erklärte Binkert nicht.

Die Lufthansa schrieb in ihrem Halbjahresbericht, dass bei der Swiss die Flottengrösse durch die verzögerte Auslieferung der bestellten Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge verkleinert werden solle. Überdies werde die Ausmusterung älterer Flugzeuge geprüft.

Dies hat Folgen fürs Personal. Klühr hatte am Vortag erklärt, dass im Schnitt noch 60 Prozent der Angestellten auf Kurzarbeit seien. Er gehe davon aus, dass es noch Anfang nächsten Jahres Kurzarbeit bei der Swiss geben werde.

jb/kw

(AWP)