Chinas Inflation bleibt moderat

(Ausführliche Fassung) - Der Preisauftrieb in China bleibt moderat. Nach Zahlen des nationalen Statistikamts vom Mittwoch hat sich zwar die Inflation auf Verbraucherebene im April etwas beschleunigt. Sie liegt aber immer noch deutlich unter dem Preisziel der Notenbank von rund drei Prozent. Unterdessen steigen die Preise auf Produzentenebene schwächer als in den Vormonaten. Dies könnte ein Hinweis auf geringere konjunkturelle Kraft sein.
10.05.2017 10:53

Die Verbrauchpreise erhöhten sich im April um 1,2 Prozent zum Vorjahresmonat. Analysten hatten eine Rate von 1,1 Prozent erwartet, nach 0,9 Prozent im März. Die Erzeugerpreise stiegen im selben Monat um 6,4 Prozent zum Vorjahresmonat, nach 7,6 Prozent im März. Die Markterwartungen von 6,7 Prozent wurden unterboten. Während die Verbraucherpreise das Preisniveau auf Endverbraucherebene beschreiben, geben die Erzeugerpreise das Preisniveau auf Ebene der Warenproduzenten wider.

Aus nationaler Perspektive gibt die allenfalls moderate Inflation auf Verbraucherebene der chinesischen Notenbank Spielraum, die Binnenkonjunktur mit ihrer lockeren Geldpolitik weiter zu unterstützen. Der geringere Anstieg der Erzeugerpreise, der schwächste in diesem Jahr, könnte dagegen als konjunkturelle Bremsspur gedeutet werden. Zumal auch andere Wirtschaftsindikatoren zuletzt in eine ähnliche Richtung gedeutet haben.

Die Entwicklung der Erzeugerpreise gilt vor allem als Gradmesser für die Lage in der Industrie. Es geht um die Preise, die Unternehmen beim Verkauf erzielen können oder beim Einkauf von Vorleistungsgütern bezahlen müssen. Wegen hoher Überkapazitäten in der Industrie waren die Preise auf Erzeugerebene über viele Jahre rückläufig. Seit Herbst 2016 geht es aber wieder aufwärts, was Fachleute prinzipiell positiv interpretieren. Die Strategie der Regierung, Überkapazitäten in grossen Branchen wie der Stahlindustrie abzubauen, könnte demnach erste Früchte tragen.

Aus internationaler Sicht kommt der Preisentwicklung in China ebenfalls eine erhebliche Bedeutung zu. Als zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt und globale Exportmacht übt das Land über internationale Warenströme grossen Einfluss auf die weltweite Preisentwicklung aus. Einige Fachleute sind der Meinung, dass China in den vergangenen Jahren seine schwache Inflation "exportiert" und so zur globalen Niedriginflation mit beigetragen habe. Andererseits wird die chinesische Inflation über den Warenimport auch durch internationale Entwicklungen wie die Rohstoffpreise beeinflusst./bgf/jsl/zb

(AWP)