UBS-Chef gerät im ING-Fall ins Visier der niederländischen Justiz

(Neu: Statement der Finma im fünften Abschnitt) - Der neue UBS-Chef, Ralph Hamers, wird von seiner Vergangenheit bei ING eingeholt. Die niederländische Justiz rollt einen 2018 mit einem Vergleich beigelegten Geldwäsche-Fall während seiner Zeit als ING-Chef neu auf, wie die Grossbank am Mittwoch mitteilte.
09.12.2020 13:55

Ein niederländisches Gericht habe angeordnet, dass die Staatsanwaltschaft Hamers Rolle in der Sache untersuche. "UBS hat volles Vertrauen in die Fähigkeit von Ralph Hamers, UBS zu führen", erklärte das Institut weiter.

UBS-Präsident Axel Weber unterstrich das Bekenntnis zu Hamers, der im November den langjährigen UBS-Chef Sergio Ermotti abgelöst hat, in einer Mitteilung an die Mitarbeiter. Die UBS habe im Rahmen ihrer Beurteilung von CEO-Kandidaten Hamers' Hintergrund umfassend überprüft.

Dazu habe auch eine Bewertung des Geldwäsche-Falls bei seinem früheren Arbeitgeber ING durch unabhängige Dritte gehört. "Wir waren mit den Ergebnissen dieser unabhängigen Beurteilungen und der damaligen Einschätzung des niederländischen Staatsanwalts vollauf zufrieden", so der UBS-Präsident.

Auch der Finanzmarktaufsicht Finma war der Fall bekannt, wie sie auf Anfrage von AWP mitteilte. Entsprechend habe sie diesen selbstverständlich im Zuge des Nominationsverfahrens untersucht und thematisiert. Aufgrund der zur Verfügung stehenden Informationen sowie der Beurteilung anderer Aufsichtsbehörden habe sie Hamers die sogenannte "Gewähr" bestätigt.

Geldwäsche-Fall wird neu aufgerollt

ING musste 2018 wegen mangelnder Kontrolle von Kundenkonten 775 Millionen Euro zahlen. Es war die grösste Geldwäschestrafe in der niederländischen Geschichte. Die Staatsanwälte hatten dem Institut vorgeworfen, Geldwäsche und andere über ihre Konten laufenden strafbare Aktivitäten über Jahre nicht entdeckt zu haben.

Das Verfahren endete zwar mit einem Vergleich, doch ein niederländisches Gericht setzte die Untersuchung fort, weil Investoren mit dem Entscheid nicht zufrieden waren.

"Das Gericht hält es für wichtig, dass in öffentlichen Strafverfahren der Standard bestätigt wird, dass Manager einer Bank nicht ungestraft davonkommen, wenn sie tatsächlich für verbotenes Verhalten verantwortlich sind", erklärte das Berufungsgericht in Den Haag.

Die Anleger reagierten gefasst auf die Nachricht. Die UBS-Aktie notierten am Mittwochmittag 0,3 Prozent im Plus.

mk/rw

(AWP)