Tagesüberblick Wirtschaft

Freitag, 13. Januar 2017:
13.01.2017 17:28

ETAILHANDEL: Die grösste Schweizer Detailhändlerin Migros ist 2016 um 1,0 Prozent gewachsen. Der Umsatz der Gruppe stieg um 274 Millionen auf 27,7 Milliarden Franken. Teuerungsbereinigt betrug das Wachstum des Detailumsatzes 2,2 Prozent. Angesichts sinkender Preise, des anhaltenden Einkaufstourismus und der Terrorangst, die auf das Reisegeschäft drückte, zeigte sich Migros in einer Mitteilung am Freitag zufrieden mit dem Ergebnis. Insgesamt stagnierte der Umsatz der Genossenschaften aber bei knapp 16 Milliarden Franken. Die Tochter Denner wuchs um 2 Prozent. Rückläufig war das Gastronomiegeschäft. Auch die Energietochter Migrol litt unter den tiefen Treibstoffpreisen und dem warmem Winterwetter 2015/16.

ETWAS MEHR GEWINN: Die Hypothekarbank Lenzburg (HBL) hat 2016 erneut einen höheren Jahresgewinn eingefahren. Der Gewinn stieg auf 21,6 Mio. Franken - knapp 370'000 Franken mehr als im Vorjahr. Insgesamt konnte die Aargauer Regionalbank den Geschäftserfolg um 6,8 Prozent auf 26,8 Mio. Franken erhöhen. Unter dem Strich resultierte ein um 1,7 Prozent höherer Jahresgewinn von 21,6 Mio. Franken. Der Erfolg aus dem Zinsdifferenzgeschäft, der wichtigsten Ertragsquelle der Aargauer Bank, wurde um 0,8 Mio. auf 53,9 Mio. Franken gesteigert. Im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft bekam das Institut jedoch die Turbulenzen rund um den Brexit und die US-Wahlen mit entsprechenden Auswirkungen auf die Finanzmärkte zu spüren. Der Erfolg sank um 6,7 Prozent auf 10,8 Mio. Franken.

KLIMATECHNIK: Der Heizungs- und Lüftungshersteller Zehnder hat den Umsatz im Geschäftsjahr 2016 nur knapp um 1 Prozent steigern können. Das warme Herbstwetter und eine grössere Nachfrage nach preisgünstigeren Modellen hat das Geschäft mit Heizkörpern belastet. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 539 Millionen Schweizer Franken, wie das Aargauer Unternehmen mitteilte. In Europa, wo das Unternehmen mit 87 Prozent den Grossteil seines Umsatzes generiert, belief sich der Erlös auf rund 466 Millionen Franken. Dies entspricht in etwa dem Vorjahresergebnis und liegt damit deutlich unter den eigenen Erwartungen. Besonders in den wichtigen Märkte Frankreich, Grossbritannien und der Schweiz haben die Kunden weniger Heizkörper nachgefragt. Die Gruppenleitung erwartet nun ein operatives Ergebnis erheblich unter den angestrebten 30 Millionen Euro. Dabei ist der positive Effekt aus dem Verkauf der Produktionsstätte in China von knapp 40 Millionen Euro nicht inbegriffen.

FINANZPLATZ BLEIBT WICHTIG: Der Finanzplatz Zürich ist weiterhin von "eminenter Wichtigkeit", sowohl für die Region Zürich als auch für den gesamten Schweizer Finanzsektor. Dies geht aus der Studie "Finanzplatz Zürich 2016/2017" des Wirtschaftsforschungsinstituts BAK Basel hervor. Auch international schneidet Zürich gut ab. Die Region Zürich trug im Jahr 2015 44 Prozent zur gesamten Wertschöpfung des Schweizer Finanzsektors bei. Damit ist der Finanzplatz Zürich, der Banken, Versicherungen und sonstige Finanzdienstleistungen in den Kantonen Zürich, Schwyz und Zug umfasst, nach wie vor das mit Abstand grösste Finanzzentrum der Schweiz. Die Wertschöpfung des Zürcher Finanzsektors betrug 26,5 Milliarden Franken - 45 Prozent davon kamen von den Banken, 44 Prozent von den Versicherungen. Dies macht rund 17 Prozent des regionalen Bruttoinlandprodukts aus. Ausserdem arbeitete knapp jeder zehnte Beschäftige der Region im Finanzsektor.

WACHSTUM: Die US-Grossbank JP Morgan hat ihren Gewinn im Schlussquartal 2016 fast um ein Viertel gesteigert und dabei von einem anziehenden Geschäft nach der US-Präsidentenwahl profitiert. Der Überschuss kletterte um 24 Prozent auf 6,73 Milliarden Dollar, wie der amerikanische Branchenprimus mitteilte. Die Einnahmen legten um zwei Prozent auf 24,3 Milliarden Dollar zu und übertrafen damit die Erwartungen von Analysten.

