Uber will Behörden-Kontrolleure nicht mehr mit App-Attrappe täuschen

(neu: mehr Details und Hintergrund) - Der Fahrdienst-Vermittler Uber hat eingeräumt, dass Behörden-Mitarbeitern zum Teil eine manipulierte Version seiner App aufgetischt wurde - und will damit aufhören. Bei dem sogenannten "Greyballing" sieht die App für die betroffenen Nutzer echt aus, ist aber nicht funktionsfähig. Im Fall von Uber etwa werden Autos eingeblendet, die gar nicht da sind, und kein Wagen kann bestellt werden. App-Anbieter greifen zu dem Verfahren zum Beispiel, um zu verhindern, dass Konkurrenten ihre Dienste ausforschen oder sabotieren.
09.03.2017 13:41

Wie die "New York Times" am Wochenende berichtete, griff Uber aber auch zum "Greyballing", um von Aufsehern nicht beim regelwidrigen Betrieb erwischt zu werden. Der Fahrdienst-Vermittler war bekannt dafür, mit seinem Service schnell zu expandieren, ohne auf lokale Vorschriften Rücksicht zu nehmen. Behörden-Mitarbeiter, die Uber mit einer Testfahrt überführen wollten, hätten aber oft die App-Attrape eingespielt bekommen, schrieb die Zeitung.

Dem Bericht zufolge betrieb Uber dabei in vielen neuen Märkten einen grossen Aufwand, um die Behörden-Mitarbeiter zu identifizieren und ihnen falsche Inhalte in die App einzuspielen. Unter anderem hätten sie darauf geachtet, ob einzelne Nutzer die App häufig an Behörden-Standorten geöffnet hätten.

Zudem sei geprüft worden, ob eine bei Uber angegebene Kreditkarte mit einer Behörde verbunden gewesen sei, schrieb die Zeitung unter Berufung auf frühere Mitarbeiter. Schliesslich habe Uber auch geholfen, dass US-Kontrolleure für ihre Prüf-Aktionen oft günstige Telefone einkauften - Mitarbeiter des Fahrdienstes hätten sich in lokalen Elektronik-Läden deren Gerätenummern notiert. Auch Informationen aus Online-Netzwerken seien herangezogen worden. Nutzer-Konten, hinter denen man Behörden-Kontrolleure vermutete, seien dann für das "Greyballing" intern markiert worden.

Uber hatte zunächst erklärt, "Greyballing" werde eingesetzt, um Verletzungen der Nutzungsbedingungen zu verhindern. Jetzt kündigte Sicherheitschef Joe Sullivan jedoch eine Kursänderung im Bezug auf Behörden an: "Wir verbieten künftig ausdrücklich den Einsatz gegen das Vorgehen lokaler Regulierer." Aus technischen Gründen werde es aber einige Zeit dauern, bis das Verbot komplett umgesetzt werden könne.

Uber macht bisher keine Angaben dazu, in welchen Städten genau zum "Greyballing" gegriffen wurde - und welche Behörden jetzt dazu mehr Informationen haben wollen. Sullivan erklärte, die Software sei generell unter anderem für Tests genutzt worden. Ausserdem wird sie dem Unternehmen zufolge eingesetzt, um Schaden von Fahrern abzuwenden, die zum Teil von protestierenden Taxifahrern in einen Hinterhalt gelockt worden seien.

Die Aufklärung könnten sich schwierig gestalten: Dem "Wall Street Journal" zufolge führte Uber 2015 die Regel ein, alle E-Mails nach sechs Monaten zu löschen - auch um sie nicht offenlegen zu müssen.

Der in Finanzierungsrunden einst mit über 60 Milliarden Dollar bewertete Fahrdienst-Vermittler steht aktuell unter massivem Druck. Die Google -Schwesterfirma Waymo warf ihrem ehemaligen Top-Entwickler und heutigem Uber-Roboterwagenchef Anthony Levandowski in einer Klage vor, er habe vor seinem Abgang tausende vertrauliche Dokumente heruntergeladen. Uber bestreitet, gestohlene Technologie zu nutzen und kündigte an, den Streit vor Gericht auszufechten. Es wurden auch Vorwürfe laut, die Unternehmenskultur diskriminiere Frauen. Gründer und Chef Travis Kalanick machte zudem eine schlechte Figur in einem Video, in dem er mit einem Uber-Fahrer stritt. Inzwischen kündigte er an, eine starke Nummer zwei zu suchen und sich ändern zu wollen./so/DP/jha

(AWP)