Schottischer Whisky-Verband lobt Handelsgespräche mit Indien

Die schottischen Whisky-Hersteller haben den Start der Gespräche über ein Handelsabkommen zwischen Grossbritannien und Indien gelobt und hoffen auf zusätzliche Geschäfte. Die Verhandlungen böten eine "goldene Gelegenheit", um die hohen Zölle auf Whisky-Importe in Indien zu senken, sagte der Chef des Verbandes Scotch Whisky Association, Mark Kent, einer Mitteilung zufolge.
14.01.2022 06:41

Derzeit sind auf importierten Whisky indische Zölle von 150 Prozent fällig. Dabei ist Indien der zweitwichtigste Exportmarkt für schottischen Whisky. Allein im Jahr 2019 seien 131 Millionen Flaschen in das Land ausgeführt worden, hiess es. Trotzdem mache der Marktanteil von Scotch im Land mit der zweitgrössten Bevölkerung der Erde nur etwa zwei Prozent aus. "Es gibt dort ein riesiges Potenzial für Wachstum", sagte Kent. Er hofft bei einem Durchbruch bei den Gesprächen auf ein Wachstum von einer Milliarde Pfund (1,2 Milliarden Euro) über fünf Jahre.

Am Donnerstag hatte die Regierung in London die Gespräche mit Indien nach langer Verzögerung offiziell gestartet. Grossbritannien will sich im Aussenhandel in Zukunft stärker am indopazifischen Raum ausrichten und strebt auch eine Mitgliedschaft im transpazifischen Handelspakt CPTPP an. Ein Abkommen mit Indien biete "riesige Vorteile für britische Unternehmen, Arbeitnehmer und Verbraucher", sagte Premierminister Boris Johnson einer Mitteilung der Regierung zufolge. Auch die britische Autoindustrie, die in den vergangenen Jahren stark gelitten hat, hofft auf Zollerleichterungen für den indischen Markt.

Grossbritannien kann nach dem EU-Austritt wieder eigenständig Handelsabkommen schliessen. Das galt als eines der wichtigsten Argumente für den Brexit. Doch bislang ist die Ausbeute eher gering. Zwar wurden die meisten Handelsverträge, denen Grossbritannien als EU-Mitglied angehörte, auf bilateraler Ebene übernommen. Doch bisher kam nur ein weiterer mit Australien hinzu. Mit Neuseeland gibt es eine Grundsatzvereinbarung. In beiden Fällen gibt es erhebliche Zweifel, ob Grossbritannien überhaupt nennenswerte Vorteile durch die Abmachungen erhält./cmy/DP/stk

(AWP)