EINBRUCH: Der Skandal um Phantomkonten hat der US-Grossbank Wells Fargo auch zum Jahresende einen Gewinnrückgang eingebrockt. Im vierten Quartal sei das Nettoergebnis um 6,4 Prozent auf 4,87 Milliarden Dollar gefallen, teilte das Institut mit. Das war bereits das fünfte Quartal in Folge mit einem geringeren Überschuss. Wells Fargo bemüht sich derzeit um eine Wiederherstellung ihres angeschlagenen Images. Die Bank soll über Jahre rund zwei Millionen Konten ohne Kundengenehmigung eröffnet haben. Damit wollten Bankmitarbeiter offenbar hochgesteckte Verkaufsvorgaben erreichen. Daneben sollen Mitarbeiter Kunden auch zu kostspieligen Finanzprodukten überredet haben, die diese weder anforderten noch brauchten.

GEWINNSPRUNG: Die Bank of America hat angesichts eines guten Handelsgeschäfts nach dem Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentenwahl einen Gewinnsprung geschafft. Der Überschuss kletterte im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 43 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar. Auch Kosteneinsparungen trugen dazu bei. Der Gewinn je Aktie stieg auf 40 von 27 Cent. Analysten hatten lediglich mit einem Ergebnis von 38 Cent je Anteilsschein gerechnet.

STÄRKSTER EXPORTEINBRUCH SEIT JAHREN: Die chinesischen Exporte sind im Jahr 2016 erneut geschrumpft. Die Ausfuhren fielen um 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit so kräftig wie seit Ausbruch der Weltfinanzkrise nicht mehr. "Der Trend zur Anti-Globalisierung wird immer offenkundiger, und China ist das grösste Opfer dieses Trends", sagte der Sprecher der Zollbehörde, Huang Songping, in Peking. Die Volksrepublik befürchtet, dass es unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump noch schwieriger wird. "Wir werden die Handelspolitik genau verfolgen, wenn Trump sein Amt als Präsident angetreten hat", sagte Huang. Der Republikaner hat wiederholt Strafzölle auf Billigimporte aus Ländern wie China ins Spiel gebracht. Die Importe legten dagegen unerwartet stark zu. Sie stiegen um 3,1 Prozent, während die Fachleute nur eine Zunahme von 2,7 Prozent erwartet hatten. Grund sei die hohe Nachfrage nach Rohstoffen wie Kohle und Eisenerz gewesen.

GROSSAUFTRAG FÜR BOEING: Die indische Fluggesellschaft SpiceJet will bis zu 205 Flugzeuge des Airbus-Konkurrenten Boeing im Wert von bis zu 22 Milliarden Dollar kaufen. Das Unternehmen teilte am Freitag mit, 155 Jets bereits bestellt zu haben. Zudem sei eine Option für 50 weitere Flugzeuge vereinbart worden. Bei der Bestellung handle es sich um Maschinen vom Typ 737 MAX. Darin enthalten sei eine Bestellung von 55 Flugzeugen, auf die man sich mit Boeing bereits 2014 geeinigt habe.

WENIGER PASSAGIERE IN FRANKFURT: Deutschlands grösster Flughafen in Frankfurt hat im vergangenen Jahr weniger Passagiere abgefertigt. Wegen Anschlägen in Europa und Streiks beim Hauptkunden Lufthansa sank die Zahl der Fluggäste um 0,4 Prozent auf 60,8 Millionen. Anders als der Frankfurter Flughäfen verbuchten andere grosse deutsche Airports im vergangenen Jahr Zuwächse. Am zweitgrössten deutschen Drehkreuz in München stieg die Zahl der Passagiere 2016 um gut drei Prozent auf 42,3 Millionen. Die Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld stellten 2016 einen neuen Passagierrekord auf. Sie zählten insgesamt 32,9 Millionen Gäste, ein Anstieg von elf Prozent.

APP.NET AM ENDE: Der ambitionierte Versuch, eine kostenpflichtige Twitter-Alternative ohne Werbung aufzubauen, ist endgültig gescheitert. Der Dienst App.net geht am 14. März vom Netz, wie die Entwickler in einem Blogeintrag ankündigten. Dem Service war es nicht gelungen, genug Nutzer anzulocken. App.net war 2012 gestartet, nachdem in einer Online-Kampagne 750'000 Dollar von Nutzern zusammenkamen. Ein Jahr später kamen 2,5 Millionen Dollar von Internet-Investoren hinzu. Zudem wurde zahlenden Kunden ermöglicht, Nutzer für eine kostenlose Version des Dienstes mit eingeschränkten Funktionen einzuladen. Die Einnahmen blieben jedoch so gering, dass sie seit 2014 nur dafür verwendet wurden, den Betrieb des Dienstes technisch aufrechtzuerhalten, ohne Weiterentwicklung.

