Negativzins Schweiz - Eher Zinserhöhung als weitere Senkung der SNB zu erwarten

Während sich Experten einig sind, dass die Zinsen in den USA 2017 steigen werden, sind sie sich uneins, was an der Schweizer Zinsfront geschieht.
26.02.2017 16:41
Thomas Jordan, Präsident der SNB.
Thomas Jordan, Präsident der SNB.
Bild: cash

Die Frage stellt sich, ob die Schweizerische Nationalbank (SNB) als nächsten Schritt die Zinsen weiter senken oder schon bald erhöhen wird.

Die Mehrzahl der von der Nachrichtenagentur AWP in der jüngsten Zinsprognose befragten Experten geht davon aus, dass letzteres eher der Fall sein wird, auch wenn es bis dahin noch längere Zeit dauern dürfte.

In welche Richtung sich die SNB in puncto Zinsen bewegen wird, dürfte nicht zuletzt von der weiteren Entwicklung an den Devisenmärkten abhängen. Reichen ihre wiederholten Interventionen aus, um eine schnelle und deutliche Aufwertung des Franken zu vermeiden, ist die Frage.

Mehr Interventionen aufgrund politischer Unsicherheiten

Einigkeit herrscht unter den Ökonomen, dass die Währungshüter aktuell und auch in den kommenden Wochen verstärkt am Markt eingreifen werden. Alessandro Bee, Ökonom bei der UBS, etwa meint, dass die SNB bis zu den französischen Wahlen intervenieren muss, weil bis dahin die Risikoaversion hoch bleiben werde.

Zuvor stehen noch Wahlen in den Niederlanden an, die an den Märkten ebenfalls für Volatilität sorgen könnten. Auch die Politik des US-Präsidenten Donald Trump wird als wenig vertrauensfördernd bezeichnet, was die Unsicherheit der Investoren erhöhe. Sie ist mit dafür verantwortlich, dass Anleger verstärkt nach sicheren Häfen suchen, zu denen bekanntlich der Franken gehört.

Die Sorgen, dass rechtspopulistische Kräfte Wahlen gewinnen könnten und damit die Volatilität nochmals massiv ansteigen könnte, sind bei den Experten unterschiedlich ausgeprägt. Während der Chefökonom der VP-Bank eher besorgte Töne anschlägt, glaubt David Marmet von der Zürcher Kantonalbank (ZKB), dass die Märkte die Gefahren überschätzen. Er rechnet nicht damit, dass Protestparteien auf breiter Ebene Regierungsverantwortung übernehmen werden.

Der Ökonom der UBS rechnet vor, dass die SNB - wenn sie in den kommenden 10 bis 12 Wochen weiterhin jeweils 4 bis 5 Milliarden an Devisenreserven kauft - etwa 50 Milliarden mehr auf der Bilanz hätte. "Das ist vertretbar", lautet sein Urteil.

Hohe SNB-Bilanz bereitet Sorgen

Hier scheiden sich aber die Geister. Denn Patrick Häfeli, Senior Strategieanalyst Fixed Income von der St. Galler Kantonalbank, hebt hervor, dass die Devisenreserven der SNB aktuell auf der Höhe des jährlichen BIP der Schweizer Wirtschaft liegen. "Da stellt sich die Frage, wie lange die SNB diese Währungspolitik noch weiterführen kann."

Theoretisch gebe es für die Höhe der Devisenreserven zwar keine Grenze. Dennoch sieht der Experte die Gefahr, dass das Vertrauen in die SNB-Politik Schaden nehmen könnte, sollte es zu starken Schwankungen in den Gewinnen und Verlusten der SNB durch ihre Politik kommen. Ähnlich kritisch äussert sich auch Gitzel von der VP Bank. Die Entwicklung der Bilanzsumme könne kaum als nachhaltig bezeichnet werden.

Während die Experten also davon ausgehen, dass der Aufwertungsdruck auf den Franken gegenüber dem Euro vorerst bestehen bleibt, wenn nicht gar zunimmt, bekommt die SNB von anderer Seite etwas Schützenhilfe.

Der tendenziell recht stabile US-Dollar hat den Währungshütern zuletzt immer wieder etwas Spielraum verschafft. Der UBS-Ökonom geht davon aus, dass eine Aufwertung des US-Dollars um 5 Rappen eine Abwertung des Euro um 2 Rappen erlaube, ohne dass der Franken dabei gesamthaft teurer werde.

Die Experten der Bank J. Safra Sarain scheren mit ihrer Position etwas aus. "Die SNB kann einen stärkeren Franken zulassen, die Zinsen senken oder hohe Interventionen in Kauf nehmen", erklärt Ökonom Florian Weber. Man gehe davon aus, dass die SNB die Zinsen nochmals senken werde, eine langsame Aufwertung des Franken zulasse und deshalb auch weiterhin interveniere.

(AWP)