Telefonica muss wegen Brexit und Lateinamerika Umsatzeinbussen hinnehmen

(Ausführliche Fassung) - Der spanische Telekomkonzern Telefonica hat wegen des Brexit und den Währungsturbulenzen in Lateinamerika im vergangenen Jahr deutliche Umsatzeinbussen hinnehmen müssen. Auf Konzernebene fiel der Erlös um 5,2 Prozent auf 52 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag in Madrid mitteilte. Ohne Währungseffekte sowie Zu- und Verkäufe wäre der Erlös um 1,3 Prozent gestiegen.
23.02.2017 10:43

Der Verfall des britischen Pfunds nach dem Votum der Briten zum Austritt aus der EU sorgte für deutliche Rückgänge. In Lateinamerika wurde aus einem kräftigen Umsatzplus aus eigener Kraft ein ebenfalls deutliches Minus - ausgenommen Brasilien, dem zweitwichtigsten Einzelmarkt der Spanier.

Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) blieb das Unternehmen trotz eines Anstiegs um 14,3 Prozent auf 15,1 Milliarden Euro deutlich unter den Erwartungen von Analysten. Im Schlussquartal verbuchten die Spanier Umbaukosten von 1,3 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatten Kosten für den Personalabbau aber noch deutlich mehr zu Buche geschlagen, weswegen sich der Jahresnettogewinn auf 2,4 Milliarden Euro vervierfachte.

Die Aktien zogen in Madrid um knapp 3 Prozent an und bauten damit die jüngsten Kursgewinne aus. In diesem Jahr zählt das Papier mit einem Anstieg von neun Prozent bisher zu den stärksten Telekomwerten Europas. 2016 hatte der Titel mit einem Abschlag von 14 Prozent allerdings auch zu den grössten Verlierern gezählt. Händler führten die Gewinne am Donnerstag unter anderem auf die Entwicklung in Spanien zurück.

In Heimatmarkt hatte der Umsatz mit Telefon- und Datendienstleistungen zum Jahresende deutlich angezogen. Am Markt schätzten Händler auch den Ausblick als gut ein: Die Marge des operativen Ergebnisses soll um einen Prozentpunkt zulegen. Die Umsätze sollen sich stabil entwickeln, obwohl Regulierungseffekte in Europa mehr als einen Prozentpunkt Wachstum kosten könnten. Telefonica klammert bei der eigenen Prognose Wechselkurseffekte und Zu- wie Verkäufe aus.

Die Dividende soll für das laufende Jahr wie bereits vorgeschlagen 40 Cent betragen. Telefonica hatte nach dem geplatzten Verkauf des britischen Mobilfunkgeschäfts die Ausschüttung für 2016 und für 2017 gekappt. Der Konzern schiebt den unter europäischen Telekomkonzernen grössten Schuldenberg vor sich her und muss davon Stück für Stück abtragen, will er in der Gunst der Ratingagenturen wieder Boden gut machen.

Chef Jose Maria Alvarez-Pallete konnte allerdings zuletzt einen kleinen Erfolg vermelden. Die Infrastruktursparte mit Funkmästen und Unterseekabeln geht zu einem Viertel an den Finanzinvestor KKR, nachdem ein Börsengang im vergangenen Jahr platzte. Dafür streichen die Spanier zunächst rund 790 Millionen Euro ein. Über weitere 15 Prozent für mindestens 485 Millionen Euro hat sich KKR bereits ein Vorkaufsrecht gesichert./men/zb/fbr

(AWP)