Weniger Risikoangst und mehr Frühbuchungen bei Reisen

Die Reiselust die Schweizer Bevölkerung bleibt ungesättigt. Im Durchschnitt gönnt sich ein Schweizer dieses Jahr wie im Vorjahr knapp drei Mal Ferien (2,76). Die geringere Angst vor Sicherheitsrisiken ist mit ein Grund für mehr Frühbuchungen.
12.09.2017 14:33

Mindestens einmal im Jahr unternehmen 82% (VJ 84%) der Schweizerinnen und Schweizer eine private Reise mit drei oder mehr Übernachtungen. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage des Reiseversicherers Allianz Global Assistance zum aktuellen Reiseverhalten hervor.

Trotz immer neuen Attentaten und Naturkatastrophen habe die Angst vor Sicherheitsrisiken auf Reisen deutlich abgenommen. Nur 51% der Befragten gaben heuer an, sie hätten Angst vor möglichen Unruhen und Terror. Im Jahr 2016 waren es noch 55% gewesen.

TALSOHLE BEI REISEBÜROS ERREICHT

Die veränderte Risikoeinschätzung habe auch mit Gewöhnung zu tun und wirke sich auf das Buchungsverhalten aus, sagte Angelo Eggli, Konzernchef von Allianz Global Assistance Schweiz, am Dienstag vor den Medien in Zürich.

Der Anteil der Frühbuchungen über mindestens zwei Monate im Voraus stieg von 46% im Jahr 2016 auf 50%. Zudem hielt der Trend zu Individualreisen weiter an. Von den über 1000 Befragten bevorzugten 69% (VJ 67%) die Buchung eines Individualangebots gegenüber einer Pauschalreise.

Für die Reisebüros positiv ist, dass 22% (VJ 21%) der Reiselustigen über ein Reisebüro buchen. Die Reisebüros bleiben zwar nach wie vor unter Druck. Doch die Talsohle dürfte erreicht sein, sagte Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands (SRV).

UNSICHERHEITEN BIETEN CHANCEN

"Nachdem in den letzten zehn Jahren rund die Hälfte der Reisebüros verschwunden sind, dürfte es nur noch wenige Anpassungen nach unten geben", so Kunz weiter. Allerdings ist der durchschnittliche Umsatz eines Reisebüros letztes Jahr gegenüber 2015 um 0,15 Mio CHF auf 2,9 Mio leicht gesunken.

Grund dafür sind Preisschwankungen. Wie aus einer separaten Umfrage des SRV zusammen mit der Universität St. Gallen hervorgeht, blieben die Brutto- und Nettorenditen stabil bei 15%, respektive 1,2%. Befragt wurden 573 Mitglieder - Zweidrittel davon antworteten.

Die geopolitische Lage mit vielen Unsicherheiten böte für Reisebüros auch Chancen, sagte Kunz. Viele Kunden seien verunsichert und vertrauten ihre schönsten Tage im Jahr gerne einem Reisebüro an, weil dieses bei Annullationen und Katastrophen kostenlos einspringe.

STEIGENDE PREISE

Die Einschätzung für künftige Margen und Preise ist in der diesjährigen Umfrage deutlich weniger negativ als noch im Vorjahr. Zum Optimismus steuern laut Kunz unter anderem Destinationsverschiebungen bei.

So bleibe die Nachfrage nach der eher günstigen Destination Türkei tief, dafür profitierten die eher teureren Mittelmeer-Regionen wie Spanien. Reisen nach Ägypten hätten sich unter anderem nach Oman verlagert.

Kunz rechnet generell mit steigenden Reisepreisen. Nicht nur weil die Mittelmeerziele teurer werden, sondern auch weil mehr Fernreisen und Mietwagen gebucht würden.

Zu Preissteigerungen beitragen dürfte auch der Konkurs von Air Berlin. Kunz hofft, dass möglichst wenige Kunden von Flugausfällen betroffen sind. Wenn die Lufthansa Air Berlin übernehme, erwarte er aber wegen der Monopolstellung eine zusätzliche Teuerung bei den Ticketpreisen.

cf/

(AWP)