Tagesüberblick Wirtschaft

Freitag, 1. Dezember 2017
01.12.2017 17:31

MESSEN: (Basel) Die Messebetreiberin MCH Group übernimmt den Sammler-Event Masterpiece London. Damit erweitert das Unternehmen das internationale Messeportfolio und verstärkt die Position in exklusiven globalen Sammler-Märkten. Die MCH Group hat per 30. November 2017 67,5 Prozent der Aktien der Masterpiece London Ltd übernommen, der Veranstalterin des gleichnamigen Sammler-Events, der jeweils im Sommer im "Royal Hospital Chelsea" in London stattfindet. Die restlichen 32,5 Prozent der Aktien werden von bisherigen Aktionären gehalten. Masterpiece London Ltd wurde den Angaben zufolge 2008 gegründet, wobei die erste Messe 2010 stattfand. Mit der Integration möchte MCH ihre Position in den wichtigsten globalen Sammler-Märkten ausbauen, heisst es weiter. Geplant sei, die Veranstaltung in den nächsten Jahren zusätzlich an weiteren Standorten in den USA, in Asien und im Mittleren Osten durchzuführen.

INTERNET: (Paris/Lupfig) Die angeschlagene französische Telekom- und Mediengruppe Altice stösst ihren Schweizer Internet- und Rechenzentrenbetreiber Green.ch ab. Die französische Beteiligungsgesellschaft Infravia Capital Partners kauft das Unternehmen für 214 Millionen Franken. Der Deal solle Anfang 2018 abgeschlossen werden, kündigte Altice an. Die Green.ch-Gruppe besteht aus zwei ICT-Dienstleistern: Green.ch bietet Privat- und Unternehmenskunden Internet und Datensicherung an, während Green Datacenter Rechenzentren betreibt. Die in Lupfig AG ansässige Gruppe wurde 1995 gegründet und verfügt über eine Filiale in Lonay VD und eine Niederlassung in China. Rund 120 Angestellte arbeiten für Green.

VERFAHREN ERÖFFNET: Verdacht auf Finanzierung von Terroristen und möglicher Verstoss gegen das EU-Embargo gegen Syrien: Wegen dieser Vorwürfe muss sich ein Manager der Zementgruppe LafargeHolcim in Frankreich verantworten, wie sein Anwalt in Paris mitteilte. Die Gruppe mit Sitz in Rapperswil-Jona SG soll in Syrien Extremisten bezahlt haben, damit ein Zementwerk im Norden des Landes in Betrieb bleiben konnte. Gegen den Leiter des Werks, Frédéric Jolibois, wurde ein offizielles Verfahren eröffnet. Zwei weitere Manager sollten am Freitag ebenfalls einem Richter vorgeführt werden. LafargeHolcim wird zudem vorgeworfen, der der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien Öl abgekauft zu haben. Damit habe die Gruppe gegen das EU-Ölembargo gegen Syrien verstossen, das seit dem Herbst 2011 galt.

KONJUNKTUR: (Zürich) Die Abschwächung des Schweizer Frankens und die robuste Konjunktur wirken sich positiv auf die Schweizer Industrie aus. Der Einkaufsmanager-Index (PMI) ist im November auf 65,1 Zähler und damit auf den höchsten Stand seit Juli 2010 geklettert. Das Plus von 3,2 Punkten geht auf die Wirtschaftsdynamik in Europa zurück. Diese stütze auch den Euro, heisst es in der Mitteilung zum PMI, der von der Grossbank Credit Suisse in Zusammenarbeit mit dem Fachverband für Einkauf procure.ch erstellt wird. Die einzelnen Komponenten des PMI zeigen gemäss Mitteilung ebenfalls das Bild einer robusten Industriekonjunktur: Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, die Lager werden abgebaut und die Subkomponente Produktion liegt auf dem höchsten Stand seit 2010. Sogar der Personalbestand wurde im November aufgestockt, wenn auch nach wie vor in eher verhaltenem Tempo.

