Deutschland: Einfuhrpreise verzeichnen stärksten Anstieg seit 1974

Der Preisauftrieb aus dem Aussenhandel setzt sich fort. Im April stiegen die Preise für nach Deutschland importierte Waren zum Vorjahresmonat um 31,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Das ist der stärkste Zuwachs seit September 1974, als die erste Ölkrise für einen noch deutlicheren Preisschub gesorgt hatte. Die aktuellen Daten spiegeln den Angaben zufolge auch die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine wider.
30.05.2022 08:35

Analysten hatten im Schnitt mit einer geringfügig höheren Rate von 31,8 Prozent gerechnet. Im März waren die Einfuhrpreise bereits um 31,2 Prozent gestiegen, im Februar lag der Schub bei 26,3 Prozent.

Im Vergleich zum Vormonat schwächte sich derweil der Preisauftrieb deutlich von 5,7 auf 1,8 Prozent ab. Analysten hatten hier einen Wert von 2,0 Prozent prognostiziert.

Unverändert steigen die Energiepreise besonders stark. Importierte Energie war im April 157,4 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Hauptgrund ist ein starker Anstieg der Erdgaspreise, die sich im Jahresvergleich mehr als vervierfachten. Rohöl und Mineralölprodukte wie Benzin waren ebenfalls erheblich teurer. Eingeführte Steinkohle kostete 322 Prozent mehr.

Die Einfuhrpreise stellen eine von mehreren Preisstufen dar, die auf die Verbraucherpreise einwirken. An letzteren richtet die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik aus. Wegen der sehr hohen Inflation hat die Zentralbank ihre Wertpapierkäufe verringert. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte nach langem Zögern bis zum Spätsommer ein Ende der negativen Leitzinsen in Aussicht. Andere Notenbanken wie etwa die US-Notenbank Fed oder die Bank of England haben ihre Leitzinsen unterdessen bereits deutlich erhöht./la/jha/

(AWP)