Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 22. Dezember 2016
22.12.2016 17:54

SOMMERDESTINATION: Luzern ist 2015 die erfolgreichste Tourismusdestination im Alpenraum gewesen, zumindest wenn es es nach einem Index des Konjunkturforschungsinstituts Bakbasel geht. Über das ganze 2015 gesehen führt Luzern den "BAK TOPIndex" an. Unter den besten 15 von 149 gelisteten Destinationen ist neu auch Interlaken BE. Das gute Geschäft machten Luzern und Interlaken, die mit Bergen und See trumpfen können, im Sommer - sie führen die Sommerliste der Top 15 an. Auf Platz 6 folgt Weggis LU, das ebenfalls am Vierwaldstättersee liegt und die Rigi im Rücken hat. Schlechter sieht es für die Schweizer Destinationen aus, wenn man nur die Wintersaison betrachtet. Keine einzige Schweizer Destination findet sich unter den ersten 15. Angeführt wird die Rangliste von Lech-Zürs im österreichischen Vorarlberg, nahe der Schweizer Grenze. Dahinter folgen fast nur österreichische Ziele. Lediglich Val d'Isère/Tignes in den französischen Alpen und Gröden im Südtirol schafften es unter die 15 Besten.

BAUPREISE: Das Bauen ist in der Schweiz erneut günstiger geworden. Grund waren hauptsächlich tiefere Preise bei Hochbauten. Arbeiten im Tiefbau-Bereich wurden hingegen tendenziell teurer. Der halbjährlich berechnete Schweizerische Baupreisindex des Bundesamts für Statistik (BFS) ging zwischen April und Oktober um 0,5 Prozent zurüc. Innert Jahresfrist fielen die Baupreise um 1 Prozent. Dies ist der stärkste Rückgang innert Jahresfrist seit Oktober 2009. In der Berichtsperiode waren vor allem niedrigere Preise im Hochbau-Bereich für den landesweiten Preisrückgang verantwortlich. Besonders stark verbilligten sich Fenster, Aussentüren, Bedachungen, Dichtungen und Dämmungen, äussere Malerarbeiten, Storen sowie Sanitäranlagen. Regional betrachtet verbilligten sich Hochbauten in allen Grossregionen ausser in Zürich, dort blieben unverändert.

LOHNERHÖHUNG: Privat angestellte Sicherheitsleute erhalten im nächsten Jahr mehr Lohn. Der Verband Schweizerischer Sicherheitsdienstleistungs-Unternehmen (VSSU) und die Gewerkschaft Unia haben sich auf Lohnerhöhungen von bis zu 1 Prozent geeinigt. Ab Neujahr würden mehrere Mindestlöhne in Abhängigkeit von der Anstellungskategorie und dem Dienstalter der Angestellten zwischen 0,7 und 1 Prozent angehoben, teilten der Verband und die Gewerkschaft mit. Beide Seiten hätten den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Branche verlängert. Dem GAV seien bei den Mitgliederfirmen des VSSU 15'000 Sicherheitsmitarbeiter unterstellt.

ZIEGENMILCH: Der Milchverarbeiter Emmi erweitert sein Geschäft mit Ziegenmilch-Produkten. Er hat sich zu 80 Prozent am spanischen Ziegenmilchverarbeiter Làcteos Caprinos beteiligt. Der Zukauf ist Teil der Strategie, im Nischenmarkt mit Ziegenkäse stärker zu werden. Làcteos Caprinos erwirtschaftet mit rund 30 Mitarbeitenden einen Jahresumsatz von etwa 13 Millionen Euro. Das südspanische Unternehmen stellt hauptsächlich Halbfertigprodukte für Ziegenkäsehersteller im In- und Ausland her. Unter der Marke Delicapra vertreibt das Unternehmen ausserdem Ziegenfrischkäse über den spanischen Detailhandel. Da in Spanien die Nachfrage nach Ziegenmilchprodukten steige, könne Emmi so auch das lokale Geschäft mittelfristig weiter ausbauen, heisst es.

TELEKOMMUNIKATION: Der finnische Netzwerkausrüster und einstige Handy-Pionier Nokia wirft dem US-Technologieriesen Apple zahlreiche Patentverletzungen vor. Es seien deswegen Klagen in Düsseldorf, Mannheim und München sowie im US-Bundesstaat Texas eingereicht worden, teilte das Unternehmen mit. Dabei gehe es um 32 Patente auf verschiedene Innovationen von der Bildschirmgestaltung über Betriebssysteme und Antennen bis hin zu Mikrochips. Diese würden für "zahlreiche" Apple-Produkte genutzt. Nokia und Apple hatten den Angaben zufolge im Jahr 2011 eine Lizenzvereinbarung über die Nutzung bestimmter Patente durch den US-Konzern unterzeichnet. Danach habe sich Apple aber geweigert, ähnliche Vereinbarungen für weitere Bereiche abzuschliessen.

KORRUPTION: Der brasilianische Grosskonzern Odebrecht und seine Petrochemie-Tochter Braskem müssen wegen Bestechung von Regierungsfunktionären mindestens 3,5 Milliarden US-Dollar (3,6 Milliarden Franken) Strafe zahlen. Die Unternehmen hätten auf der ganzen Welt Behördenmitarbeiter geschmiert, um Regierungsaufträge zu erhalten, teilte das US-Justizministerium am Mittwoch mit. Odebrecht und Braskem bekannten sich schuldig. Die Strafzahlungen sollen in den USA, Brasilien und der Schweiz geleistet werden. Es sei die grösste Strafsumme, auf die sich die Prozessbeteiligten jemals in einem internationalen Korruptionsfall geeinigt hätten, teilte das Justizministerium mit.

