SNB bleibt unverändert expansiv - Franken ist weiter "deutlich überbewertet"

(Mit weiteren Angaben ergänzt) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekräftigt ihre seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses geltende Geldpolitik ein weiteres Mal und bleibt somit unverändert expansiv. Sie will insbesondere auch weiterhin bei Bedarf am Devisenmarkt tätig sein. In ihrem Wirtschaftsausblick weist sie auf erhebliche weltwirtschaftliche Risiken hin.
16.03.2017 10:12

Die SNB belässt nach ihrer neusten geldpolitischen Lagebeurteilung das Zielband für den Dreimonats-Libor bei -1,25% bis -0,25% und den Zins auf Sichteinlagen bei der Nationalbank bei -0,75%. Gleichzeitig sei die Nationalbank bei Bedarf weiterhin am Devisenmarkt aktiv, wobei die gesamte Währungssituation berücksichtigt werde, wiederholt die Notenbank die bisherige Sprachregelung. Die expansive Geldpolitik verfolge dabei das Ziel, die Preisentwicklung zu stabilisieren und die Wirtschaftsaktivität zu unterstützen.

Der Negativzins und die Bereitschaft der SNB, am Devisenmarkt einzugreifen, dienten derweil dazu, Anlagen in Schweizer Franken weniger attraktiv zu machen und so den Druck auf den Franken zu verringern, heisst es. Insgesamt bleibe der Franken weiterhin deutlich überbewertet.

BIP-PROGNOSE BESTÄTIGT

Bezüglich Wirtschaftswachstum bleibt die SNB bei ihrer Prognose und erwartet für 2017 in der Schweiz weiterhin ein Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) von "rund 1,5%". Dieser "verhalten positive" Ausblick stützt sich darauf ab, dass die Weltwirtschaft zuletzt im Rahmen der Erwartungen expandiert habe. Die zu Jahresbeginn verfügbaren Indikatoren deuteten zudem auf eine weitere Aufhellung hin, schreibt die SNB. Und auch im Inland würden die Konjunkturindikatoren auf die Fortsetzung einer moderaten Erholung hinweisen.

Die Währungshüter betonen jedoch die "erheblichen Risiken" für die Weltwirtschaft. Erwähnt werden die politische Unsicherheiten im Zusammenhang mit der künftigen Ausgestaltung der US-Wirtschaftspolitik, die anstehenden Wahlen in Europa sowie die komplexen Austrittsverhandlungen Grossbritanniens mit der EU.

INFLATION 2017 LEICHT HÖHER GESEHEN

Die Inflationsprognosen für die Schweiz wurden gegenüber Dezember nur leicht verändert. Für 2017 wird die Inflation neu bei +0,3% (bisher: +0,1%) gesehen, für 2018 bei +0,4% (bisher: +0,5%) und für 2019 bei +1,1% (erstmalige Schätzung). Die höhere Prognose für das laufende Jahr wird vor allem mit dem gestiegenen Erdölpreis begründet.

Bezüglich der Entwicklung am Hypothekarmarkt konstatiert die SNB, dass das Wachstum der Hypothekarkreditvolumen im vierten Quartal 2016 auf relativ tiefem Niveau in etwa konstant geblieben ist. Gleichzeitig habe sich die Beruhigung der Preisdynamik bei den Wohnliegenschaften fortgesetzt. Allerdings bestehen die Ungleichgewichte auf dem Hypothekar- und Immobilienmarkt nach wie vor, so die SNB. Sie beobachte die Entwicklungen deshalb weiterhin aufmerksam und prüfe regelmässig, ob der antizyklische Kapitalpuffer angepasst werden muss.

KEINE ÜBERRASCHUNG

Die Entscheide der SNB sind keine Überraschung. Fast alle Experten hatten im Vorfeld mit einer Bestätigung des bisherigen Kurses gerechnet. An den Märkten schlagen die Beschlüsse daher keine grossen Wellen. Sowohl EUR/CHF als auch SMI zeigen keine grossen Ausschläge. Der EUR/CHF-Kurs liegt eine halbe Stunde nach dem Zinsentscheid bei 1,0710 nach 1,0721 vor Bekanntgabe der Lagebeurteilung. Der SMI notiert 0,2% im Minus und damit auch nicht signifikant höher oder tiefer.

rw/gab

(AWP)