Thomas Cook steigt wieder bei Aldiana ein - Sommergeschäft legt zu

(Ausführliche Fassung) - Der Reisekonzern Thomas Cook steigt nach einem turbulenten Sommer wieder bei der Club-Kette Aldiana ein. Zusammen mit dem Aldiana-Haupteigner, dem Schweizer Hotelentwickler LMEY, will Thomas Cook sein Angebot an eigenen Hotels weiter ausbauen, wie der Konzern mit Marken wie Neckermann Reisen und der Fluglinie Condor am Dienstag in London mitteilte. Nach der Türkei-Krise, den Zerstörungen durch Hurrikan "Irma" in der Karibik und der Insolvenz von Air Berlin sieht Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser den Konzern auf Kurs. Einen Wechsel gibt es in Kürze im Finanzressort.
26.09.2017 10:05

Am Finanzmarkt wurden die Nachrichten positiv aufgenommen. Die Thomas-Cook-Aktie startete in London am Morgen mit einem Plus von 0,66 Prozent in den Handel. Binnen zwölf Monaten hat sie damit fast drei Viertel an Wert gewonnen und sich von dem Schock nach dem Brexit-Votum von 2016 erholt.

Die Club-Kette Aldiana war 1973 vom Thomas-Cook-Vorgänger NUR Touristic gegründet worden. Später trennte sich der Konzern von der Gesellschaft, die seitdem mehrfach weiterverkauft wurde. Nun übernimmt der Konzern wieder 42 Prozent der Anteile. Aldiana betreibt derzeit acht Clubs in Spanien, Griechenland, Zypern, Tunesien und Österreich, weitere vier Anlagen sind für die kommenden beiden Jahre in Planung. Thomas Cooks grösserer Rivale Tui ist mit seinen Robinson Clubs und weiteren eigenen Hotels schon länger auf Expansionskurs. Thomas Cook und LMEY wollen jetzt auch über Aldiana hinaus in den Kauf von Hotels und Clubs investieren.

Die zu Ende gehende Sommersaison hat Thomas Cook trotz einigen Wirbels mehr Gäste und höhere Preise beschert. Insgesamt lagen die Buchungszahlen bis Mitte September um elf Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Die Preise zogen um ein Prozent an. In Kontinentaleuropa gaben die Kunden im Schnitt drei Prozent mehr Geld für Pauschalreisen aus, in Grossbritannien zogen die Preise um sieben Prozent an. Hier wirkte sich auch die Schwäche des britischen Pfunds aus.

Für das Ende September endende Geschäftsjahr 2016/17 sieht Fankhauser Thomas Cook auf Kurs zu einem operativen Gewinn, der den Erwartungen der Analysten entspricht. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Experten gehen bislang im Schnitt von rund 331 Millionen britischen Pfund (376 Mio Euro) aus. Im Geschäftsjahr 2015/16 hatten hier 308 Millionen Pfund zu Buche gestanden.

Derweil scheinen die Turbulenzen um die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin dem zu Thomas Cook gehörenden Ferienflieger Condor zu helfen. Die Buchungen bei Condor zogen im Sommer um zwölf Prozent an, die Ticketpreise hielten sich auf dem Niveau des Vorjahres. Die Kunden legten in einem gestörten deutschen Luftfahrt-Markt Wert auf verlässlichen Service, hiess es bei Thomas Cook. Air Berlin hat seit der Ankündigung der Insolvenz im August wiederholt Flüge gestrichen. Nachdem Condor im vorigen Geschäftsjahr im operativen Geschäft in die Verlustzone gesackt war und einen Sparkurs einleitete, soll die Gesellschaft das zu Ende gehende Jahr wie geplant mit schwarzen Zahlen abschliessen.

In der Konzernführung steht unterdessen ein Wechsel bevor. Thomas Cooks Finanzchef Michael Healy verlässt nach gut fünf Jahren das Unternehmen. Sein Nachfolger soll ab Januar 2018 Bill Scott werden, der bisher die Finanzberichterstattung verantwortet. Healy hatte das Finanzressort 2012 übernommen, nachdem Thomas Cook in eine existenzielle Krise gestürzt war. Verwaltungsratschef Frank Meysman lobte den Manager für seine Verdienste bei der Sanierung des Konzerns./stw/men/jha/

(AWP)