VERKAUF: Der schuldengeplagte brasilianische Ölkonzern Petrobras verkauft Beteiligungen im Wert von 2,2 Milliarden Dollar an den französischen Partner Total. Dabei handle es sich um Anteile an zwei Ölfeldern und zwei Wärmekraftwerken. Der Staatskonzern werde 1,6 Milliarden Dollar in den nächsten beiden Monaten bekommen, den Rest danach. Damit hat Petrobras in den vergangenen beiden Jahren Beteiligungen im Wert von 13 Milliarden Dollar abgestossen - zwei Milliarden weniger als geplant. Das Unternehmen sitzt auf einem Schuldenberg von 125 Milliarden Dollar, ein Rekordwert in der Branche.

LUFTFAHRT: Airbus hat einen milliardenschweren Grossauftrag aus dem Iran unter Dach und Fach gebracht. Insgesamt werden 100 Maschinen an die Fluggesellschaft IranAir geliefert. Dabei handelt es sich um 46 Modelle des Typs A320 sowie 38 A330- und 16 A350 XWB-Flieger. Mit der Auslieferung soll ab Januar begonnen werden. "Das ist ein Meilenstein", erklärte Airbus-Präsident Fabrice Bregier. Nach dem Ende des Atomstreits und den damit verbundenen Sanktionen drückt der Iran bei der Modernisierung seiner veralteten Flugzeugflotte aufs Tempo. Jüngst hatte der amerikanische Airbus-Rivale Boeing sich eine Grossbestellung über 80 Flugzeuge zu einem Listenpreis von 16,6 Milliarden Dollar gesichert.

KONJUNKTUR: Die US-Wirtschaft ist etwas besser in Schwung als gedacht. Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandprodukt (BIP) aufs Jahr hochgerechnet um 3,5 Prozent zu, wie das Handelsministerium am Donnerstag nach endgültigen Berechnungen mitteilte. Bislang war es von einem Plus von 3,2 Prozent ausgegangen, nachdem es im Vorquartal nur zu 1,4 Prozent gereicht hatte. Das ist der stärkste Zuwachs seit Sommer 2014. Grund für die Aufwärtskorrektur: Die Konsumausgaben stiegen etwas kräftiger als bislang angenommen.

BANKEN: Die US-Investmentbank Goldman Sachs ist wegen Zinsmanipulationen zur Rechenschaft gezogen worden. Das Wall-Street-Haus muss auf Anordnung der US-Derivateaufsicht CFTC 120 Millionen Dollar (123 Millionen Franken) zahlen. Damit legt die Bank eine Klage der Regulierer bei. Händler von Goldman Sachs sollen zwischen 2007 bis 2012 versucht haben, durch verbotene Absprachen den Zinssatz Isdafix, der als Referenzmarke für bestimmte Finanzwetten dient, zu ihren Gunsten zu manipulieren. Wegen angeblicher Isdafix-Manipulationen hatte im Mai bereits die Deutsche Bank einen US-Vergleich über 50 Millionen Dollar akzeptiert.

ENTSCHÄDIGUNG: Der schwedische Möbelriese Ikea zahlt 50 Millionen Dollar Entschädigung an drei Familien in den USA. Die Kinder der Familien kamen durch umgestürzte Kommoden ums Leben. Der Vergleich wurde vom Anwaltsbüro Feldman Shepherd Wohlgelernter Tanner Weinstock & Dodig bekanntgegeben, das die Kläger vertrat. Teil der Vereinbarung seien zudem Geldspenden an Kinderkliniken. Zwei Kleinkinder starben 2014, als das Möbelstück auf sie kippte. Ein ähnlicher Fall ereignete sich in diesem Jahr. Ikea hatte deswegen im Sommer in Nordamerika insgesamt 35,6 Millionen Kommoden und andere Möbel zurückgerufen.

KONJUNKTUR: Saudi-Arabien will die heimische Wirtschaft mit höheren Staatsausgaben anschieben. Die Regierung plant für 2017 einen um sechs Prozent auf 890 Milliarden Riyal (rund 243 Milliarden Franken) kletternden Etat. Das zusätzliche Geld soll unter anderem in die Infrastruktur gesteckt werden. Zudem soll das Defizit von erwarteten 297 Milliarden Riyal in diesem Jahr dank steigender Einnahmen aus Öl-Verkäufen auf 198 Milliarden gedrückt werden. Gesunkene Einnahmen wegen des niedrigen Ölpreises haben Saudi-Arabien im vergangenen Jahr ein Rekord-Haushaltsdefizit von 367 Milliarden Riyal eingebrockt. Die Regierung des Ölexporteurs kürzte deswegen massiv staatliche Ausgaben und stoppte zahlreiche Bauprojekte. Das Bruttoinlandprodukt dürfte in diesem Jahr nur um 1,4 Prozent wachsen, nachdem es in den zehn Vorjahren im Schnitt vier Prozent waren.

(AWP)