Tagesüberblick Wirtschaft

Mittwoch, 8. März 2017
08.03.2017 17:19

GESTIEGENE PREISE: (Neuenburg) Schweizerische Konsumenten haben im Februar deutlich mehr für Luftverkehr und Gemüse bezahlt. Auch Pauschalreisen ins Ausland waren teurer. Diese Preissteigerungen konnten durch sinkende Preise für Heizöl, Kaffee und Beeren nicht wettgemacht werden. Unter dem Strich wurde das Leben in der Schweiz um 0,5 Prozent teurer. Der Landesindex für Konsumentenpreise (LIK) stieg um 0,5 Prozent auf 100,4 Punkte, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilte. Vergleichsbasis mit 100 Punkten ist der Dezember 2015. Die Kaufkraft der Konsumenten ist demnach im Februar, verglichen mit Januar, gesunken. Energie und Treibstoffe wurden im Februar, verglichen mit Januar, um 0,2 Prozent günstiger. Dem standen gestiegene Preise für frische und saisonale Produkte von 2,5 Prozent gegenüber. Ohne diese volatilen und saisonabhängigen Produktgruppen stiegen die Preise um 0,4 Prozent (Kerninflation 1).

UNGLEICHE LÖHNE: (Zürich) Politischer Wille, weibliche Zähigkeit und ausgefahrene Ellbogen sind gefragt, wenn Frauen mit Hochschulabschluss endlich gleich viel verdienen wollen wie Männer. Dies vorausgesetzt, könnte es in drei Jahrzehnten soweit sein. Die Studie "Getting equal 2017" des Beratungsunternehmens Accenture nimmt anlässlich des Weltfrauentags die Frauen selbst in die Pflicht: Wenn sie Erfolg haben wollen, müssen sie männliche Verhaltensweisen übernehmen, lautet der Tenor. Zudem sind Frauen aber darauf angewiesen, in diesen Bemühungen von der akademischen Welt, den Unternehmen und den Regierungen unterstützt zu werden. Erst dann sind laut Studie die Voraussetzungen gegeben, dass Frauen, die 2020 in Industrieländern wie der Schweiz ihren Hochschulabschluss machen, etwa ab dem Jahr 2044 gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Das wäre immerhin 36 Jahre eher, als unter den bisher herrschenden Bedingungen.

MEHR REINGEWINN: (Zürich) Die Regionalbankengruppe Clientis hat 2016 das dritte Jahr in Folge mehr Gewinn erwirtschaftet. Unter dem Strich verdienten die 15 in der Gruppe zusammengeschlossenen Banken 63,4 Millionen Franken. Das sind 16,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Geschäftserfolg kletterte gar um fast ein Viertel auf 67,7 Millionen Franken. Grund dafür ist allerdings der Wegfall einer Abschreibung: Im Vorjahr wurde die letzte Tranche für den 2011 erfolgten Wechsel auf die Kernbanken-Software Finnova abgeschrieben. In der heutigen Zusammensetzung blicke die Clientis-Gruppe auf ein Rekordgeschäftsjahr zurück. Letztmals mehr Gewinn hatte die Clientis-Gruppe im Jahr 2008 erzielt (75,8 Millionen Franken). Damals waren aber noch beinahe doppelt so viele Banken dabei.

GEWINNSPRUNG: (Wattwil SG) Der Spezialkunststoffhersteller Gurit hat im Geschäftsjahr 2016 bei einem leicht tieferen Umsatz den Gewinn deutlich gesteigert. Der Konzern hat sich dabei nach eigenen Angaben erfolgreich gegen den Rückgang an neu installierter Windkapazität behauptet. Während der Umsatz 2016, wie bereits Ende Januar kommuniziert, um 2,1 Prozent auf 352 Millionen Franken sank, erhöhte sich der Betriebsgewinn um 12 Prozent auf 36,8 Millionen Franken. Unter dem Strich resultierte ein um 15 Prozent höherer Reingewinn von 26 Millionen Franken. Die höhere Profitabilität sei hauptsächlich auf einen vorteilhaften Produktmix, das laufende Effizienzprogramm sowie auf eine vorteilhafte Rohstoff- und Wechselkurssituation zurückzuführen, heisst es als Erklärung in der Medienmitteilung.

AUF REKORDNIVEAU: (Zug) Das Schraubenhandels- und Logistikunternehmen Bossard hat im Geschäftsjahr 2016 bei Umsatz, Betriebs- und Konzerngewinn neue Höchstmarken erzielt. Unter dem Strich blieben dem Zuger Konzern 62,4 Millionen Franken - ein Plus von 14,6 Prozent. Der Betriebsgewinn (EBIT) stieg im vergangenen Jahr um 11,6 Prozent auf 78,5 Millionen Franken, wie Bossard mitteilte. Bereits im Januar war ein Umsatzwachstum von 5,9 Prozent auf 695 Millionen Franken kommuniziert worden. Getragen wurde das Wachstum vor allem durch die Regionen Europa und Amerika, wo Bossard die Marktposition in den letzten Jahren durch Zukäufe festigte. In Europa, dem grössten Markt mit einem Anteil von 58 Prozent, wuchs der Umsatz um 4,7 Prozent auf 401,6 Millionen Franken. In den USA verbuchte Bossard ein Plus von 12 Prozent, während Asien nur geringfügig zulegte (+0,6 Prozent). Inzwischen erzielt der Konzern 27 Prozent seines Umsatzes in Amerika und 15 Prozent in Asien.

