Vizepräsident Fritz Zurbrügg - «SNB hegt keinerlei Absichten, Bargeld abzuschaffen»

Fritz Zurbrügg, Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank, rechnet auch in Zukunft mit einer weiter hohen Nachfrage nach Bargeld und seinem alltäglichen Einsatz als Zahlungsmittel.
27.02.2017 14:17
Fritz Zurbrügg ist seit  Juli 2015 Vizepräsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank.
Fritz Zurbrügg ist seit Juli 2015 Vizepräsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank.
Bild: ZVG

Die bargeldlosen Alternativen könnten insbesondere bei der Zuverlässigkeit oder beim Datenschutz die Eigenschaften des physischen Geldes nicht vollständig ersetzen.

"Die SNB hegt keinerlei Absichten, das Bargeld abzuschaffen," sagte Zurbrügg am Montag laut Redetext am World Banknote Summit in Basel. Vor Kritikern - insbesondere grosser Stückelungen - verteidigt er das Festhalten am Bargeld. "In der Schweiz haben wir keine Hinweise, dass die grossen Notenwerte - namentlich die 1000-Franken-Note - in dieser Hinsicht ein besonderes Risiko aufweisen." Die Gesetze, insbesondere die Bestimmungen des Geldwäschereigesetzes und der entsprechenden Verordnung, würden einem allfälligen Missbrauch des Bargelds zu kriminellen Zwecken vorbeugen.

In Anlehnung an Mark Twain konstatiert Zurbrügg: "Die Gerüchte über den Tod des Bargelds sind stark übertrieben." Darauf weise die robuste Nachfrage des Publikums hin. "In den letzten Jahren ist der Wert des umlaufenden Bargelds im Verhältnis zur jeweiligen Wirtschaftsleistung in vielen Ländern angestiegen", so der SNB-Vize weiter. Als Gründe hierfür nennt Zurbrügg etwa die zeitweise erhöhte Unsicherheit über die Stabilität der Banken im Zusammenhang mit der Finanzkrise oder die tiefen Zinsen auf Transaktionskonten.

Das Publikum soll die freie Wahl haben

Die SNB setze sich gleichermassen für Bargeld sowie bargeldlose Zahlungsmittel ein, habe aber gleichzeitig keine Präferenz. Ihre Aufgabe sei es, dass sowohl die Nachfrage nach Bargeld befriedigt wird als auch der bargeldlose Zahlungsverkehr reibungslos funktioniert. Das Publikum habe damit die Wahlfreiheit zwischen Bargeld und bargeldlosen Zahlungsmitteln. Die Möglichkeit, Zahlungen auszuführen, sei eine grundlegende Voraussetzung für die Teilnahme am Wirtschaftsleben jedes Einzelnen und müsse allen offenstehen, betont Zurbrügg.

Die Wahlfreiheit sei aber nur dann tatsächlich gegeben, wenn die Bevölkerung Vertrauen sowohl in den bargeldlosen Zahlungsverkehr als auch in das Bargeld habe. Hier verweist Zurbrügg auf die stabilitätsorientierte Geldpolitik der Notenbank. Bargeld sei gegenständliches Symbol für die Qualität und Stabilität einer Währung. Für das Vertrauen in Banknoten sei zudem entscheidend, dass sie einen optimalen Schutz vor Fälschungen aufweisen und von höchster Qualität sind.

Die SNB ersetzt bis 2019 alle Stückelungen der alten Banknotenserie. Nachdem 2016 die neue 50-CHF-Note in Umlauf gebracht wurde, wird am 17. Mai 2017 die neue 20-CHF-Note ausgegeben. Die Ausgabe der neuen 10-CHF-Note ist dann für den Herbst 2017 geplant.

(AWP)