Deutschland: Erzeugerpreise steigen so stark wie noch nie seit 1949

Die bereits hohe Inflation in Deutschland legt weiter zu. Im Januar stiegen die Produzentenpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 25,0 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Das ist der stärkste Anstieg seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1949. Die Erwartungen von Analysten wurden übertroffen, sie hatten im Schnitt mit einem Zuwachs um 24,4 Prozent gerechnet.
21.02.2022 08:36

Im Monatsvergleich stiegen die Preise, die Hersteller für ihre Waren erhalten, um 2,2 Prozent. Dies ist allerdings ein deutlich geringerer Wert als der noch für Dezember berechnete Rekordanstieg von 5,0 Prozent. Experten hatten hier für Januar mit einem Plus von 1,5 Prozent gerechnet.

Hauptverantwortlich für die Entwicklung seien weiterhin die Energiepreise, erklärten die Statistiker. Energie war im Januar 66,7 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Gegenüber Dezember verteuerte sich Energie um 1,3 Prozent. Erdgas stieg mit einer Jahresrate von 119,0 Prozent besonders stark.

Hohe Preissteigerungen gab es auch bei Vorleistungsgütern wie Metallen sowie insbesondere bei Sekundärrohstoffen aus Papier und Pappe, Düngemitteln und Stickstoffverbindungen sowie Verpackungsmitteln aus Holz. Die Zuwächse sind Folge einer steigenden Nachfrage bei teils stark begrenztem Angebot aufgrund erheblicher Verspannungen im Welthandel.

Die Erzeugerpreise gehen in die Verbraucherpreise ein, an denen die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik ausrichtet. Sowohl in Deutschland als auch der Eurozone liegt die Inflation derzeit deutlich über dem Zielwert der EZB von zwei Prozent.

Bisher hält die EZB an ihrem Kurs mit Zinsen auf Rekordtief und milliardenschweren Anleihenkäufen fest. Nach der jüngsten geldpolitischen Sitzung Anfang Februar hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde aber eingeräumt, dass auch bei den Notenbankern die Sorge angesichts der unerwartet hohen Teuerungsraten wächst. Anhand neuer Daten will der EZB-Rat die Lage bei seiner nächsten Sitzung am 10. März neu beurteilen. Viele Volkswirte rechnen inzwischen damit, dass die EZB die Zinsen im Euroraum noch im laufenden Jahr anheben wird./la/eas

(AWP)