STARKER AUTO-NOVEMBER: (Bern) Autohändler haben im abgelaufenen Monat so viele neue Autos verkauft wie in keinem anderen November seit 2012. Mit 26'749 neuen Autos rollten 1,3 Prozent mehr neue Fahrzeuge als im Vorjahresmonat auf die Strassen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein. Dieses Wachstum sei trotz eines starken Vorjahresmonats erreicht worden, teilte der Verband Auto-Schweiz mit. Seit Jahresbeginn sind 0,3 Prozent mehr neue Autos zugelassen worden als in der Vergleichsperiode. Der Zuwachs entspreche den Prognosen von Auto-Schweiz, wonach zum Jahresende ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahr resultierten sollte, schreibt der Verband. Damals waren Ende Jahr 317'318 Neuwagen eingelöst worden.

AUSBAU IN AFRIKA: (Baar ZG) Der Baustoffhersteller Sika baut sein Geschäft in Afrika aus: Das Zuger Unternehmen nimmt in Kamerun eine neue Fabrik für Betonzusatzmittel in Betrieb. Damit will Sika vom stark wachsenden Baumarkt profitieren. Die Dynamik der Bauwirtschaft werde durch Investitionen in die Infrastruktur und den Wohnungsbau stimuliert, schreibt Sika in einer Mitteilung. Die Ländergesellschaft in Kamerun hat Sika 2016 gegründet, zeitgleich wie die Niederlassung in Dschibuti. Der Konzern expandiert schnell in Afrika: Vor kurzen nahm Sika neue Werke in Angola, Nigeria und der Elfenbeinküste in Betrieb.

MEHR LOHN BEI ALDI: (Schwarzenbach SG) Der Discounter Aldi Suisse erhöht im kommenden Jahr die Löhne. Je nach Dienstalter und Standort bekommen die Mitarbeiter zu bis 1,0 Prozent mehr. Der Mindestlohn steigt ab 2018 von 4300 auf 4330 Franken pro Monat. Weiter habe Aldi Suisse im laufenden Jahr rund 80 neue Arbeitsplätze geschaffen, schreibt Aldi. Inzwischen arbeiten rund 3000 Mitarbeitende für den Detailhändler. Ende November hatte die Gewerkschaft Syna bei einem Vergleich der Detailhändlern ausgerechnet, dass Aldi seinem Verkaufspersonal die höchsten Mindestlöhne zahle. Syna wies allerdings darauf hin, dass Aldi keinen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) abgeschlossen hat. Der Lohn sei damit unverbindlich und könne jederzeit unterschritten werden.

TOURISMUS: (Luzern) Mit dem Bau des Tourismusresort ist in Andermatt seit 2011 die Zahl der Einwohner und der Beschäftigten, aber auch der Steuerertrag gestiegen. Eine Studie prognostiziert dem Kanton Uri dank dem Projekt bis 2022 ein Potenzial von 1700 weiteren Arbeitsplätzen. Aus dem Urserntal soll eine moderne Ganzjahresdestination werden, so das erklärte Ziel der Investoren in Andermatt. Seit 2009 wird daran gebaut: Neue 4- und 5-Sterne-Hotels, Apartmenthäuser, Golfplatz und andere Sportinfrastruktur entstehen, das Skigebiet wird aus- und das Bahnhofareal umgebaut. Bis 2016 hat die Andermatt Swiss Alps AG laut eigenen Angaben 725 Millionen Franken in das Projekt investiert, 400 weitere Millionen sind bis 2022 budgetiert. Diese Investitionen haben Andermatt bereits ein Bevölkerungswachstum beschert, wie eine Studie im Auftrag der Urner Volkswirtschaftsdirektion zeigt, die am Freitag in Altdorf vorgestellt wurde. Seit dem Vergleichsjahr 2011 wuchs die Zahl der Dorfbewohner innert fünf Jahren um knapp 300 auf 1600 an.

