Deckung der Vorsorgeeinrichtungen in erster Jahreshälfte gestiegen

Die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen haben den Schwung aus dem Vorjahr mitgenommen und ihren Deckungsgrad im ersten Halbjahr 2021 auf durchschnittlich 119,9 Prozent gesteigert. Am Jahresende 2020 hatte er bei 113,5 Prozent gelegen. Die Steigerung kam trotz der durch die Covid-19-Pandemie verursachten Unsicherheit an den Finanzmärkten zustande.
22.07.2021 16:22

Kapitalgewichtet befanden sich Ende Juni lediglich 0,6 Prozent der Pensionskassen in Unterdeckung, wie die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) am Donnerstag mitteilte. Sie konstatierte damit eine weitere kontinuierliche Verbesserung bei den Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie und ohne Vollversicherungen.

Bereits im ersten Quartal 2021 stieg der Deckungsgrad auf 115,5 Prozent. Mit den 119,9 Prozent Ende Juni trat eine signifikante Verbesserung im Vergleich mit dem Vorjahresstand ein: Ende Juni 2020 lag der Deckungsgrad bei 107,9 Prozent. Im März des Vorjahrs erreichte die Deckung erst 102 Prozent.

Die guten Deckungsgrade kamen gemäss der Aufsicht aufgrund der positiven Marktentwicklung im ersten Halbjahr 2021 zustande. Bei anhaltend tiefen Zinsen erreichten die Pensionskassen vor allem mit Aktien und alternativen Anlagen gute durchschnittliche Renditen.

Die Aktien rentierten mit 14,2 und die alternativen Anlagen mit 13,6 Prozent. Bereits Ende März hatten die Aktien mit 6,1 und die alternativen Anlagen mit 6 Prozent eine gute Performance gezeigt.

Schwankungsreserven aufgebaut

Da das Anlegen an den Aktienmärkten mit Risiken verbunden ist, müssen alle Vorsorgeeinrichtungen gemäss Gesetz eine durchschnittliche Schwankungsreserve von 17,8 Prozent aufbauen. Bis Ende 2020 hatten 30 Prozent der Pensionskassen diesen Zielwert erreicht, Ende März des laufenden Jahrs waren es 42 und Ende Juni 66 Prozent.

Die Aufsichtskommission schränkt ein, dass diese Reserven im aktuellen Tiefzinsumfeld volatil sind. Um ihren Verpflichtungen nachzukommen, müssen nämlich immer mehr Vorsorgeinstitutionen immer höhere Anlagerisiken auf sich nehmen.

Die OAK BV bilanziert, die Schweizer Pensionskassen hätten die Pandemie und ihre Folgen auf die Finanzmärkte gut überstanden. Die Werte dürften aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Reformbedarf bestehe. Die "aktuell unrealistischen" Umwandlungssätze führten neben den höheren Anlagerisiken zu einer ungewollten Umverteilung von aktiven Versicherten zu Pensionierten.

Wegen der Pandemie verstärkte die OAK BV die Vorsorgeeinrichtungen Anfang 2020 ihr Monitoring. Basierend auf der einheitlichen risikobasierten jährlichen Erhebung nahm sie monatliche Hochrechnungen vor. Dabei stützte sich die Aufsicht auf die individuellen Anlagestrategien und die effektive Entwicklung der Finanzmärkte. Insgesamt flossen die Zahlen von 1345 Einrichtungen mit einer Bilanzsumme von 798 Milliarden Franken in die Hochrechnung für Ende Juni ein.

(AWP)