WACHSTUMSSPRUNG: (Bern) Der bernische Autozulieferer Feintool profitierte im abgelaufenen Geschäftsjahr von dem Wachstum der globalen Automobilindustrie: Feintool erwirtschaftete 2016 einen Umsatz 552,2 Millionen Franken, wie das Unternehmen mitteilte. Das entspricht einer Zunahme von 8,5 Prozent in Lokalwährungen und 5,9 Prozent währungsbereinigt. Organisch erwirtschaftete Feintool ein Betriebsergebnis (EBIT) von 41,3 Millionen Franken, ein Plus von 25,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dazu hätten alle Segmente und Regionen beigetragen, schreibt Feintool. Unter dem Strich blieb ein Konzernergebnis von 32,1 Millionen Franken - 59,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit dazu beigetragen hat allerdings ein positiver Einmaleffekt aus der Personalvorsorge von 7,1 Millionen Franken.

MEHR UMSATZ UND GEWINN: (Zürich) Der Lagersystemhersteller Kardex hat im Geschäftsjahr 2016 mehr umgesetzt und verdient. Der Betriebsgewinn (EBIT) verbesserte sich um 11,3 Prozent auf 41,3 Millionen Euro. Unter dem Strich resultierte ein um 8,1 Prozent höherer Reingewinn von 30,8 Millionen Euro. Der Umsatz lag mit 358,5 Millionen Euro um 6,1 Prozent über dem Vorjahr. Das Jahresergebnis sei 2016 leicht negativ von Währungseffekten beeinflusst gewesen, während sich 2015 die Aufwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro noch erheblich positiv ausgewirkt habe, teilte Kardex mit.

GEWINNPLUS FÜR DORMAKABA: (Rümlang ZH) Das Sicherheitstechnologie-Unternehmen Dormakaba hat in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2016/2017 Umsatz und Gewinn steigern können. Das Konzernergebnis wuchs im Vergleich zum Vorjahressemester um 28,7 Millionen auf 95,8 Millionen Franken an. Der konsolidierte Umsatz stieg um 3,4 Prozent auf 1,174 Milliarden Franken, wobei auch das organische Wachstum 3,4 Prozent betrug, wie Dormakaba mitteilte. Damit knüpfe das Unternehmen an die gute Entwicklung des ersten gemeinsamen Geschäftsjahres an, nachdem Dorma und Kaba per 1. September 2015 fusioniert hatten.

NEUER VR-PRÄSIDENT: (Altdorf) Paul Hälg, der per Ende 2016 als CEO der Urner Industriegruppe Dätwyler zurückgetreten war, ist von den Aktionären zum Verwaltungsratspräsidenten des Unternehmens gewählt worden. Der 63-Jährige folgt auf den altershalber ausscheidenden Ulrich Graf. Hälg war von 2004 bis Ende letztes Jahr CEO der Dätwyler Gruppe. Der promovierte Naturwissenschaftler und Chemiker ist unter anderem auch Verwaltungsratspräsident des Zuger Bauchemiekonzerns Sika. Sika befindet sich in einem langjährigen und erbitterten Übernahmestreit mit der Gründerfamilie und dem französischen Bauriesen Saint-Gobain.

GEWINNWACHSTUM FÜR WKB: (Sitten) Die Walliser Kantonalbank (WKB) hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von 57,7 Millionen Franken erzielt. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 1,3 Prozent. Der Erfolg aus dem Zinsengeschäft zog um 4,3 Prozent auf 165,4 Millionen Franken an, wie die Bank mitteilte. Im Handelsgeschäft - das hauptsächlich aus dem Devisengeschäft besteht - erzielte die Walliser Kantonalbank einen Erfolg von 23,8 Millionen, das ist mit 21 Prozent über ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Dagegen warf das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft mit einem Erfolg von 34,7 Millionen Franken 3,3 Prozent weniger ab.

GUTER LAUF FÜR ADIDAS: (Herzogenaurach) Der deutsche Konzern Adidas hat 2016 beim Gewinn 2016 erstmals in seiner Geschichte die Milliarden-Grenze geknackt. Während der Gewinn von niedrigeren Beschaffungskosten und höheren Preisen profitierte, kurbelten die Fussball-Europameisterschaft und die Olympischen Spielen den Umsatz an, der um 18 Prozent auf 19,3 Milliarden Euro zulegte. Besonders gut schlug sich die Hausmarke Adidas, während der Konzern bei der Fitness-Tochter Reebok erneut umbauen musste. Von den Resultaten optimistisch gestimmt, schraubte der neue Adidas-Chef Kasper Rorsted die Mittelfristziele seines Vorgängers nach oben. Bis 2020 sollen die Einnahmen, verglichen mit 2015, jährlich im Schnitt um zehn bis zwölf Prozent zulegen, der Gewinn sogar um bis zu 22 Prozent.