VORWÜRFE GEGEN FIAT: Im Sog des VW -Dieselskandals gerät Fiat Chrysler auch in Europa unter wachsenden Druck. Die EU-Kommission forderte Italien am Donnerstag dazu auf, gegen den Autobauer gerichtete Vorwürfe des deutschen Verkehrsministeriums zu entkräften. Dem italienisch-amerikanischen Konzern wird vorgeworfen, in Dieselmotoren eine illegale Software einzusetzen. Nach Messungen des deutschen Kraftfahrtbundesamts (KBA) schaltet in bestimmten Fahrzeugen die Abgasreinigung jeweils nach 22 Minuten vollständig ab. Abgastests dauern in der Regel nur 20 Minuten. Das italienische Verkehrsministerium hatte im vergangenen Sommer erklärt, keine Abgas-Schummeleien bei Fiat Chrysler entdeckt zu haben. Nun teilte es mit, Autos mit der nun von den US-Behörden kritisierten Software seien in Italien nicht auf der Strasse getestet und auch nicht verkauft worden.

MILLIARDENZUKAUF VON KKR: Der US-Finanzinvestor KKR übernimmt das Geschäft mit Elektrowerkzeugen vom japanischen Technologieriesen Hitachi. Für die Tochter Hitachi Koki legt KKR 1,3 Milliarden Dollar auf den Tisch, wie die Beteiligungsfirma mitteilte. Die Übernahme ist bereits der zweite Milliardenzukauf von KKR in Japan binnen drei Monaten. Im November hatten die Amerikaner den Autoteilehersteller Calsonic Kansei für 4,5 Milliarden Dollar erworben. Zu KKR gehört seit 2015 auch der Schweizer Betriebs- und Automatenverpfleger Selecta.

RENAULT UNTER VERDACHT: Die französische Justiz hat ihre Ermittlungen gegen den Autobauer Renault wegen möglicher Abgas-Manipulationen ausgeweitet. Die Pariser Staatsanwaltschaft übertrug die Ermittlungen zu Dieselmotoren an drei Untersuchungsrichter, wie die Behörde mitteilte. Der Vorwurf lautet auf Betrug mit Folgen für die menschliche Gesundheit. Der Kurs der Renault-Aktie an der Pariser Börse ging nach Bekanntwerden dieser sogenannten richterlichen Voruntersuchung auf Talfahrt. Im Zuge des Diesel-Skandals bei Volkswagen hatte eine Expertenkommission in Frankreich Abgastests an zahlreichen Autos vorgenommen. Bei vielen Fahrzeugen wurde eine deutliche Überschreitung der zulässigen Grenzwerte festgestellt, unter anderem bei Renault-Autos. Renault hat stets beteuert, sich an französisches und europäisches Recht zu halten.

NEUE CHAT-FUNKTION: Die Videoplattform YouTube will sich und den Anbietern von Live-Streams mit einer neuen Chat-Funktion eine weitere Einnahmequelle erschliessen. Zuschauer können ihre Kommentare gegen eine Gebühr nun zum Beispiel auch farblich hervorheben lassen. Die Einträge sollen dann bis zu fünf Stunden lang oberhalb der oft viel zu schnell durchlaufenden Chat-Liste zu lesen sein. Die Veranstalter der Live-Streams könnten damit in engeren Kontakt zu ihren grössten Fans treten und sich zudem eine Finanzierungsquelle erschliessen, kündigte die Google-Tochter an. Live-Auftritte auf der Videoplattform von Stars und Sternchen zogen zuletzt immer mehr Fans an. Die Kommentare der oft vielen tausend Zuschauer laufen in einer Leiste vielfach in hoher Geschwindigkeit durch, so dass sie oft gar nicht zu lesen sind. Wer seinem Eintrag mehr Gewicht geben will, soll ihn nun prominent lesbar platzieren können.

NEUE SPIELKONSOLE: Nintendo bringt seine neue Konsole Switch am 3. März auf den Markt. Mit einem US-Preis von rund 300 Dollar wird sie in etwa genauso viel kosten wie die aktuellen Konkurrenzgeräte von Sony und Microsoft. Der Preis der Switch in Europa wurde zunächst nicht genannt. Die Vorbestellungen starten zumindest in Japan am 21. Januar. Die Spiele für die Switch sollen ohne regionale Einschränkungen weltweit nutzbar sein, kündigte Nintendo am Freitag an. Die Switch-Konsole ist der grosse Hoffnungsträger für Nintendo, nachdem das jüngste Modell Wii U sich schlecht verkauft und für hohe Verluste gesorgt hatte.

(AWP)