Detailhandel erholt sich im Mai deutlich

(Ganze Meldung neu) - Die Umsätze im Schweizer Detailhandel sind im Mai nach den Einbrüchen in den beiden Vormonaten wieder deutlich gestiegen. Vor allem im Non-Food-Bereich hatten die Konsumenten Nachholbedarf.
30.06.2020 15:41

Die Lockerungen im Detailhandel im Mai liessen die Umsätze im Non-Food-Bereich gegenüber April nach oben schnellen, wie die am Dienstag publizierten provisorischen Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigten. Die Schweizer Konsumenten kauften in diesem Bereich fast zwei Drittel mehr ein als noch im April.

Dies zeigte sich auch bei Coop. "Unsere Non-Food-Geschäfte waren von der temporären Schliessung bis zum 11. Mai betroffen", sagte Coop-Sprecherin Marilena Baiatu gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. "Nach der Wiedereröffnung spürten wir bei allen Formaten einen erfreulichen Nachholbedarf."

Am stärksten stieg im Non-Food-Bereich gemäss BFS die Nachfrage nach Haushaltsgeräten, Textilien und Heimwerkerbedarf. Diese Sparte wuchs im Vergleich zum April um 118 Prozent. Der Handel mit sonstigen Gütern - dazu gehören Kleider, Uhren, Schmuck und Apothekenprodukte - nahm ebenfalls stark zu. Die Umsätze in dieser Branche erhöhten sich um über drei Viertel.

Non-Food im Jahresvergleich schwächer

Vergleicht man die Umsätze der sonstigen Güter allerdings mit den Verkäufen im Mai 2019, zeigt sich ein anderes Bild: Letztes Jahr waren die Umsätze in diesem Bereich noch rund 20 Prozent höher als im jetzigen Krisenjahr.

Weil allerdings der Verkauf in anderen Sektoren, wie etwa bei den Computern, Telefonen oder Fernsehern sowie bei Haushaltsgeräten, Textilien oder beim Einrichtungsbedarf zunahm, sanken die Umsätze im Non-Food-Bereich gegenüber Mai gesamthaft nur um 3,2 Prozent (real -1,7%).

Dass gewisse Non-Food-Segmente trotz Aufholeffekten noch immer stark unter der Krise leiden und die Umsätze unter Vorjahr liegen, liegt gemäss der Geschäftsführerin des Detailhandelsverbandes Swiss Retail Federation, Dagmar Jenni, in erster Linie an der Situation der Konsumenten.

"Gerade grössere Anschaffungen werden in unsicheren Zeiten zurückgestellt", sagt Jenni. Man müsse sich auch bewusst sein, dass im Mai ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung in Kurzarbeit war und über 150'000 Menschen arbeitslos. "Das heisst, man hatte deutlich weniger Geld in der Haushaltskasse."

Lebensmittelnachfrage profitiert von Heimköchen

Anders als die Non-Food-Geschäfte waren die Lebensmittelläden auch schon während der Phase der Coronabeschränkungen grösstenteils geöffnet. Dennoch verbuchten sie im Mai deutlich höhere Umsätze als noch im März und im April. Die Verkäufe nahmen im Vormonatsvergleich um über 13 Prozent zu.

Im Vergleich mit Mai 2019 ist die Zunahme im Lebensmittelgeschäft sogar noch deutlicher: Die Verkäufe zogen um über ein Fünftel an.

Dass die Schweizer Bevölkerung gegenüber dem Vorjahr deutlich mehr Lebensmittel einkaufte, verwundert Migros-Sprecher Marcel Schlatter nicht: Dies sei darauf zurückzuführen, dass die meisten Gastronomiebetriebe sowie die Grenzen im Mai noch geschlossen gewesen seien. Dadurch fiel der Einkaufstourismus weg, der gemäss dem Marktforschungsinstitut GfK in normalen Zeiten rund ein Zehntel der Detailhandelsumsätze ausmacht.

Auch Dagmar Jenni von der Swiss Retail Federation erklärte die höheren Nahrungsmittelnachfrage damit, dass im Mai noch viele Menschen im Homeoffice gewesen und dadurch seltener ins Restaurant gegangen seien. "Es wurde häufiger selber gekocht."

Nachholeffekte dürften nachlassen

Obwohl die Umsätze im Non-Food-Bereich im Jahresvergleich abnahmen, entwickelte sich der Detailhandel insgesamt positiv. Die Umsätze nahmen gesamthaft gegenüber Mai 2019 um 8,2 Prozent zu. Das hängt gemäss Jenni noch mit den Nachholeffekten zusammen. "Mit einer sich abkühlenden Konjunkturlage und der Öffnung der Grenze Mitte Juni wird sich die Richtung klarer weisen", sagt Jenni.

Sie gehe nicht davon aus, dass die Nachholeffekte weiter anhalten werden. "Wir hoffen jedoch, dass Juli/August gegenüber Vorjahr stabil bleibt oder leicht zulegen kann." Dies dürfte beispielsweise dann der Fall sein, wenn die Schweizer ihre Sommerferien im Heimatland verbringen.

tv/jb/kw

(AWP)