UNTRANSPARENT: (Brüssel) EU-Experten haben dem Vernehmen nach eine schwarze Liste mit rund 20 Steueroasen zusammengestellt. Die definitive Entscheidung soll beim Treffen der EU-Finanzminister am Dienstag in Brüssel fallen, hiess es aus EU-Kreisen. Die Schweiz dürfte nicht auf der Liste stehen. Insgesamt waren gut 92 Staaten von der EU wegen möglicher unfairer Steuerpraktiken unter die Lupe genommen worden. Rund 60 von ihnen wurden schriftlich aufgefordert, Reformen oder Klarstellungen in der Steuergesetzgebung vorzunehmen, um nicht auf der Liste zu landen. Jene Staaten, die sich unkooperativ zeigten, sollen auf eine schwarze Liste kommen, die veröffentlicht werden soll. Ob und wie konkrete Sanktionen gegen diese Staaten aussehen sollen, ist jedoch noch offen. EU-Staaten selbst werden auf keiner der Listen auftauchen, sie gilt nur für Länder ausserhalb der EU.

ZUGESTÄNDNISSE GEMACHT: (Brüssel/Frankfurt) Die Lufthansa hat nach Angaben der EU-Wettbewerbshüter kurz vor Fristende Zugeständnisse für die angestrebte Air-Berlin-Übernahme gemacht. Die Frist für eine Entscheidung verlängere sich damit nun bis zum 21. Dezember, teilte die Brüsseler Behörde mit. Details zu den Lufthansa-Vorschlägen nannte sie nicht. Der Konzern will mit den Teilgesellschaften LG Walter und Niki für 210 Millionen Euro einen beträchtlichen Teil des Flugbetriebs von Air Berlin mit 81 Jets und den dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen.

NGOS NICHT ERWÜNSCHT: (Buenos Aires) Nichtregierungsorganisationen (NGO) sind an der Welthandelskonferenz in Buenos Aires offenbar nicht erwünscht. Die argentinische Regierung hat einigen die Akkreditierung verweigert. Die zuständigen Stellen hätten einige Organisationen identifiziert, die vorhätten, die Veranstaltung zu stören, hiess es in Regierungskreisen zur Begründung. Deshalb sei ihnen der Zugang verweigert worden. Den Angaben zufolge sind unter anderem Vertreter der Schweizer UNI Global Union, des deutschen Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND), des niederländischen Transnational Institute und der britischen Organisation Global Justice Now! betroffen. Die Welthandelsorganisation (WTO) bedauerte den Vorgang. Es sei das erste Mal, dass ein Gastgeberland keine NGOs zulasse. Von 241 von der WTO akkreditierten NGOs seien 19 von Buenos Aires abgelehnt worden.

WELTHANDEL: (Buenos Aires) Nichtregierungsorganisationen (NGO) sind an der Welthandelskonferenz in Buenos Aires offenbar nicht erwünscht. Die argentinische Regierung hat einigen die Akkreditierung verweigert. Betroffen ist auch eine Schweizer NGO. Den Angaben zufolge sind unter anderem Vertreter der Schweizer UNI Global Union, des deutschen Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND), des niederländischen Transnational Institute und der britischen Organisation Global Justice Now! betroffen. Argentinische Regierungssprecher hatten indessen keine Information bereit. Die WTO-Ministerkonferenz soll in Buenos Aires vom 10. bis zum 13. Dezember tagen. Bundesrat Johann Schneider-Ammann wird daran teilnehmen.

ENERGIE: Der US-Elektroautohersteller Tesla hat in Australien das weltgrösste Batteriesystem in Betrieb genommen, das dort Engpässe bei der Stromversorgung abfedern soll. Das Lithium-Ionen-Akkusystem in der Nähe des Ortes Jamestown nördlich von Adelaide ist an einen Windpark angeschlossen und soll mehr als 30'000 Haushalte mit Strom versorgen können. Die Batterie hat eine Leistung von 100 Megawatt und soll helfen, insbesondere in den heissen Sommermonaten, wenn in Australien die meiste Energie verbraucht wird, den Strombedarf zu decken. Im vergangenen Sommer hatten extrem hohe Temperaturen wiederholt zu Stromausfällen in einigen Regionen Australiens geführt.

(AWP)