Swissquote erzielt wieder Gewinn über 20 Mio - Ziele bis 2020

(Ergänzt um mehr Details) - Swissquote hat im vergangenen Jahr wieder einen ordentlichen Gewinn erzielt. Auch beim Nettoneugeld legte der Online-Broker dank der Übernahme der Postfinance-Kunden kräftig zu. Mit Blick in die Zukunft gibt sich das Unternehmen denn auch zuversichtlich und steckt sich ambitionierte Wachstumsziele.
03.03.2017 09:04

Trotz eines schwierigen Umfelds - genannt werden Brexit, US-Wahlen, Türkei - und einer starken Belastung durch die Negativzinsen der SNB (4,1 Mio CHF) sei der Ertrag um 2,5% auf 150,2 Mio angestiegen, teilt Swissquote am Freitag mit. Mit Ausnahme des rückläufigen eForex-Ertrags seien alle Bereiche gewachsen.

Im Detail stieg der Kommissionsertrag "trotz einer latent spürbaren Handelsunlust der Kunden" um 4,4% auf 69,5 Mio CHF. Dazu hätten die im ersten Halbjahr transferierten Postfinance-Konten, das ePrivate Banking und der Handel mit derivativen Produkten beigetragen.

Der eForex-Ertrag sank indes bei kleinerem Handelsvolumen und besseren Margen um 2,2% auf 52,8 Mio. Der Handelsertrag nahm um 2,8% auf 16,8 Mio CHF zu und der Zinsertrag um 5,1% auf 15,4 Mio.

STABILE AUSSCHÜTTUNG

Der Betriebsaufwand stieg um 4,1% auf 127,0 Mio. Dabei blieb der Personalaufwand stabil, während höhere Betriebskosten (Mehrausgaben bei den Finanzinformationen) und gestiegene Marketingaufwendungen anfielen, wie es heisst.

Der Vorsteuerwegwinn sank entsprechend um 5,4% auf 23,2 Mio. Die Marge lag mit 15,4% leicht über dem im November 2016 prognostizierten Wert von 15%. Unter dem Strich blieb ein Reingewinn von 20,8 Mio CHF, nachdem das Ergebnis im Vorjahr im Zuge der Aufgabe der Untergrenze zum Euro durch die SNB um 90% auf 2,1 Mio gefallen war. 2014 machte Swissquote noch 23,5 Mio Gewinn.

Die Aktionäre sollen wieder eine Ausschüttung von 0,60 CHF pro Aktie erhalten - davon 0,47 CHF als Rückzahlung von Kapitalanlagereserven und 0,13 CHF als Dividende. Die Gruppe begründet das mit einer soliden Kapitalquote.

Die Kernkapitalquote (Tier 1) habe sich nämlich 2016 weiter verbessert auf 24,5%. Swissquote sei damit "eine der bestfinanzierten Banken der Schweiz".

POSTFINANCE-EFFEKT

Beim Nettoneugeld verzeichnete das Institut einen Zufluss von 6,1 Mrd CHF, verglichen mit 1,2 Mrd im Vorjahr. Diese Entwicklung ist grösstenteils dem im Mai erfolgten Transfer der Postfinance-Kunden zuzuschreiben, denn der rein organische Zuwachs belief sich auf 1,6 Mrd. 2014 war die Zusammenarbeit bekannt geworden: Im Rahmen der Kooperation beteiligte sich die Postfinance auch mit 5% an Swissquote und gab die Kooperation mit der Waadtländer Kantonalbank auf.

Die Zahl der Konten stieg somit um 31% auf 302'775, wobei die Handelskonten um 38%, die Sparkonten um 1,1% und die eForex-Konten um 23% zulegten. Die gesamten Depotvermögen beliefen sich per Ende Jahr auf 17,86 Mrd (+49%).

Unter den Produkten konnte die Derivate-Plattform Swiss Dots 2016 den Marktanteil weiter ausbauen. Die abgewickelten Transaktionen stiegen den Angaben nach um 3% auf 190'000, was einem Anteil von durchschnittlich 34% der vergleichbaren an der SIX Structured Products Exchange gehandelten Hebelprodukte entspreche.

Die 2012 von Swissquote, UBS und Goldman Sachs gegründete Plattform wurde mittlerweile um die Deutsche Bank und Commerzbank erweitert. Derzeit werden 65'000 Hebelprodukte angeboten.

BIS 2020 STÄRKSTE "DIGITAL BANK" DER SCHWEIZ

Mit Fintech-Lösungen und Kooperationen will Swissquote bis 2020 ehrgeizige Wachstumsziele realisieren. Im Kommissionsgeschäft sei durch die Zusammenarbeit mit Postfinance bereits "ein grosser Schritt nach vorne gemacht". In den kommenden Jahren will das Swissquote dennoch sowohl organisch als auch durch das Angebot von Technologie und Broker-Funktion (White Label) für ausgewählte Partner weiter wachsen. Bis 2020 soll die Zahl der Kundenkonten um 100'000 erhöht werden und Swissquote "die stärkste Digital Bank der Schweiz" werden.

Weiter soll bis 2020 das Depotvermögen im ePrivate Banking auf über 1 Mrd CHF ansteigen. 2016 war es um 61% und erstmals auf über 100 Mio CHF gestiegen. Auch im eForex-Bereich soll das Depotvermögen (2016: +7,4% auf 226,1 Mio) weiter ausgebaut werden, um höhere Handelsvolumen und Erträge zu erzielen. Die Solidität von Swissquote sowie das Wachstum der Filialen in London, Malta, Dubai und Hongkong seien dafür massgebend, heisst es.

Unter Beibehaltung einer Vorsteuergewinn-Marge in der Grössenordnung von 15% soll das angestrebte Wachstum aus eigenen Mitteln finanziert werden.

ys/ra

(AWP)