WENIGER SCHULDEN: (Frankfurt) Ein drastischer Schuldenabbau übertüncht beim deutschen Autozulieferer Schaeffler die Schwächen in der Industriesparte. Der Reingewinn schnellte im abgelaufenen Jahr um 45 Prozent auf 859 Millionen Euro, weil das Familienunternehmen aus Herzogenaurach gut 200 Millionen Euro weniger Zinsen zahlen musste. Die Schuldenlast sank zum Jahresende um 2,3 Milliarden auf 2,6 Milliarden Euro. Operativ kam der Konzern mit weltweit fast 87'000 Beschäftigten dagegen kaum voran: Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Sondereffekten (EBIT) verbesserte sich nur leicht auf 1,70 (1,68) Milliarden Euro. Der Umsatz verbesserte sich währungsbereinigt um 3,4 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro.

IN TURBULENZEN: (Stockholm) Die krisengeplagte skandinavische Fluggesellschaft SAS ist im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2016/17 tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Der Vorsteuerverlust belief sich von November bis Januar auf umgerechnet 73,33 Millionen Euro. Das Minus fiel damit mehr als doppelt so hoch aus wie im Vorjahreszeitraum und schlechter als von Analysten erwartet. Airline-Chef Rickard Gustafson erklärte dies mit den Treibstoffkosten, negativen Wechselkurseffekten und der norwegischen Flugsteuer, die der Konzern angesichts des scharfen Wettbewerbs nicht an Kunden weitergeben könne.

STAGNATION IN GRIECHENLAND: (Athen) Die griechische Wirtschaft hat 2016 stagniert. Das Bruttoinlandsprodukt verharrte mit 184,5 Milliarden Euro auf dem Niveau von 2015, wie das Statistikamt Elstat in Athen mitteilte. Damit schnitt das von der Schuldenkrise geplagte Land schlechter ab als von seinen internationalen Geldgeber erwartet: Die EU-Kommission war von einem Wachstum von 0,3 Prozent ausgegangen, der Internationale Währungsfonds von 0,4 Prozent. Beide rechnen aber mit einer deutlichen Belebung. Die Wirtschaft soll dieses Jahr um 2,7 Prozent wachsen.

IMPORTWACHSTUM IN CHINA: (Peking) Der Rohstoffhunger Chinas treibt die Importe nach oben und nährt Hoffnungen auf eine anziehende Konjunktur im Reich der Mitte. Befeuert von einem Bauboom schossen die Einfuhren im Februar zum Vorjahr überraschend stark um 38,1 Prozent in die Höhe, wie die Zollbehörde des Landes mitteilte. Zugleich sanken die Exporte aber um 1,3 Prozent, so dass die Volksrepublik erstmals seit drei Jahren ein Handelsdefizit auswies - und zwar in Höhe von 9,15 Milliarden Dollar.

MILLIARDENSTRAFE IN DEN USA: (Washington/Peking) Der chinesische Netzwerkausrüster und Smartphone-Anbieter ZTE akzeptiert nach Verstössen gegen Iran-Sanktionen eine Milliardenstrafe in den USA. ZTE zahlt 892 Millionen Dollar an Strafen und Bussgeldern. Zusätzliche 300 Millionen Dollar werden fällig, wenn der Konzern erneut gegen Regeln verstösst. ZTE drohte ohne Einigung die Sanktion, keine Bauteile mehr von US-Firmen zu bekommen, was die Produktion lahmlegen würde. Der Vergleich, der noch vom zuständigen US-Gericht bestätigt werden muss, sieht eine dreijährige Bewährungsphase vor. Innerhalb dieses Zeitraums werden die Geschäfte von einem externen Prüfer überwacht. Der Konflikt belastete schon länger das Verhältnis zwischen den USA und China.

MILLIARDEN FÜR INFRASTRUKTUR: (Brasilia) Brasiliens Präsident Michel Temer will die Rezession mit einem Investitionsprogramm bekämpfen. 45 Milliarden Real - umgerechnet 14,6 Milliarden Franken - sollen in den Bau und Betrieb von Strassen, Häfen und Eisenbahnverbindungen gesteckt werden. Dies werde direkt und indirekt 200'000 neue Jobs schaffen, sagte Temer. Brasilien steckt seit Jahren in einer schweren Rezession, vor allem Rohstoffe sind nicht mehr der Treiber wie einst. Die Arbeitslosenquote liegt über zwölf Prozent. Im vergangenen Jahr ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 3,6 Prozent geschrumpft. Für 2017 erwartet der Internationale Währungsfonds allerdings wieder ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent.

(AWP)